Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Nach Naidoo-Blamage: NDR-Intendant deutet Rückkehr zum ESC-Vorentscheid an

Xavier Naidoo (bei Konzert im Sommer): "Wir brauchen nicht drum herumreden - ein Fehler" Zur Großansicht
DPA

Xavier Naidoo (bei Konzert im Sommer): "Wir brauchen nicht drum herumreden - ein Fehler"

Die Intendanten der ARD haben sich mit dem Hin und Her um Xavier Naidoo und dem Eurovision Song Contest befasst. NDR-Intendant Marmor nannte die Nominierung einen Fehler. Zum neuen Entscheidungsmodus gebe es eine Tendenz.

Nach dem Debakel um die ESC-Nominierung Xavier Naidoos durch den NDR peilen die Verantwortlichen offensichtlich wieder einen Vorentscheid an. Die Tendenz gehe dahin, zum Wettbewerb zurückzukehren und das Publikum entscheiden zu lassen, wer im nächsten Jahr nach Stockholm fährt, sagte ARD-Vorsitzender und NDR-Intendant Lutz Marmor am Mittwoch in Hamburg.

Wie der deutsche Teilnehmer im Einzelnen ermittelt werden soll, stehe aber noch nicht fest - auch weil man die Entscheidung diesmal mit der ganzen ARD abstimmen wolle, so Marmor laut "Quotenmeter". Der innerhalb der ARD für den Wettbewerb verantwortliche Norddeutsche Rundfunk (NDR) hatte in der vergangenen Woche Naidoo zunächst ohne die sonst übliche Vorentscheidung als Teilnehmer für den Eurovision Song Contest (ESC) bestimmt, die Nominierung nach heftiger Kritik - auch von NDR-Mitarbeitern - aber wieder zurückgezogen.

"Wir brauchen nicht drum herumreden: Der NDR hat mit der Nominierung von Xavier Naidoo einen Fehler gemacht", sagte Marmor. Zu finanziellen Verpflichtungen, die sich für den Sender aus der Absage an den Sänger ergeben könnten, sagte NDR-Fernsehdirektor Frank Beckmann: "Es gibt aus unserer Sicht keinen Vertrag." Es gebe mündliche Absprachen über Eckwerte, "aber Eckwerte sind vertraulich". Beckmann betonte: "Wir haben keine Leistung abgerufen, und es gibt keinen schriftlichen Vertrag."

"Volles Vertrauen" für Unterhaltungschef Schreiber

Die Entscheidung, die federführend von Thomas Schreiber, dem NDR-Programmbereichsleiter Fiktion & Unterhaltung und ARD-Unterhaltungskoordinator, gefällt worden war, hatte zuvor schon ARD-Programmdirektor Volker Herres in einem Zeitungsinterview kritisiert. Er hätte es begrüßt, wenn die Diskussionen ARD-intern geführt worden wären. Die mangelnde Information innerhalb der ARD sah NDR-Fernsehdirektor Beckmann ebenfalls kritisch und meinte: Auch der ESC-Verantwortliche Thomas Schreiber, NDR-Unterhaltungschef, bedauere das sehr.

ARD-Programmchef Volker Herres stellte sich nun aber vor den in die Kritik geratenen Unterhaltungsmann. Thomas Schreiber habe sein "volles Vertrauen". Er sei "ein Mann mit großer Leidenschaft". Manchmal gehe einem dann halt das Herz über. "Das ist mir aber tausend Mal lieber, als keine Fehler zu machen", zitiert "Quotenmeter" den ARD-Oberen.

Das deutsche Pop-Establishment solidarisiert sich derweil weiter mit Xavier Naidoo. So äußerte sich Herbert Grönemeyer empört über die Absage an Naidoo: "Der NDR konnte sich glücklich schätzen, so ein Kaliber wie Xavier für seine Eurovision gewonnen und überredet zu haben", schrieb Grönemeyer auf seiner Facebook-Seite.

"Was jetzt auf seinem Rücken für ein absurdes Theater abgefertigt wird, ist unverständlich." Über die Proteste gegen Naidoo schrieb der Sänger: "Wir brauchen keine Gesinnungspolizei oder Meinungsüberwachung, sondern hoffentlich 80 Millionen verschiedene Köpfe und Wahrheiten". Naidoo sei ein christlicher Freigeist, nicht aber homophob oder rechts.

feb/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Autsch
j.vantast 25.11.2015
Generell ist es zu befürworten das nicht nur der NDR allein entscheidet. Und ein Kandidat sollte auch gewählt und nicht einfach bestimmt werden. Und Grönemeyer bedient sich neuerdings der Argumente die auch Pegida immer wieder vorbringt? Nein Danke.
2.
Willi Wacker 25.11.2015
Einfach wieder die Sache an Raab übergeben...
3. verlesen
cater 24567 25.11.2015
Schade, da habe ich mich doch glatt in der Überschrift verlesen. Ich las etwas von NDR Intendant, ESC und Rückzug. Mist. Die einzig logische und längst fällige Konsequenz dahin. Nach dem jahrelangen höchst peinlichen Debakel um den ESC und dem, was die Tiefflieger vom NDR daraus gemacht haben, wäre es ja tatsächlich logisch, dass der NDR sich raushält und die Sache einem professionellen Sender wie Tele5 oder QVC überlässt.
4. Christlicher Freigeist
wille17 25.11.2015
Grönemeyer sollte sich einfach die Texte von ihm anhören und die Kommentare die in die Welt hinausposaunt werden
5. Herr Schreiber will es nicht lassen ...
Gabor 25.11.2015
Nur falls man Antisemitismus als christliche Botschaft sehen will, hat Herr Schreiber recht Herrn Naidu als "christlichen" Freigeist zu bezeichnen. Wieviel länger will uns der NDR noch Herrn Schreiber zumuten?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: