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Popikone David Bowie: Diese zehn Songs müssen Sie kennen

Popstar Bowie (hier 1973 mit dem Model Twiggy): Die große Maskerade Zur Großansicht
Getty Images

Popstar Bowie (hier 1973 mit dem Model Twiggy): Die große Maskerade

Kein Künstler des 20. Jahrhunderts war so wandelbar wie David Bowie. Wie nähert man sich dem Phänomen also am besten? Über seine Lieder: Let's Dance!

1. Space Oddity (1969)

"Ground Control to Major Tom": Schon im Jahr 1967 hatte David Bowie seinen sphärischen Popsong geschaffen, in dem er Fortschrittsglauben elegant mit Melancholie bricht; doch erst zwei Jahre später schallte er passend zur Mondlandung im Juli 1969 weltweit aus den Radios. Bowie sang seine von Stanley Kubricks Astronauten-Epos "2001: Odyssee im Weltraum" inspirierte Hymne geradlinig, gab sich im zugehörigen Video hinter seiner Akustikgitarre zurückhaltend kokett - und schuf gleich mit seinem ersten großen Erfolg einen zeitlosen Klassiker. (Lesen Sie hier eine ausführliche Würdigung des Songs.)

David Bowie - "Space Oddity"

Space Oddity von David Bowie auf tape.tv.

2. Life on Mars (1971)

Gibt es Leben auf dem Mars? In "Life on Mars" erzählt Bowie in kryptischer Art die Geschichte eines Mädchens, das sich Medien zuwendet, weil sie, wie Bowie selbst einmal erklärte, "enttäuscht ist von der Realität". Die Flucht in eine fantastische Erzählung, ein Sinnbild für Bowies Leben. Seinen Ursprung hat der Song mit der klavierbasierten Melancholie im französischen Genre des Chansons. Das komplex komponierte Stück soll laut Bowie allerdings recht fix entstanden sein: Bei einem Spaziergang sollen ihn Fetzen des Songs verfolgt haben, Bowie setzte sich ans Klavier und schrieb innerhalb eines Tages den ganzen Text.

David Bowie - "Life On Mars"

Life On Mars? von David Bowie auf tape.tv.

3. Ziggy Stardust (1972)

Die Frage in Bowies Karriere lautete, vor allem in den Siebzigern und Achtzigern: Wer ist er? Und wenn ja, wie viele? Mit dem Song "Ziggy Stardust" setzte sich Bowie sein eigenes Denkmal als Gestalten- und Persönlichkeitswandler. Ziggy, dem er 1972 nicht nur einen Song, sondern ein ganzes Album widmete, war ein Rockstar, drogenzerfressen und klarsichtig zugleich. Einer, der mit Außerirdischen sprechen konnte, am Ende aber an seinem ausschweifenden Lebensstil scheiterte. Bowie performte als Ziggy mit rot-orangener Vokuhila, zentimeterdickem Kajal und eng anliegendem Ganzkörperanzug in Schillerfarben. Grazil, verspielt, einzigartig. Später schlüpfte Bowie auch noch in andere Charaktere, gab während seiner Kokaineskapaden in den Achtzigern etwa den "Thin White Duke"; einen aristokratischen, seelisch leeren Anzugträger. Aber Ziggy war stets das Alter Ego, das Maßstäbe setzte: "Damals war ich absolut Ziggy Stardust", sagte Bowie mal. "Es war keine Rolle mehr. Ich war er."

David Bowie - "Ziggy Stardust"

Ziggy Stardust von David Bowie auf tape.tv.

