Xavier Naidoos "Marionetten"-Song "Das mag missverständlich gewesen sein"

Xavier Naidoo äußert sich nun erstmals zu seinem kontroversen Song "Marionetten". Es handele sich um eine "zugespitzte Zustandsbeschreibung", sagt der Sänger nach einem Krisentreffen mit dem Mannheimer Oberbürgermeister.

Xavier Naidoo
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Mit seinem Song "Marionetten" hatte Xavier Naidoo für viel Aufsehen gesorgt. Kritiker warfen dem Sänger vor, rechtsextremes und verschwörungstheoretisches Gedankengut zu bedienen. Jetzt hat sich Naidoo erstmals zu dem Lied geäußert: Auf seiner Facebook-Seite schreibt er, es handele sich "um eine zugespitzte Zustandsbeschreibung gesellschaftlicher Strömungen, also um die Beobachtung bestimmter Stimmungen, Auffassungen und Entwicklungen". Weiter heißt es, diese Beschreibung sei "bewusst überzeichnet". "Das mag missverständlich gewesen sein", räumt Naidoo ein.

In dem Lied "Marionetten", an dem Naidoo als Mitautor beteiligt ist, heißt es über Politiker unter anderem: "Teile eures Volks nennen euch schon Hoch- beziehungsweise Volksverräter." Zudem bezeichnet er sie als "Volks-in-die-Fresse-Treter" und singt, es helfe "kein Verstecken hinter Paragrafen und Gesetzen", wenn "der wütende Bauer mit der Forke" dafür sorgt, "dass ihr einsichtig seid". Diese Zeilen hatten zu derart massiver Kritik geführt, dass sich Naidoos Band Die Söhne Mannheims am Montagabend mit dem Mannheimer Oberbürgermeister Peter Kurz zu einem Krisengespräch im Rathaus der Stadt trafen. Kurz sprach danach von einem "intensiven Austausch" mit den Musikern. Details aus dem Gespräch wurden nicht bekannt.

Die Musiker und die Stadtverwaltung arbeiten seit Jahren zusammen, aktuell kooperieren beide etwa bei verschiedenen Kulturprojekten in Mannheim. Auch die bundesweit bekannte Popakademie in Mannheim ist eine gemeinsame Initiative. Band und Bürgermeister haben sich am Montag wohl auf einen gemeinsamen öffentlichen Umgang mit der Aufregung um das Lied geeinigt. Ein Statement des Oberbürgermeisters Peter Kurz steht noch aus.

Naidoo betont in seinem Statement, er selbst und die Band Söhne Mannheims stünden "für eine offene, freiheitliche, liberale und demokratische Gesellschaft, in der viele Kulturen gemeinsam zusammenleben und in der es allen Menschen möglichst gut geht". Dies sei ihm wichtig und dafür lohne es sich einzustehen. Allerdings hätten momentan "viele Menschen zumindest das Gefühl", dass "sie nicht mehr 'mitgenommen' werden von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik". Das sei gefährlich und könne zu Extremismus führen, der nie gut sei.

gia/dpa



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