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Petition gegen Xavier Naidoo: Das Wendland wehrt sich

Die Kassierer mit Sänger Wolfgang Wendland bei einem Konzert im Mai: Hashtag #KassiererStattXavier Zur Großansicht
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Die Kassierer mit Sänger Wolfgang Wendland bei einem Konzert im Mai: Hashtag #KassiererStattXavier

Viele protestieren gegen den ARD-Plan, Xavier Naidoo zum Eurovision Song Contest zu schicken, auch mit Petitionen. Besonderen Charme hat aber die Initiative, die als Alternative die Punkband Die Kassierer für den ESC vorschlägt.

Punk mit Plautze aus Bochum statt Soul mit Statements aus Mannheim - das ist die Antwort des Bloggers Stefan Laurin auf die Pläne der ARD, Xavier Naidoo konkurrenzlos für den Eurovision Song Contest 2016 antreten zu lassen. (Lesen Sie hier unsere Analyse dazu.)

Laurin, der das Journalisten-Blog "Ruhrbarone" verantwortet, hat am Freitag die Initiative gestartet, die Punkband Die Kassierer zum ESC schicken zu lassen. Zu diesem Zwecke startete er eine Internet-Petition (mit bis Freitagnachmittag knapp unter virtuellen 10.000 Unterschriften) und erschuf den Hashtag #KassiererStattXavier.

Die Band, die schon seit den Achtzigerjahren aktiv ist, erklärte in der Folge, sie sei bereit gegen Xavier Naidoo anzutreten. Musikalisch zeigen sich die Kassierer vorbereitet: "Zurzeit entwickeln wir mehrere Stücke mit ausgesprochenen Smashhit-Qualitäten, darunter ein flottes Diskostück, zu dem wir als mongolische Reiter verkleidet auftreten werden."

Kassierer-Sänger Wolfgang "Wölfi" Wendland, 53, sagte am Freitag: "Mich hat sehr gestört, dass Herr Naidoo gesetzt ist." Der Musiker und Satiriker ist auch für politische Aktionen bekannt. Bei der Bundestagswahl 2005 war er für die "Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands" (APPD) angetreten. Im September hatte er für das Amt des Bochumer Oberbürgermeisters kandidiert - er landete mit 7,9 Prozent der Stimmen knapp hinter der Grünen-Kandidatin auf Rang vier. Der Mann mit dem prägnanten Bierbauch tritt gern auch mal splitternackt auf.

Die Kassierer-Kandidatur ist nicht der einzige Versuch, den heftigen Widerstand zu kanalisieren: Inzwischen laufen im Internet mehrere Petitionen gegen die Pläne der ARD. Die Initiative "Keine ESC 2016-Teilnahme für Xavier Naidoo" hatte bis zum späten Freitagnachmittag gut 14.000 Unterstützer. Beim Parallelprojekt "Gegen die Teilnahme von Xavier Naidoo am Eurovision Song Contest 2016" signierten gut 10.000 Leute.

Schlager-Urgestein Ralph Siegel, 70, nahm Naidoo in Schutz, kritisierte aber das Verfahren. "Ich finde es nicht gut, dass die ARD keinen deutschen Vorentscheid veranstaltet, bei der auch der Nachwuchs eine Chance hätte, so wie man es früher immer sehr erfolgreich gemacht hat. Das finde ich fragwürdig", sagte Siegel "Focus Online". "Aber auf der anderen Seite ist Xavier Naidoo ein richtig guter Künstler. Das steht außer Frage und dagegen gibt es nichts zu sagen. Ich würde am liebsten ein Lied mit ihm schreiben."

Joy Fleming, 71, Mannheimer Rockröhre und Grand-Prix-Urgestein, nimmt ihren Sänger-Kollegen Xavier Naidoo in Schutz. Die Kritik an seiner Nominierung sei "fast bösartig", sagte sie im Interview mit dem "Mannheimer Morgen". "Ich kenne ihn ja, der Naidoo ist doch nicht rechtsradikal oder so was. Wahrscheinlich haben die bei der Entscheidung gedacht, je mehr Dreck geworfen wird, desto besser wird die Quote", sagt sie dem Blatt. Von der Stimme her könne es Naidoo sogar auf "Platz eins" schaffen.

feb/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 154 Beiträge
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1. o Tempora, o mores
windpillow 20.11.2015
Ich protestiere gegen X. Naidoo als ESC Teilnehmer --aber die "Kassierer sind genau so schlimm.
2. Frapierend
boblinger 20.11.2015
Wie viele Menschen Naidoos evangelikalen Friseurinnen-Soul qualitativ seit Jahren in den Himmel loben - ich werde es nie verstehen.
3. ESC - braucht niemand!
psypunk 20.11.2015
Aber 'ne Punkband würde ich mir angucken. Naidoo ist, nicht nur musikalisch, unerträglich!
4. Egal, wer singt...
CrocodileDandy 20.11.2015
...es ist unterm Strich eine gigantische Verschwendung von Gebührengeldern, die für ein - aus Qualitätssicht - fragwürdiges Musikspektakel ausgegeben wird. Das Businesscase würde ich gerne mal sehen, mit Sicherheit tiefrot
5.
arrache-coeur 20.11.2015
Wieso regen sich die Leute eigentlich so über die Nominierung Naidoos auf, wenn ohnehin kaum jemand die Sendung(en) anschaut? Mit Naidoo hat Deutschland immerhin die Chance auf ein paar Punkte. Als Raab noch Einfluss auf die Kandidatenauswahl hatte, waren oft Plätze im Mittelfeld und sogar ein Sieg (mit Lena) drin. Mit den "Kassierern" würde es wieder wie letztes Jahr heissen: Germany - Zero Points.
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