Von Peer Schader
Dabei hatte Mohamed nur einen Wunsch: "Wenn ich dich da hinfahre, musst du mir versprechen, mich nicht zu blamieren", bat er sie.
Wahrscheinlich ist Katarina noch gut weggekommen, weil sie so vernünftig war, vor der Jury keinen Ton rauszulassen, der in irgendeiner Weise klingeltonrelevant sein könnte. Ein Glück, dass ihr die extra fürs Vorsingen gekauften Schuhe zu eng wurden und sie irgendwann ohne die Folterinstrumente dastand. Da konnten die Leute von der Produktionsfirma den Barfußgang der molligen Probesängerin wenigstens noch mit lustigen Quietschgeräuschen unterlegen. Was man bei RTL eben so unter Humor versteht: Dicke quietschen beim Gehen. Das wäre vermutlich sogar Mario Barth zu billig.
"Ich war nur auf Klo"
Am Mittwoch startete die siebte Staffel "Deutschland sucht den Superstar", deren Auftakt seit einigen Jahren korrekterweise in "Deutschland sucht den Superdepp" umbenannt werden müsste, weil vor dem großen Live-Singen eine mehrwöchige Massenblamage ansteht. 35.000 Kandidaten haben sich dem Sender zufolge diesmal beworben und Moderator Marco Schreyl hätte sich zu Beginn beinahe an den vielen Superlativen verschluckt: "Das größte Casting in der Geschichte von 'DSDS'" mit dem "heißesten Recall", für den die Bewerber diesmal in die Karibik geschippert wurden, und natürlich die Ansage: "In diesem Jahr müssen sie so gut sein wie noch nie." Anschließend kamen aber erst jene an die Reihe, die so schlecht waren wie noch nie.
Die Friseurin, die es für eine gute Idee hielt, mit dem iPod im Ohr vorzusingen und dazu Bewegungen zu machen als wolle sie das Studio mit Schwammtechnik neu gestalten. Der spindeldürre Scooter-Fan, der seine Lieblingstechnoband mit einem Gehüpfe zu würdigen versuchte. Der 22-Jährige, der noch bei seinen Eltern wohnt und beim Singen ganz furchtbar in die Mundwinkel speichelt. Und natürlich der von RTL "Pipi-Kandidat" genannte junge Mann, der mit einem dunklen Fleck auf der Hose vor der Jury stand und beteuerte: "Ich hab mir nicht in die Hose gemacht, ich war nur auf Klo vorher."
"Abschütteln", riet ihm der Großmeister, der auch in Staffel sieben wieder Dieter Bohlen heißt und von seinem Haussender diesmal in den Himmel gehoben wurde - zumindest im Trailer für die Show, in dem Bohlen hoch oben in den Wolken schwebt und darauf wartet, dass das niedere Kandidatenvolk zu ihm empor geklettert kommt. Aber "abschütteln" ist für die meisten Bewerber gar nicht so einfach, zumindest wenn es um das Kamerateam geht, das die Leichtgläubigen dazu drängt, vor der Linse eigentümliche Tanzverrenkungen zu machen oder die eigene Haustür für den Dreh zu öffnen.
Einkalkulierte Blamage
Also sang Maler Andreas seinen Scooter nicht nur vor Bohlen, sondern auch Zuhause in Schlappen und in der Badewanne. Christian entlockten die Redakteure, dass er noch nie Sex hatte, es aber gern mal mit Jurydekoration Nina Eichinger ausprobieren würde. Anschließend ließ ihn das Team ein paar Liegestütze machen, die in der Sendung mit Stöhngeräuschen unterlegt wurden.
Wahrscheinlich stumpft man ab, wenn man sich über Jahre hinweg nicht zu schade dafür ist, Unterhaltung mit billigsten Witzen auf Kosten derer zu produzieren, die nicht kapieren, dass "DSDS" für sie kein Segen ist, nicht mal eine Chance. Sondern eine Hinrichtung. Nein, es hilft auch nicht zu sagen: Die sind doch alle selbst schuld, die wissen doch worauf sie sich einlassen. Sie ahnen es vielleicht, aber nie im Leben kämen sie auf die Idee, dass ausgerechnet ihnen so eine öffentliche Blamage blühen könnte, weil sie sonst ja auch wüssten, dass sie nicht singen können und einfach Zuhause bleiben würden.
Selbstverständlich gibt es die Spaßfraktion, die die Blamage einkalkuliert, um sich selbst zu inszenieren. Aber eben auch blasse junge Frauen und Männer mit dünnen Stimmchen, die wie im Zoo zur Schau gestellt werden. Daraus hat RTL inzwischen - mit "Das Supertalent", "Bauer sucht Frau" und "Schwiegertochter gesucht" - ein ganz einträgliches Geschäftsmodell entwickelt, dessen Höhepunkt jedes Jahr die zum Comic geratenen "DSDS"-Castings sind und bei dem Verantwortung gegenüber seinen Protagonisten keine Rolle spielt. Das Schlimmste daran ist: Man sitzt Zuhause vor dem Fernseher, weiß auch nicht weiter und wünscht sich, dass Mohamed es doch in Betracht gezogen hätte, ein paar Tage auf der Couch zu übernachten. Seine Frau ist von der Jury nicht in den Recall gelassen worden, wenn auch mit einem "netten Nein", wie Bohlen fand. Jurykollege Volker Neumüller sagte: "Aber du hast dich hier nicht blamiert. Ich finde gut, dass du es gemacht und auf gut Deutsch auf deinen Mann geschissen hast. Den Weg solltest du weitergehen."
Aber da war es schon zu spät, und anstatt Neumüllers Auf-gut-Deutsch-Rat weiter zu befolgen, hat sich Katarina lieber von ihrem draußen wartenden Gatten trösten lassen und gesagt: "Ich glaube, in Zukunft werde ich ein bisschen mehr auf meinen Mann hören." Dann sind die beiden nach Hause gefahren.
Man kann es auch mit der alten Indianer-Weisheit sagen: "Erst wenn der letzte Zuschauer die Hosen herunter gelassen hat, die letzte Sängerin zusammengefaltet wurde und der letzte Kandidat sich seine ganz persönliche Demütigung abgeholt hat, werdet ihr feststellen, dass niemand mehr da ist, der noch einschalten kann." Aber was kümmert das schon die vom Stamme RTL?
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Mittlerweile glaube ich, dass gewisse Kandidaten fakes sind oder aber absichtlich bestellt worden sich, damit man auf deren Kosten Quote machen kann. Es sind nämlich Typen dabei, die das xte Mal mitmachen und dann oft noch im [...] mehr...
1.Diese "amorphen Persönlichkeiten" sind freiwillig da und offensichtlich so Kamera geil, dass nicht einmal der Auftritt abgesagt wird, wenn die Hose Uringetränkt ist. 2.Ich begreife nicht wie ein Mensch so unendlich [...] mehr...
Eintagsfliege... mehr...
Ja, es sind bis zu 8 Millionen beschränkte, die sich daran aufgeilen das wieder mal ein Mensch durch die Sche... gezogen wird. Ich finde alle Sendungen, egal von wem, in der Kandidaten verarscht, beobachtet, gecastet werden, [...] mehr...
Ich sehe schon einen Unterschied darin, ob Personen nun ein anderes Alter haben, oder ob geographischer Schwachsinn verzapft wird. Oder wie würden Sie es finden, wenn Szenen eines Münchner Tatorts auf einem Hafengelände spielen [...] mehr...
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