Von Christian Bartels und Peter Luley
Immer umfangreicher werden die Enthüllungen im Fall der NDR-Fernsehfilmchefin Doris J. Heinze; immer kuriosere Details kommen ans Licht über phantasievoll ausgeschmückte Biografien nicht existierender Drehbuchautoren. Angesichts der dringend nötigen Debatte über Vetternwirtschaft und "geschlossene Systeme" im öffentlich-rechtlichen Fernsehen droht allerdings ein anderer Aspekt des Themas in den Hintergrund zu rücken: Welche Filme dieses System eigentlich hervorbringt.
Die Quantität ist immer noch äußerst eindrucksvoll, die Qualität oft bestürzend. Wichtig wären gute, gehaltvolle, gewagte Inhalte - und die Courage der Programmplaner und Fernsehfilmchefs, sie dann auch einem breiten Publikum zu zeigen. Wer genau für langweilige Drehbücher kassiert, ist dagegen fast schon zweitrangig. Jedenfalls sollten die nach dem Aufklärungsprozess nötigen Aufräumarbeiten dazu genutzt werden, den drohenden Verfall der ehemaligen Königsdisziplin Fernsehfilm aufzuhalten.
Passend zur Bekanntgabe der Nominierungen für den Deutschen Fernsehpreis und pünktlich zum Beginn der Herbstsaison, in der öffentlich-rechtliche und private Sender wieder jede Menge Herzschmerz- und Krach-Bumm-Eskapismus auf die Bildschirme schicken, hat SPIEGEL ONLINE eine Bestandsaufnahme in zehn Thesen verfasst.
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