Feine Flötenkonzerte Mozarts kritische Liebe, formvollendet

Dass Mozart die Querflöte nicht schätzte, ist kein Geheimnis. Trotzdem schrieb er Konzerte für sie. Und er schätzte die Arbeit seines Komponistenkollegen Myslivecek in Sachen Bläsern. Eine Wiederentdeckung.

Neda Navaee

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Geldsorgen waren es mal wieder, die Wolfgang Amadeus Mozart 1777 zur Annahme eines Kompositionsauftrages des niederländischen Mäzens Ferdinand Dejean trieben. Der wünschte sich für kammermusikalische Zwecke so ungefähr sechs Stücke, was Mozart allerdings nicht besonders motivierte. Vor allem die Flöte störte: Mozart hegte keine Liebe für diese Art der Bläsermusik. Also liefert er nur die Hälfte der Bestellung, zwei Konzerte und vier Quartette. Obendrein äußerte er sich abfällig über seine eigene Produktion. Zu Recht?

Wenn man das ebenso behände wie beglückende Spiel der jungen australischen Flötistin Ana de la Vega hört, begegnet dem Hörer ein vor Einfällen und Herausforderungen nur so strotzendes Konzert, das zu den schönsten Beispielen der Gattungen gerechnet werden kann. Understatement aus dem Hause Mozart: eigentlich nicht die Domäne des Salzburger Genies. De la Vega lässt mit langem Atem die sanglich-eingängigen, aber nie banalen Themen strömen, ihre warme und flexible Tongebung arbeitet den Charakter der Sätze markant heraus, die Einheit von Technik und Interpretation funktioniert.

Understatement aus dem Hause Mozart

Das zweite Flötenkonzert in D-Dur setzte Ana de la Vega an den Anfang ihrer Einspielung, die Bearbeitung des Oboenkonzertes, als zweites Mozarts "richtiges" Flötenkonzert in G-Dur. Recht so, denn was Mozart so abschätzig beurteilte, zeigt doch doppelt deutlich sein Temperament, seine nie versiegende Einfallsquelle und somit viel Engagement, dass der Besteller Dejean rundum zufrieden sein konnte. Wenn es nur mehr gewesen wäre! Auch das D-Dur-Konzert klingt in de la Vegas Lesart so frisch wie ein Frühlingstag. Dass es "nur" eine Bearbeitung ist, tut dem überzeugenden Gesamteindruck keinen Abbruch.

Perfektes Kammerorchester

Wesentlichen Anteil daran hat die perfekte Arbeit des von der kundig und straff dirigierenden Stephanie Gonley geführten English Chamber Orchestras. Mit dem Ensemble arbeitet Ana de la Vega seit 2010 zusammen, ihre Konzerte in England und Gastspiele unter anderem in Berlin brachten ihr tolle Kritiken ein, und die aktuelle CD (Pentatone) wurde folglich mit Spannung erwartet.

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Feine Flötentöne: Ana de la Vega trifft Mozart

Umso mehr, als sie mit Meister Mozart einen heute fast vergessenen Barock-Komponisten kombinierte, in dessen opulentem Werkverzeichnis sich ebenfalls ein einsames Flötenkonzert findet. Josef Myslivecek (1737-1781), geboren in Prag, komponierte 28 Opern, viel Kammermusik, reichlich Sinfonien, Solokonzerte, Klaviermusik, Oratorien und Kantaten, er war ein Vielschreiber und kreativer Kopf. Mozart bescheinigte ihm der Überlieferung nach "Feuer, Geist und Leben", was sich in seiner Musik ausdrückte. Dreimal besuchte er Myslivecek, das letzte Mal als den Böhmen eine Syphilis-Erkrankung schon fast dahingerafft hatte. Mozarts Einsatz für sein Werk half gegen diesen Verfall auch nicht mehr. Myslivecek starb einsam und vergessen in Rom.

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Die Karriere kommt in Fahrt

Das Flötenkonzert Mysliveceks bietet denn auch solides Virtuosenfutter mit besinnlichen Intermezzi, frei von Untiefen, aber straff und melodienfüllig durchgearbeitet. Wie bei Mozart bezaubert Ana de la Vegas federleichtes Spiel, ihre großen, von ausdauernder Atemtechnik getragenen Bögen holen ein Optimum an Ausdruck aus Mysliveceks gefälligem Werk, das durchaus neugierig auf mehr von dem einst gefeierten Komponisten macht.

Ana de la Vegas Karriere indes scheint auf solidem Weg zu sein. Sie studierte zunächst ihr Instrument in Sydney, dann in Paris und bekam nach Abschluss mit 23 Jahren zunächst den Posten als Erste Flötistin im Orquestra Sinfonica do Norte in Portugal. Dann gründete sie in London zusammen mit anderen jungen Musikern die London International Players, mit denen sie erfolgreich in der Londoner Wigmore Hall, aber neben vielen anderen Konzertorten auch in der Berliner Philharmonie und der Hamburger Laeiszhalle erfolgreich debütierte. In Deutschland gefiel es ihr so gut, dass sie jetzt in Hannover lebt. Eine bodenständige Wahl für einen Star in spe.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, dass Mozarts zweites Flötenkonzert in A-Dur geschrieben ist. Es ist in D-Dur.



insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
allphone 22.07.2018
1.
Im Artikel ist die Rede von Mozarts zweitem Flötenkonzert in A-Dur. Das wäre in der Tat eine Nachricht wert. Ansonsten frag' ich mich gelegentlich nach welchem Geheimnis, bei einer Fülle von guten Aufnahmen, es einzelne schaffen, an solch prominenter Stelle vorgestellt zu werden. Ob es vielleicht zu tun haben könnte mit Photos, auf denen da schöne junge Frau geheimnisvoll an sich 'runterschauen..., (ob vielleicht die Schuhe zum Kleid passen?)
vadian 22.07.2018
2. Da hat der Autor etwas verwechselt
Das G-Dur Konzert (KV 313) ist das "echte" und das D-Dur Konzert (KV 314) ist die Bearbeitung des Oboenkonzertes.
sysop 22.07.2018
3. Korrektur
Zitat von allphoneIm Artikel ist die Rede von Mozarts zweitem Flötenkonzert in A-Dur. Das wäre in der Tat eine Nachricht wert. Ansonsten frag' ich mich gelegentlich nach welchem Geheimnis, bei einer Fülle von guten Aufnahmen, es einzelne schaffen, an solch prominenter Stelle vorgestellt zu werden. Ob es vielleicht zu tun haben könnte mit Photos, auf denen da schöne junge Frau geheimnisvoll an sich 'runterschauen..., (ob vielleicht die Schuhe zum Kleid passen?)
Vielen Dank für den Hinweis. Wir haben den Fehler korrigiert. Die Redaktion.
lektra 22.07.2018
4. Traversflöte, nicht Querflöte
"Dass Mozart die Querflöte nicht schätzte, ist kein Geheimnis." Das ist so nicht ganz richtig: Mozart schätzte die Flöte (und das heißt die damalige Traversflöte) nicht. Die Querflöte mit ihrer Böhm'schen Klappenmechanik gab es damals noch nicht.
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