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15. Februar 2013, 16:06 Uhr

Umstrittene Band Frei.Wild

Musik-Magazin gegen Rechtsrock

Von Christoph Twickel

Böhse Onkelz lassen grüßen: Die Band Frei.Wild spielt strammen Punkrock mit nationalistischen Texten. Das Alternative-Rock-Magazin "Visions" hat nun die Präsentation eines Festivals abgesagt, weil das Quartett aus Südtirol dort auftreten darf. Eine Distanzierung, die zu begrüßen ist.

Hamburg - Die Absage ist deutlich formuliert: Weil die Band Frei.Wild aus Südtirol "dem Rechtspopulismus zu sehr in die Hände spielt, um als unpolitisch gelten zu können", will die Redaktion des Alternative-Rock-Magazins "Visions" nichts mehr mit einem Festival zu tun haben, das sie spielen lässt. "Den Auftritt einer solchen Band wollen wir nicht unterstützen und ziehen uns deshalb aus der Präsentation des With Full Force zurück", erklärt die Redaktion auf der "Visions"-Website.

Die Organisatoren des Festivals im sächsischen Roitzschjora, das seit 1994 stattfindet, hatten zuvor auf ihrer Website verkündet, die "momentan angesagteste, zugkräftigste und umjubelste, aber auch eine der umstrittensten Bands des Streetpunk-Sektors" verpflichtet zu haben. Die Band Frei.Wild werde "gehasst und geliebt - das trifft es perfekt", so das Festivalteam. "Wir stehen für Toleranz, beteiligen uns nicht an Hexenjagden und freuen uns, Euch die Band zum Jubiläum erneut präsentieren zu können." Frei.Wild hatten schon 2010 - damals als eher unbekannte Band - auf der Veranstaltung gespielt.

Das Quartett um Sänger Philipp Burger, der auch schon mal in einer rechtsnationalen Skinhead-Band namens Kaiserjäger spielte, gehört mittlerweile zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Rockbands. Ihr Album "Gegengift" erreichte 2010 Platz zwei der deutschen Albumcharts. Mit dem Erfolg rückte die Band aus dem italienischen Brixen auch ihre nationalistische Ideologie stärker in den Fokus der Öffentlichkeit. "Wann hört ihr auf, eure Heimat zu hassen", singt Burger etwa in dem Song "Wahre Werte". "Wenn ihr euch ihrer schämt, dann könnt ihr sie doch verlassen." Der NPD-Funktionär Patrick Schröder lobte in seinem Web-Kanal FSN.tv das aktuelle Album von Frei.Wild als "Deutschrock mit patriotischem Einschlag", der der Sache der Nationalisten nur nützlich sein könne.

"Deutschrock mit patriotischem Einschlag"

Dem Vorwurf des Rechtsnationalismus - zeitweilig war Burger Mitglied der rechtspopulistischen Partei Die Freiheitlichen - begegnete die Band, indem sie einerseits betonte, nicht politisch agieren zu wollen. Andererseits inszenierte sich Frei.Wild auf ihrem 2012 erschienenen Album "Die Feinde deiner Feinde" ausgiebig als Opfer von "Saubermännern": "Sie richten über Menschen, ganze Völker sollen sich hassen / Nur um Geschichte, die noch Kohle bringt, ja nicht ruhen zu lassen", heißt es in dem Song "Gutmenschen und Moralapostel".

Und in "Nur die Dummen sagen Ja und Amen" singt Burger: "Gewisse Themen waren verboten im Land der Vollidioten / Nimm die Hand vom Mund, sag, was du fühlst / Wenn du dagegen bist".

Dass "Geschichte, die noch Kohle bringt", die nationalsozialistische Vergangenheit meint und das "gewisse Themen" die von Frei. Wild propagierte Vaterlandsliebe ist: Die nebulösen Formulierungen machen die Band anschlussfähig für ein breites Spektrum von rechtskonservativ bis rechtsradikal. Philipp Burger sei der "erste Rechtsrockstar im klassischen Sinne" und etabliere "Nationalismus und Anti-Antifaschismus als hippe Protestkultur", schreibt der Journalist Thomas Kuban, der jahrelang undercover in der rechten Szene recherchiert hat.

Die Redaktion von "Visions" verwahrt sich in ihrer Erklärung gegen diese schleichende Akzeptanz rechtsradikaler Ideologien in der Popkultur. "Deutschtümelnde wie nationalstolze Texte werden nun mal nicht besser oder gar relativiert, wenn bei Konzerten der Band 'Nazis raus!'-Sprechchöre angestimmt werden", heißt es dort.

Der wachsenden Popularität von Frei.Wild zum Trotz goutieren viele der "Visions"-Leser das deutliche Statement der Zeitschrift: Über 13.000 User haben die Absage bereits auf Facebook geliket (Stand Freitag 15:30 Uhr).

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