"Werewolves Of London" Songwriter Warren Zevon gestorben

Warren Zevon gehörte zu den scharfzüngigsten und politisch unkorrektesten Singer/Songwritern der jüngeren Pop-Historie. Makabre Hits wie "Werewolves Of London" machten ihn zu einem Liebling der Kritiker. Kurz nach Veröffentlichung seines jüngsten Albums ist der verschrobene Musiker an Lungenkrebs gestorben.


Musiker Zevon: Makabere Marotten
AP

Musiker Zevon: Makabere Marotten

Los Angeles - Zevon, Zeit seines Lebens starker Raucher, hatte sich oft mit schwarzem Humor mit dem Thema Tod befasst. Er schrieb Titel wie "I'll Sleep When I'm Dead" und "Things To Do In Denver When You're Dead". Über seinen Lebensstil sagte er einmal, er habe denselben Weg gewählt wie der 1971 verstorbene Doors-Sänger Jim Morrison "und 30 Jahre länger gelebt. Man trifft Entscheidungen und muss mit den Konsequenzen leben".

Zevon wurde als Sohn russischer Einwanderer in Chicago geboren, zog nach Los Angeles und verdiente seinen Lebensunterhalt zunächst, indem er Erkennungsmelodien für TV-Werbespots schrieb. Dann arbeitete er für die Everly Brothers als Pianist. Sein Debütalbum "Wanted - Dead Or Alive" veröffentlichte er 1969, es wurde allerdings kaum beachtet. In den frühen siebziger Jahren schrieb er trotz massiver Alkohol-Abhängigkeit einige Hits für Linda Ronstadt, darunter "Poor, Poor, Pitiful Me", "Carmelita" und "Hasten Down The Wind".

Die lange Freundschaft mit dem Westcoast-Songwriter Jackson Browne bescherte ihm 1975 einen neuen Start für seine brach liegende Solo-Karriere. Diesmal waren die Bemühungen von Erfolg gekrönt: Produziert von Browne wurde das Album "Warren Zevon" ein Hit bei Kritikern und Publikum. Der Nachfolger "Excitable Boy" rief noch mehr Lobeshymnen hervor und etablierte ihn als eigenständigen Songschreiber und Charakterkopf. Zuträglich hierfür war sicherlich auch der bis heute größte Hit Zevons, die makabre Burleske "Werewolves Of London", auf dem Zevon tatsächlich sehr ulkig wie ein Wolf heulte.

Mit all seinen schwarzhumorigen Marotten schuf sich Zevon bis in die frühen Achtziger den Ruf als einer der politisch unkorrektesten Songschreiber der Rockmusik. Leider fiel Zevon nach der erfolglosen Veröffentlichung des brillanten, politisch gefärbten Albums "The Envoy" (1982) wieder in ein Depressionsloch und wandte sich erneut dem Alkohol zu. Erst Ende der achtziger Jahre konnte er mit Hilfe prominenter Kollaborateure wie R.E.M, Neil Young und Vorbild Bob Dylan ein weiteres Comeback feiern. Das Album "Sentimental Hygiene" (1987) präsentierte den Musiker nach jahrelanger Rehabilitations-Therapie wieder in gewohnt scharfzüngiger Form.

Beileibe nicht alle Lieder des verschrobenen Musikers handelten von zynischen Polit-Relektionen, Tod und Gewalt. Zevons größtes Talent war es stets, die dunklen Seiten des Lebens mit seinem teilweise absurden Humor zu verknüpfen, wie in "Mr. Bad Example", "The Hula Hula Boys" oder "Gorilla, You're A Desperado" (1980). In diesem Song sperrt ein Zooaffe einen Yuppie in seinen Käfig ein und lebt fortan in der Menschenwohnung - nur um in Depressionen zu verfallen und geschieden zu werden.

In den neunziger Jahren veröffentlichte Zevon sporadisch einzelne Musikstücke, Live-Alben und verschiedene Experimente, darunter eine gut gelaunte Rock-Session mit den R.E.M-Musikern Peter Buck, Mike Mills und Bill Berry unter dem Titel "Hindu Love Gods" (1990) und das Cyberpunk-Konzeptalbum "Mr. Bad Example". Als reguläres Studioalbum erschien 2000 das düster-ironische "Life'll Kill Ya", an frühere Erfolge konnte Zevon jedoch trotz nachhaltiger Kritiker-Hymnen nicht anknüpfen. 2002 erschien mit "My Ride's Here" ein weiteres Album, kurze Zeit später erhielt Zevon die Diagnose, unheilbar an einer besonders schweren Form von Lungenkrebs erkrankt zu sein.

In seinen letzten Lebensmonaten vervollständigte der Musiker sein letztes Album "The Wind", veröffentlicht im August in den USA. In Deutschland erscheint es vermutlich Mitte September. Darauf fand sich auch eine prophetische Version des Dylan-Klassikers "Knockin' On Heavens Door". Warren Zevon starb am Sonntag im Alter von 56 Jahren in seinem Haus in Los Angeles, sagte sein Manager Irving Azoff am Montag gegenüber der "Los Angeles Times".

Andreas Borcholte



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.