Von Henryk M. Broder
Katastrophenfilmemacher Roland Emmerich ( "2012") gibt der Erde noch drei Jahre, "seriöse" Klimaforscher sind nicht ganz so pessimistisch. Sie gehen davon aus, dass der Anstieg der Erderwärmung auf zwei Grad reduziert werden muss, um die Menschheit vor einem Super-GAU zu bewahren. Dazu müsste vor allem der Ausstoß von Treibhaugasen radikal zurückgefahren werden und zwar in hoch entwickelten Industrienationen wie Deutschland, den USA oder Japan. Das gilt aber auch für Gesellschaften, die erst am Anfang oder mitten in der Industrialisierung stehen - wie China, Indien und Vietnam, wo umweltschädliche Motorräder im Begriffe sind, die umweltfreundlichen Fahrräder zu ersetzen.
Grundlage aller Szenarien zur Rettung der Welt sind zwei Annahmen. Erstens: Dass sich nicht nur vorübergehend das Wetter, sondern langfristig das Klima ändert; dass in Folge der Erderwärmung die Polkappen abschmelzen, was zu Überschwemmungen hier, Versteppungen dort und Hungerkatastrophen überall führen wird. Zweitens: Dass der Klimawandel, so er denn stattfindet, diesmal kein natürlicher Prozess ist, wie es ihn in der Geschichte der Erde schon öfter gegeben hat, sondern von Menschen verursacht wird, die ohne Rücksicht auf die Natur produzieren, konsumieren und nicht daran denken, "dass die Erde unseren Kindern gehört, von der wir sie nur geliehen haben", wie das Mantra der Umweltschützer von Greenpeace bis Robin Wood lautet.
Vermutlich deswegen fing Jörg Pilawas ARD-Dokumentation über die "Welt von morgen" am Montagabend mit der Frage an "Was kommt auf unsere Kinder zu?", die sofort von einigen altklugen Kindern ganz im Sinne des Fragestellers beantwortet wurde. Das Ozonloch werde immer größer, es werde Überschwemmungen geben und: "Die Eisbären sterben aus."
Es wäre sinnlos, an dieser Stelle entgegenzuhalten, dass die Population der Eisbären in den vergangenen Jahren nicht ab-, sondern erheblich zugenommen hat. Der Eisbär ist, ebenso wie der Wal, inzwischen eine Art Haustier, der Knut oder Keiko heißt und in vielen Haushalten den Hamster ersetzt hat, virtuell natürlich. Sich um ihn zu sorgen, gehört heute zur emotionalen Software der Kinderkanal-Zielgruppe, deren Eltern noch um das Leben von Max und Moritz bangten, die von einem Bauern in einen Sack gesteckt, in kleine Stücke zermahlen und den Enten zum Fraß vorgeworfen wurden.
Eine solche Geschichte wäre heute nicht nur politisch inkorrekt, sondern vor allem ökologisch inakzeptabel, weil Entenfutter, das anorganische Anteile enthält, nicht mehr verwendet werden darf.
Lieber frei als klimafreundlich
Zurück zu Jörg Pilawa und seiner Mission. Er besucht ein Klimazentrum in Hamburg, das "Superhirn der Klimaforschung", wo Zukunftsszenarien simuliert werden: Das Kolosseum in Rom versinkt im Sand, während an der Ostsee Palmen aus dem Boden sprießen. Das ist hübsch anzusehen, aber als wissenschaftliche Prognose so verlässlich wie die Windvorhersage für das Matterhorn an Heiligabend. Überhaupt muss man sich fragen, wie es denn kommt, dass Wissenschaftler, die nicht einmal in der Lage sind, das Wetter für die kommende Woche vorherzusagen, offenbar sehr wohl imstande sind, das Klima in 30, 50 und 100 Jahren zu bestimmen. Was vermutlich damit zu tun hat, dass sich in 30, 50 und 100 Jahren niemand an die Voraussagen von heute erinnern wird - vor allem, wenn die Datensätze rechtzeitig vernichtet werden, wie neulich an einem renommierten Forschungsinstitut geschehen.
