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14.01.2010
 

Neuer RTL-Krimi "Countdown"

Keine Angst, der will nur flirten!

Von Christian Bartels

Einen "rasanten Wettlauf gegen die Zeit" verspricht RTL mit seiner neuen Krimireihe "Countdown". Von Tempo und Innovation ist in der Serie zwar nicht viel zu sehen. Dafür hat man als Hauptdarsteller den führenden Til-Schweiger-Doppelgänger zu bieten - und der kann sogar ein bisschen spielen.


Eine Höchstschwangere flieht vor einem intensive Cowboyblicke werfenden Mann mit Schusswaffe durch den Wald. Als er sie einholt... springt die Handlung erst einmal fünfundzwanzigeinhalb Stunden zurück, auf exakt 7.13 Uhr am Morgen davor: So beginnt am Donnerstagabend die neue Serie "Countdown", mit der sich RTL (nach der spanischen Originalidee "Cuenta Atras") mal wieder an einen deutschen Krimi heranwagt.

Wie die Sache mit der flüchtenden Schwangeren und ihrem finsteren Verfolger ausgeht, erfährt man erst 40 Minuten (zuzüglich Werbung) später. Zwischendurch wird in Bruchstückchen erzählt, dass die Frau die einzige Zeugin ist, die ihn, einen Killer, identifizieren könnte, und dass sich beider Beziehung in Wahrheit doch erheblich komplizierter verhält.

Dass eine rückblendenreiche Krimihandlung außer im Raum auch in der Zeit umherspringt, ist allerdings ist nicht halb so neu, wie RTL tut, wenn es von "unverwechselbarer Erzählstruktur" und "rasantem Wettlauf gegen die Zeit" spricht. Rasanzeindruck stellt sich bloß im Vergleich mit dem öffentlich-rechtlichen Krimi-Output ein. Schließlich ist das Personal jünger (um die 30!), die Untermalungsmusik etwas rockiger, und mitunter blitzt für deutsche Krimiverhältnissen relativ freiwilliger Humor auf. Zum Beispiel wenn Kriminaloberkommissarin Leonie den Kollegen Brenner, der am Morgen nicht zum Dienst erschien, in seiner unordentlichen Wohnung abholen will und sich gleich wieder am Tatort eines Gewaltverbrechens wähnt, so dass sie die Pistole zückt. Dann entpuppt sich das Rote auf dem Bettlaken als Rotwein, den der Kriminalhauptkommissar mit nicht nur einer Dame nachts verschüttet haben muss.

Dieser Kommissar Brenner hat leider nichts mit dem gleichnamigen Privatdetektiv aus Wolf Haas' bösen österreichischen Krimis zu tun, aber dafür allerhand mit Til Schweiger: Darsteller Sebastian Ströbel ("Siehst Du Mich", "Abgefahren - Mit Vollgas in die Liebe") ist der führende Schweiger-Lookalike des deutschen Fernsehens und dabei der etwas vielseitigere Schauspieler. Er versteht verführerisch lieb zu lächeln, aber auch kühn über Balkone hinabzuspringen, um dann auf der Straße Gangstern hinterherzurennen. Und wann immer er jungen Zeuginnen begegnet, tauscht er Telefonnummern aus ("Falls Dir was einfällt, ruf mich an. Falls nicht, dann auch").

Ein wenig Sex kommt auch vor

Seine etwas erwachsenere Kollegin Leonie spielt Chiara Schoras. Sie beweist, dass sie sich in ihrer bisherigen Reihenkrimi-Rolle als Assistentin des pseudofranzösischen "Kommissars LaBréa" (ARD) weit unter Wert verkauft hat. Leonie und Brenner verbindet eine frühere, aber noch nicht abgeschlossene Liebesgeschichte. Das ist das einzige durchgehende Element der Serie. Ansonsten wird in jeder 45-Minuten-Folge ein Kriminalabenteuer sauber abgeschlossen und dabei auch ausführlich erklärt, wie alles zugegangen ist.

So handelt es sich um leicht unkonventionelle Kommissare in einem konventionellen, wendungsreichen Rede- und Rätselkrimi, in dem visuell beinahe so viel los ist wie in jedem aktuellen US-Krimi: Bei einigen Arten von Rückblenden flasht es geräuschuntermalt, gern springt die Kamera heran oder weg, mitunter kreist sie intensiv um die beratschlagenden Kommissare, bevor sie auf ein Gesicht zuschießt, das wichtig wird. Weil außer vergleichsweise unverbrauchten Kölner Kulissen auch in kleineren Rollen eine Menge interessanter Gesichter auftauchen, ergeben solche Manöver durchaus Sinn.

Wenn der Allerweltskrimi also in der Krimiflut von ARD und ZDF auftauchte, würde man "Huch!" sagen - auch weil ein wenig Sex vorkommt und Kommissar Brenner es mit dem Wortlaut des Gesetzes nicht immer ganz genau nimmt (zum Beispiel, wenn entzückend lächelnden jungen Frauen etwas vorgeworfen werden könnte). In Machart und Tempo jedoch ist "Countdown" keine Spur innovativ. Da andererseits mit dem Auslaufen der ZDF-Serie "KDD" (derzeit dienstags auf Arte) das bescheidene Innovationsniveau des deutschen Fernsehkrimis ohnehin weiter absinkt, bewegt "Countdown" sich auf der niedrigen Höhe der Zeit.

Bleibt die Frage, wie die Serie beim Publikum des immer noch schmerzfreieren Fremdschäm-Senders RTL ankommen wird, das bei deutschen Krimis eigentlich jede Menge Auto-Explosionen und Kampfkunstklamauk à la "Alarm für Cobra 11" und "Lasko" zu erwarten gewohnt ist. Hier dürfte der Erfolg mit der Frage stehen und fallen, ob die weibliche Zielgruppe dem sexy Kommissar seine Schweiger-Haftigkeit abkauft. Das würde erstaunen. Aber Til Schweigers Publikumserfolge erstaunen ja auch immer wieder.


"Countdown", Donnerstag, 21.15 Uhr, RTL

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insgesamt 7 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
15.01.2010 von magoly: Ich auch.

Habe es auch gesehen. Völlig zufällig. Bin hängengeblieben. Gut, die Flirterei des recht einfach aber charmant gestrickten Kommisars (oder wie auch immer die sich nennen) nervt ein wenig. War wohl der Versuch die weiblichen [...] mehr...

15.01.2010 von richard02: So doof wie die Kritik kann die Serie gar nicht sein

Es ist wirklich nicht dem Spiegel angemessen, Redakteure schreiben zu lassen, die in Wallungen geraten, wenn sie möglichst "originelle" Verrisse über das deutsche Fernsehen schreiben. Das ist mittlerweile WIRKLICH [...] mehr...

15.01.2010 von qype: Leider schlecht!

Ich habe den "Serienstart" gesehen - m.E. werden nicht einmal die abgedrehten ersten 8 Folgen ausgestrahlt werden. Schade um Chiara Schoras (Kriminaloberkommissarin Leonie Bongartz) sich für so einen Müll hergegeben [...] mehr...

15.01.2010 von LePromeneur: Countdown

...erstaunlich, dass die "geistreichen und kompetenten" Beiträge von C. Bartels überhaupt noch Beachtung finden! mehr...

15.01.2010 von yogibimbi: Schweiger-Fetisch?

Also, irgendjemand hat da doch immer noch einen Schweiger-Fetisch. Der Mann macht einfach Filme, die offenbar ankommen, warum es ihm neiden? Soll er etwa den intellektuellen Überflieger mimen und dabei kommerziell auf die [...] mehr...

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