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27.11.2009
 

Bambi-Verleihung in der ARD

Blut, Schweiß, Gähnen

Von Christian Buß

Bambi-Verleihung: Bussi fürs Rehlein
Fotos
REUTERS

Zwischen Fahnenappell, Einbürgerungstest und Wiedervereinigungsfeier: Die 61. Bambi-Verleihung geriet zur einschläfernden, nationalen Selbstbeweihräucherung mit Altkanzler Kohl im Mittelpunkt. Nicht mal Hollywood-Import Kate Winslet konnte die Deutschtümelei überstrahlen.

An der Viertelstunde, die am Ende überzogen werden musste, war der Verteidigungsminister schuld. Genauer gesagt: Die Frau des Verteidigungsministers. Noch genauer: Die Frau des Ex-Wirtschaftsministers. Stephanie zu Guttenberg war für ihren verhinderten Mann eingesprungen, um dessen schier unendliche Laudatio auf Uli Hoeneß vorzutragen. Und Hoeneß wurde bei der Bambi-Verleihung 2009 ja nicht als Soldat, sondern als Manager geehrt.

Deshalb hatte man für die Lobrede den ehemaligen Wirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg angehauen. Dabei hätte, was dessen Gattin da nun in Vertretung vorlas, eigentlich auch ganz gut zur Verabschiedung eines Generals gepasst. Pflicht, Anstand, Härte seien die Disziplinen, die ihn auszeichneten. Dazwischen wurden die stolzen Umsatzzahlen präsentiert, die Hoeneß in seinen 30 Jahren als oberster Kaufmann des FC Bayern München erzielt hat. Und dafür erhielt er nun eben den "Bambi Wirtschaft".

Blut, Schweiß, Gähnen: Keine Rede, die von Rednern und Gewinnern nicht dafür genutzt wurde, um an eine größere Mission außerhalb der eigenen kleinen Mission zu erinnern. Das galt auch für die Klitschko-Brüder, die am Donnerstagabend vor Hoeneß bereits den "Bambi Sport" erhalten hatten und in ihrem hierzulande so beliebten ukrainisch-deutschen "Milchschnitte"-Werbungs-Sound alle anderen Migranten aufforderten: "Erst wenn ihr euch integriert, könnt ihr die Vorteile der Demokratie genießen."

Windhauch der Wiedervereinigung

Der Bambi 2009 war wieder mal mehr als eine Preisverleihung - eine Mischung aus Fahnenappell, Einbürgerungstest und Jahresbilanzpressekonferenz des Unternehmens Deutschland. Hatte sich der ausrichtende Burda-Verlag im Krisenjahr 2008 noch ganz bescheiden aus der provinziellen Konzernzentrale in Offenburg präsentiert, so zelebrierte man im Mauerfalljubiläumsjahr 2009 nationale Errungenschaften. Und das auch noch symbolträchtig in Potsdam.

Dass sich eigentlich nur das hiesige Unterhaltungsgewerbe selbst feierte, konnte man leicht übersehen - bei der Wucht und Weihe, mit der hier die ganz großen Themen über die Bühne gerollt wurden. Immerhin hatte jede einzelne der zentralen einheimischen Produktionen, die es dieses Jahr auszuzeichnen galt, einen deutschen Mythos zum Thema: die Stahlindustrie ("Krupp"), den Wiederaufbau ("Die Rebellin") und natürlich immer wieder die Teilung Deutschlands ("Jenseits der Mauer" und "Böseckendorf"). "Krupp" bekam am Ende den Publikumspreis. In der Kategorie "Schauspielerin national" wurde Jessica Schwarz für ihre Rolle in " Romy" und als "Schauspieler national" Edgar Selge für seine Rolle in "Jenseits der Mauer" geehrt.

Bequemerweise konnte man den vor allem durch deutsche Produktionen bekannt gewordenen Österreicher Christoph Waltz für seinen Auftritt in Tarantinos Nazi-Bashing " Inglourious Basterds" in der Kategorie "Schauspieler international" auszeichnen und die Engländerin Kate Winslet als KZ-Aufseherin in der Holocaust-Schmonzette "Der Vorleser" als "Schauspielerin international." Selbst in den internationalen Preiskategorien ging es um spezifisch deutsche Themen.