Von solchen Überlegungen völlig unbelastet, stellt Pilawa ein Haus mit einer Wärmepumpe vor und erklärt, wenn "alle Altbauten renoviert" würden, käme das einer "20-prozentigen Ersparnis" gleich. Korrekterweise müsste in eine solche Überlegung auch der Energieaufwand einbezogen werden, der bei der Renovierung entsteht, aber dafür hat Pilawa keine Zeit. Denn er muss nach China, um vorzuführen, wie im Reich der Mitte die "klimafreundliche Sanierung von Altbauten" funktioniert, nämlich vorbildlich, wenn auch mit ziemlich viel Druck seitens der Regierung. "Ich möchte die Freiheit nicht gegen das chinesische System tauschen", sagt Pilawa und lässt sich nach Dardesheim in Sachsen-Anhalt beamen, ein 900-Seelen-Dorf, das seinen Strom komplett aus erneuerbaren Energiequellen bezieht.
Weiter geht's zu einem Offshore-Windpark in der Ostsee, von dort nach Nordafrika, wo "für viele hundert Millionen Euro" eine gigantische Solaranlage für ganz Europa gebaut werden soll. Bald darauf inspiziert er den brasilianischen Urwald. Man mag gar nicht daran denken, wie viel Geld und Energie Pilawa mit seinem Team verbraucht hat, um Bilder einzufangen, die man schon x-mal gesehen hat, nur um die Botschaft rüberzubringen: Wenn alle an einem Strang ziehen, kann der Temperaturanstieg gesenkt werden.
Das sind genau die Milchmädchenrechnungen, von denen die Klimaforschung lebt. Wenn man den Wasserverbrauch der Haushalte um ein Viertel reduzierte, könnte man mit dem gesparten Wasser halb Afrika bewässern. Oder: Wenn die Hamburger in Hamburg und die Münchener in München blieben, gäbe es auf der A7 keine Staus und viel weniger CO2-Ausstoß. Und wenn man die Kühe dazu bringen könnte, weniger zu pupsen, käme weniger Methangas in die Atmosphäre, das "23 mal schlimmer als CO2" ist.
Pilawa gegen den klugen Bauern
"Wenn alle Menschen mitmachen, dann kann es uns gelingen, das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen", erklärt Pilawa und bietet noch ein Schreckensszenario auf: 200 Millionen Klima-Flüchtlinge, die aus Afrika nach Europa wollen. Dazu führt er ein Interview mit dem Umweltminister von Burkina Faso, der Geld aus Europa haben möchte, um die Folgen des Klimawandels in seinem Land abzufedern. Es wäre schön gewesen, wenn Pilawa an dieser Stelle nachgefragt hätte, wie viele Millionen Euro Burkina Faso bereits aus Europa bekommen hat und was aus diesem Geld geworden ist.
Nach 75 elendig langen Minuten war das klimatische Jammertal durchschritten. "Ich gucke positiv nach Kopenhagen. Deshalb muss die Vernunft siegen. Für eine bessere Zukunft unserer Kinder", resümiert Pilawa.
Das war Agitprop fürs Klima. Oder für Pilawa. Oder für die ARD, wo man sich nicht geniert, die schlimmsten Plattitüden als philosophische Einsichten zu verkünden. "Wenn wir alle an einem Strang..., wenn alle mitmachen...., wenn alle wollen ..." So hat das "Neue Deutschland" früher für die Fünfjahrespläne geworben. Es hat die DDR nicht vor dem Untergang gerettet. Und auch das Klima wird solche Appelle gelassen überhören.
Viel besser brachte es zeitgleich ein Bauer auf RTL auf den Punkt, der vom Klimawandel keine Ahnung hat und vermutlich nicht einmal weiß, wo Burkina Faso liegt: "Wenn das Laub fällt von den Bäumen/und geheizt wird in den Räumen/erst dann komm ich dahinter/Leute, es wird Winter!"
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Unsere Kinder wachsen in Arbeitslosigkeit auf und werden gut möglich einen Weltkrieg erleben. mehr...
Alter, da kriege ich so einen Hals wenn ich diesen arroganten Schreibstil lese. Dass der Aufruf von Jörg Pilawa sinnlos ist, ist ja klar. Aber derart ignorant mit dieser Thematik umzugehen, da kriege ich das Kotzen. Nur weil ihm [...] mehr...
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Sehen Sie keinen Unterschied zwischen Foristen und dem Autor? Ein Mindestmaß an Kompetenz sollte man bei den Autoren jedenfalls eher vermuten dürfen, als bei Foristen, oder? Aber vielleicht legt SPON ja auch Wert darauf, dass [...] mehr...
Solange mich eine Regierung zwingt, mein sparsames Dieselfahrzeug mit einer gelben Plakette zu verschrotten, weil ich in keine "Umweltzone" mehr reindarf, auf der anderen Seite mit der Abwrackprämie fast neuwertige [...] mehr...
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