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YouTube-Künstler Kutiman: Taktvoller Bilderstürmer

Von Christina Hollstein

Ophir Kutiel kann sie alle haben: Seit kurzem tanzen Internet-Musiker nach seiner Pfeife. Zwar nicht ganz freiwillig, aber dafür mit jeder Menge Funk. Denn der Künstler montiert ihre Clips zum groovenden Videopanorama.

YouTube-Wunder, so scheint es, gibt es inzwischen jede Menge. Kein Feuilleton, das sich nicht schon damit gebrüstet hätte, das einzig wahre Internet-Talent entdeckt zu haben. Doch der Erfolg der meisten Web-Sternchen ist von eher kurzer Dauer.

Ophir Kutiel, 27, ist einer dieser Kurzzeit-Klick-Rekordler. Zumindest mag das der Besucher beim ersten Betrachten seiner MySpace-Homepage vermuten: Mit funkigem Siebziger-Jahre-Design, Bildergalerien und jeder Menge Eigenwerbung unterscheidet sich seine Profilseite wenig von der anderer junger Künstler.

Erst der Link auf die Seite Thru-you.com lüftet Kutiels Erfolgsgeheimnis: Nicht er ist der Star seiner Videos, sondern eine Vielzahl fremder Künstler, die er auf YouTube mühsam ausgewählt und kunstvoll zusammenmontiert hat.

"Ich bedanke mich bei allen Stars, die an diesem Video mitgewirkt haben. Nur durch euch ist es möglich gewesen", richtet der Künstler seinen Dank in einem Videoclip an sein YouTube-Orchester.

Videos "Kutiman - Der Videopuzzler"
Kutiman
"Kutiman - Der Videopuzzler"

Anleitung vom Profi

Das ist Kutiman

"No Groove"

"Thru-you" - durch euch: Der Name ist Programm für die von Kutiel entwickelte Idee. Bis zu vier Videos von Instrumentalisten choreographiert der Künstler zu einem rhythmischen Mix.

Das Zusammenspiel von Beats und Bild, das rhythmische Ab - und Auftauchen von Videosequenzen, das das Gehörte taktgenau sichtbar macht, ist virtuos und markiert eine neue Stufe im postmodernen Spiel mit Bilder- und Tonfunden im Netz.

Den großen Erfolg seiner Hommage hatte Kutiel nicht erwartet; die enorme Zahl der Besucher sorgte nun sogar für den kurzzeitigen Absturz der Seite. Wie gut, dass geistesgegenwärtige Fans schnell reagierten: Sie sicherten Kutiels Arbeiten, indem sie sie wohin kopierten? Zu YouTube natürlich.

"Ophir ist überwältigt von dem Hype, den das 'Thru-You'-Projekt ausgelöst hat", verkündet nun Kutiels Manager Boaz Murad, "er hat ein sehr schüchternes Wesen und ist momentan noch nicht bereit für Interviews."

Auch Oliver von Felbert, Chef des Kölner Plattenlabels MPM (Meltin Pot Music), das Kutiel bereits 2006 unter Vertrag genommen hat, beteuert: "Kutiel ist definitiv keine Diva, sondern ein vom Typ her bescheidener, introvertierter Künstler."

Bescheidenheit oder PR-Strategie? Ein MySpace-Video, in dem seine Freunde den Künstler vorstellen, lässt eine Lösung erahnen: Dort sitzt ein stofftiergesichtiger, großer Junge und blickt, vom Kumpel zum Genie erklärt, verlegen zur Seite.

Geboren in Jerusalem und aufgewachsen in der Kleinstadt Zichron Yaacov, begann Kutiel im Alter von sechs Jahren mit dem Klavierspiel. Mit 14 kamen Schlagzeug und Gitarre hinzu, später studierte er Jazz am Rimon Music College in Tel Aviv.

Der Jazz-Purist entdeckte erst durch seine Arbeit in einem Supermarkt die Vielfalt der Popmusik. Dort hörte Kutiel nämlich den örtlichen College-Radiosender. Was er dort aufschnappte, überwältigte ihn. "Ich war schockiert und aufgeregt zu erfahren, dass so viele Musikrichtungen existieren", teilt er auf www.mpmsite.com mit.

Der Kontakt zum ebenfalls aus Israel stammenden Künstler DJ Sabbo eröffnete Kutiel später die Welt der Funk- und Afrobeats, die seine auf House basierende Musik heute dominieren.

Und der Künstlername Kutiman? Gehört ebenfalls zur Zitierkunst Kutiels: Er spielt auf den Namen der 1997 verstorbenen Afrobeat-Legende Fela Kuti an, Kutiels großem Vorbild.

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Video-Artist Kutiman: Beats und Bilder


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