Von Christian Buß
Eine Immobilie als Kapitalanlage, das ist es. Gerade in Zeiten der Krise. Wohnraum wird ja immer gebraucht; egal, wie schlecht es den Menschen geht. Der marode Plattenbau am Rande von Chemnitz, der in dem aufwühlenden Schuldendrama "Über den Tod hinaus" für tragische Verwicklungen sorgt, erfreut sich trotzdem nur beschränkten Mieterzuspruchs. In dem einen oder anderen Stockwerk hausen zwar noch ein paar Menschen, Geld aber gibt's von denen schon lange nicht mehr. Finanzgrab nennt man so was wohl.
Eine der Wohnungen in der Plattenbauruine sorgt denn auch im wahrsten Sinne des Wortes für tödliches Unheil, denn eine ganze Familie droht an der Bruchbude zugrunde zu gehen. Dabei haben Elke Wagner (Silke Bodenbender) und ihr Mann Harald (Charly Hübner) bis vor kurzem gar nicht gewusst, dass die Wohnung im Osten überhaupt existiert. Erst der Selbstmord der Schwester führte sie zu der Schrottimmobilie. Denn die hatte sich vor ihrem Tod für das unbesehen erworbene Wohnobjekt hochverschuldet, und die Wagners sind nun auf den Kredittilgungsrückständen sitzengeblieben. Die Großmutter, die am missglückten Altersvorsorgeprojekt beteiligt ist, liegt auch schon mit Schlaganfall im Krankenhaus.
Drastisch, aber plausibel wird in "Über den Tod hinaus" (Regie: Andreas Senn, Buch: Sylvia Leuker, Benedikt Röskau) nachgezeichnet, wie Oma, Mutter, Vater und Kinder durch die fremdverschuldete Kreditlast kollabieren. Das Krisenjahr 2009 schafft den zeitlichen Kontext, der den nahezu hoffnungslosen Verlauf des Geschehens glaubhaft macht. Die Angst vor der Armut treibt die Menschen nun mal in verzweifelte und unübersichtliche Transaktionen.
So wird die Aufschlüsselung der fatalen Kreditvergabe zum kriminalistischen Akt: Der Schock über den Selbstmord der Schwester sitzt bei Elke noch tief, da sieht sie sich dazu gezwungen, die Wirkungszusammenhänge der Misere zu klären - wie die Schwester in ihrem Pflegerinnenjob auf eine halbe Stelle gesetzt wurde; wie aufgrund des maroden Wohnungszustands die Miete ausblieb; wie nicht mal mehr die Zinsen, geschweige denn der Kredit selbst, getilgt werden konnten und wie schließlich Elkes Mutter mit dem kleinen Eigenheim, in dem die Familie wohnt, für die finanziell angeschlagene Schwester bürgte.
Mephistopheles mit Sparkassenflair
Plötzlich steht da deshalb der adrette Herr Pagenburg (Thomas Sarbacher), eine Art Makler from Hell, ein Mephistopheles mit Sparkassenflair, vor der Tür, um zum Tod der Schwester zu kondolieren und einen Vorschlag zu unterbreiten: Er verzichtet auf alle Verbindlichkeiten, wenn die Wagners ihm ihr Eigenheim überschreiben. Schuldenlos und heimatlos? Das ist für Elkes Ehemann Harald allerdings keine Option. Dann doch lieber bis zum Jüngsten Gericht Überstunden als Busfahrer schieben. Selbst das aber würde eben nicht mal ausreichen, um den Zinsverpflichtungen für die Höllenimmobilie nachzukommen.
Derart an die Wand gedrängt, steigt Elke bei einer Schulung des Wohnungsvertickers Pagenburg ein - und das Schuldendrama wendet sich in einen nervenzehrenden Kreditthriller. Denn während die Hausfrau undercover die Kniffe des Business lernt, versucht sie den juristisch nur schwer nachweisbaren Vergehen des Maklers auf die Schliche zu kommen. Vermittelt Pagenburg Wohnungen und Kredite als illegale Koppelgeschäfte? Auf welche Weise aber soll man das nachweisen, wenn die Geprellten allesamt aus Scham schweigen? Und wie geht man mit Betrügern um, die sich am Ende selbst als Betrogene entpuppen?
Interessant in dieser Hinsicht ist des Maklers Handlanger Schuppeck (Jürgen Tonkel), der einst ein eigenes Unternehmen hatte. Nach der Pleite sieht er sich aber gezwungen, 200.000 Euro Schulden durch die Provisionen der fragwürdigen Immobilientransaktionen abzutragen. Auf diese Weise wird die Kreditvergabe zu einer Art Reise nach Jerusalem: Wer bleibt denn nun am Ende der Betrugskette auf den Schulden sitzen?
Was eigentlich als kleinbürgerliches Trauerspiel daherkommen müsste, wird in "Über den Tod hinaus" zu Hochspannungsfernsehen. Und die kleinen dramaturgischen Schwächen übersieht man gerne, wenn der zeitgeschichtliche Mehrwert eines Kriminalfilmes so hoch ist. Action statt Agonie: So muss er sich anfühlen, der Thriller zur Kleinsparerkrise.
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Grundsätzliches noch einmal zum Film, der in seiner Dramaturgie und schauspielerischen Leistung das Prädikat „hervorragend“ verdient hat – auch wenn sich der eine oder andere Lapsus eingeschlichen hat. Es ist schon richtig: Ein [...] mehr...
Wenn ich Ihren Beitrag richtig interpretiere, schreiben Sie gegen die Ansicht "Selber schuld, wer mit Immobilien auf die Schnauze fällt" an. Dann wären wir also schon mindestens zwei. Ihr Schwiegervater war ja ein [...] mehr...
„Die Kernaussage des Films ist entscheidend“ – das ist richtig, aber ich wehre mich dagegen, dass die eigentliche Thematik des Films HIER IM FORUM - zugunsten der dramaturgischen und schauspielerischen - Leistung unter den Tisch [...] mehr...
Sie haben ja vielleicht meine Beiträge in diesem Fred gelesen: Meine Wohnung im bayerischen Schwaben war in den 90ern ein Neubau und ist heute nominal noch max. 40 % des Kaufpreises wert, kaufkraftbereinigt 20 %. Also kein [...] mehr...
Ich hab' grad Ihren Beitrag unter www.free-blog.in/CommerzbankOpfer gelesen. Mit einigen kleinen und unbedeutenden Änderungen - bei mir war's die "Berater-Bank" in Zusammenarbeit mir einem Versicherungsvertreter meiner [...] mehr...
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