4. Heroes (1977)

Gerade in Deutschland ist "Heroes" wohl Bowies bekanntestes Stück - vor allem dank des Spielfilms "Christiane F." von 1981, deren Protagonistin Bowie-Fan ist. Passenderweise spielt der Song an einem Ort, der wie kaum ein anderer für die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts steht: "Heroes" handelt von der Liebe zweier Menschen, die an der Berliner Mauer zusammenkommen. Das Stück steht mit seiner elegisch heulenden Gitarre, seinem nach vorne weisenden Basslauf und Bowies Gesang, der sich nach und nach hebt, stark für sich; es ist zu einer zeitlosen Hymne auf die Kraft der Liebe avanciert. Dadurch braucht das Video nur wenig, um zu funktionieren: Nebel im Scheinwerferlicht. Bowie in Lederjacke, mit Schlafzimmerblick. Eine Hand, mit der er sich durch die Haare streicht.

David Bowie - "Heroes"

''Heroes'' von David Bowie auf tape.tv.

5. Ashes to Ashes (1980)

Major Tom war wieder da - und doch ein ganz anderer: "We know Major Tom's a Junkie" sang Bowie 1980 in "Ashes to Ashes" über seinen Weltraumhelden, der wieder Kontakt zur Erde aufnimmt. Die Bodenstation sieht in ihm allerdings bloß einen heruntergerockten Drogenabhängigen. Für Bowies Schaffen läutete die new wavige Fortschreibung seines ersten Welthits eine musikalische Kehrtwende ein. Jahre später bezeichnete er den Song mal als "Grabinschrift für die Siebziger". Auch bemerkenswert: das experimentelle und aufwendige Musikvideo, das in Schwarz-Weiß-Ästhetik und mit Videotricktechnik Maßstäbe für den Look der Achtziger setzte - und in dem der Sänger unter anderem als französische Pantomimenfigur auftrat. Dieser Pierrot sollte der dominierende Charakter für Bowies "Scary Monsters"-Phase werden.

David Bowie - "Ashes to Ashes"

Ashes To Ashes von David Bowie auf tape.tv.

6. Under Pressure (1981)

Wie so oft in der Popgeschichte steckt hinter "Under Pressure" ein Mythos. 1981 schaute Bowie bei seinen Kollegen von Queen im Schweizer Studio vorbei. Der Plan: Hintergrund-Vocals für das eher unbedeutende Stück "Cool Cat" einsingen. Bowie wurde schnell langweilig, er schlug vor, gleich einen neuen Song zu schreiben. Die Musiker jammten, viel Wein, viel Koks, am Ende entstand "Under Pressure" mit seiner einprägsamen Basslinie, deren Urheber nicht geklärt ist (Bowie sagt: Queen-Bassist John Deacon. Deacon sagt: Bowie.). Klar ist hingegen: "Under Pressure" ist, gleichsam für Bowie wie für Queen, ein Meilenstein.

7. Let's Dance (1983)

1983 war ein Jahr, in dem sich Bowie (mal wieder) neu erfand. Auf seinem kommerziell erfolgreichsten Album, "Let's Dance", schuf er zusammen mit dem Chic-Gitarristen Nile Rodgers - zuletzt durch seine Arbeit für Daft Punk im Rampenlicht - einen Sound, den man als Post-Disco bezeichnen kann: Auf "Let's Dance" umarmen sich Soul, Funk und New Wave, am Ende ist es schlicht großer Pop. Das zeigt sich beispielhaft im Titeltrack, der Bowies damalige Agenda verdeutlicht, tanzbaren, doch eleganten Mainstream zu schaffen: "Put on your red shoes and dance the blues / To the song they're playing on the radio."

David Bowie - "Let's Dance"

Let's Dance von David Bowie auf tape.tv.

8. Absolute Beginners (1986)

"Absolute Beginners" ist der Titelsong zum gleichnamigen Film von Regisseur Julien Temple über das Leben in London in den Fünfzigerjahren, in dem Bowie eine Sprechrolle hatte. Der Song fällt in eine Zeit der Suche: Nach "Let's Dance" wurden die folgenden Studioalben von Kritikern zerrissen, auch der Film floppte. "Absolute Beginners" erreichte zwar Platz 2 der englischen Charts, aber Bowie begriff sich als Neuling, der sich zunehmend in anderen Kunstformen wie Theater und Film ausprobierte. Trotzdem gelang ihm ein klassischer Popsong für junge Verliebte über die Unsicherheiten und Risiken einer neuen Beziehung - voller Sehnsucht und doch wohl überlegt.