Und das auf ganzer Linie. Nicht mal die kolumbianische Hüftschwenkerin Shakira blieb vom Windhauch der deutschen Wiedervereinigung verschont: Sie musste ihren Bambi aus den Händen der Hannoveraner Hardrocker Scorpions entgegennehmen, die - wie Moderator Tom Bartels vorher noch mal klargestellt hatte - mit "Wind of Change" ja sozusagen das Lied der Wende geschrieben hätten.

Uschi Obermaier - oder doch Glas?

Zuvor war schon dem "Kanzler der Einheit" ein "Millennium-Bambi" überreicht worden. In einer Aufzeichnung sah man, wie der alte Weggefährte Theo Waigel den gesundheitlich stark angeschlagenen Helmut Kohl im schmucklosen Lesezimmer in Oggersheim beglückwünschte. Dann wurde ein Video-Grußwort vom EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso dazugeschaltet.

Viel Ehre also für den Altkanzler, der zu allem gefällig nickte. Danach trugen "Peter Maffay und die Kinder der Einheit" (heißen wirklich so!) einen arg schmierigen und kostengünstigen Aufguss des Ost-West-Hits "Über sieben Brücken" vor, einen Gruß von der Brücke an den "Architekten der Einheit" sozusagen. Man muss kein Freund Helmut Kohls sein, um zu sagen: Das hat er nun wirklich nicht verdient!

Aber so war es nun mal beim Bambi 2009 in Potsdam: Alles, was dort auf der Bühne geschah, wurde in den Rang nationaler Dringlichkeit gehoben. Und selbst diejenigen, die es aus Deutschland samt seiner Bedeutungssehnsucht herausgeschafft haben, wurden sanft, aber unnachgiebig wieder eingemeindet. Die immer wieder neue Preis-Kategorien ersinnenden Burda-Leute haben zu diesem Zweck nämlich den Ehren-Bambi "Deutsche in Hollywood" eingerichtet, der in einer umständlichen Choreografie kurz vor Schluss gleich an fünf international erfolgreiche Filmemacher verliehen wurde.

Eine Trophäe ging an Roland Emmerich ("2012"), den schwäbischen Master of Desaster, der auch mal irgendwas Nettes zu den Menschen daheim sagen wollte und deshalb seine schon verblassten Erinnerungen an frühe Bambi-Verleihungen herauskramte: Da sei doch immer diese Uschi Obermaier ausgezeichnet worden - oder hieß die Uschi Glas? "Bin ja schon 20 Jahre weg."

Wie viele der deutschen Showsoldaten beim alljährlichen Burda-Fahnenappell ihm da wohl voller Neid zuhörten: 20 Jahre ohne Bambi, der Mann hat es wirklich geschafft!

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27.11.2009 von Rainer Daeschler: Landeszuschuss

Das wäre entgegen bisherige Gewohnheiten. Im Jahre 2008 wurde die Veranstaltung zur Ehrung von Hubert Burda vom Land Baden-Württemberg mit 200.000 € bezuschusst. mehr...

27.11.2009 von aschu0959: Der eigentliche Skandal ist

Zitat von sysop; " ... : Die 61. Bambi-Verleihung geriet zur einschläfernden, nationalen Selbstbeweihräucherung mit... " Was haben sie erwartet? Wenn der "Burda Verlag", der ja Sterne des Journalismus [...] mehr...

27.11.2009 von Gernspieler: Inzuchtveranstaltung!

Wieder mal eine Dauer-Werbesendung der Reichen und Schönen, ganz nach dem Motto: "Gibst du mir einen Preis, geb ich Dir einen!" Dass für den Spenden-Hinterzieher Kohl noch ein Extra-Bambi geschaffen wird, passt in diese [...] mehr...

27.11.2009 von elstar: Hätte nichts anderes erwartet

"Nationale Selbstbeweihräucherung" und "Deutschtümelei". Findet es in anderen Ländern statt, nennen wir es anerkennend "nationale Identität" und "Folklore". Eigentümlich deutsch - eben. mehr...

27.11.2009 von holgerkruessmann: Man hätte...

... sich doch nur den Trailer anschauen sollen, mit dem dieses Hochamt des Busserl-Kosmosses im Vorfeld beworben wurde. Es fühlt(e) sich so sehr nach "old Europe" an wie zu Zeiten, als ein Scherzbold einmal die [...] mehr...

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