David Bowie - "Absolute Beginners"

Absolute Beginners von David Bowie auf tape.tv.

9. Little Wonder (1997)

Der Marsianer ist zurück und wundert sich, was sich in den letzten 25 Jahren schon wieder alles auf der Welt verändert hat: Für "Little Wonder" nahm David Bowie ein weiteres Mal die Perspektive eines Außerirdischen ein, der auf die Erde hinabsteigt. Und was findet er dort vor? Einen hyperventilierenden Musikstil namens Drum'n'Bass! Der rigoros polyrhythmische Beat der britischen Klubmusik, die 1997 eigentlich schon ihren Zenit überschritten hatte, bildet hier den Treibstoff, mit dem sich Bowie noch mal in die Umlaufbahn schießt. Er klang damals so glücklich wie lange nicht mehr. Auch wenn die Kritik damals genervt war, dass sich der alte Herr nun auch noch am beschleunigten Breakbeat verging: ein kluger, nervöser, euphorisierender Popsong.

10. Where Are We Now? (2013)

Bowie zurück im "Dschungel": Zehn Jahre war keine aktuelle Musik mehr von ihm erschienen, dann wurde über Nacht auf iTunes dieses Stück veröffentlicht, mit dem sich der Musiker zu elegischen Sounds in seine Berliner Zeit Mitte der Siebzigerjahre zurücksingt. Noch einmal zieht er durch die Stadt; die Orte, um die es geht: Potsdamer Platz, KaDeWe, Nürnberger Straße und eben die Glamour-Spelunke "Dschungel". Doch der Song, gesungen von einem Mann "lost in time", ist mehr als eine melancholische Rückschau. Wie in seiner Hymne "Heroes", die in den Berliner Tagen entstanden ist, geht es darum, die Fesseln der Zeit zu sprengen und den Augenblick Ewigkeit werden zu lassen. Also ganz großer Pop.

David Bowie - "Where Are We Now?"

Where Are We Now? von David Bowie auf tape.tv.

Wir haben unsere Follower außerdem bei Facebook gefragt, mit welchen Songs von David Bowie sie große Erinnerungen verbinden. Hier ist die Playlist.

skr/eth/cbu/cpa

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insgesamt 33 Beiträge
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    Seite 1    
1. Nette Zusammenstelllung
toby1525 11.01.2016
... der zu erwartenden Lieder. Wie sie heute auch auf SWR3 und anderem Dummfunk ständig gespielt werden. (Und: Das chinesische Mädchen). Dumm aber, wenn die hier verlinkten Videos zu genau 50% (auf dem MAC) nicht abgespielt werden können. "We're sorry, but something went wrong" lautet schlicht die Fehlermeldung. Schlecht gemacht, SpOn.
2.
rocky_heike 11.01.2016
"Heroes" halte ich für eine Jahrhundert-Song. Er vereint Zeitgeschichte mit einer neuen musikalischen Idee, ähnlich wie es Picasso mit malerischen Mitteln bei GUERNICA gelungen ist. Große Kunst !
3. traurig
sPeterle 11.01.2016
ich bin einfach nur traurig, Bowie war meine Musik Anfang/Mitte der 80er. Damit bin ich erwachsen geworden.....
4. Es war einfach genial,
ThomasGB 11.01.2016
wie er mit "We are the absolute beginners" das Motto der sowjetischen Atomwissenschaftler und das daraus resultierende Unglück von Tschernobyl vorausgesehen hat. RIP.
5. Hat nicht
lvkwge 11.01.2016
Stevie Ray Vaughan bei "Let's Dance" die Gitarre gespielt?
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