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20.02.2010
 

Einflussnahme der Parteien

Brender prangert "Spitzelsystem" bei Öffentlich-Rechtlichen an

Journalist Brender: "Schwerer Schlag für die Glaubwürdigkeit der Öffentlich-Rechtlichen"Zur Großansicht
ddp

Journalist Brender: "Schwerer Schlag für die Glaubwürdigkeit der Öffentlich-Rechtlichen"

Heftige Kritik an der Einflussnahme der Politik auf die Öffentlich-Rechtlichen: Der scheidende ZDF-Chefredakteur Brender geißelt im SPIEGEL-Gespräch das "Proporzdenken" und die "Rückgratlosigkeit" der Parteien im Verwaltungsrat der Sender. Es gebe im ZDF Spitzel - vergleichbar mit den IM der Stasi.

Hamburg - Nikolaus Brender rechnet ab: Wenige Wochen vor seinem Abschied prangert der scheidende ZDF-Chefredakteur im Gespräch mit dem SPIEGEL die parteipolitische Dominanz über ARD und ZDF an. Er attackiert das "Proporzdenken" der Parteien und die Rückgratlosigkeit jener Unionspolitiker wie Hessens Ministerpräsident Roland Koch, die über den ZDF-Verwaltungsrat seine Abwahl betrieben haben, sowie ein internes "Spitzelsystem, das davon lebt, dass Redakteure den Parteien Senderinterna zutragen".

Brender spricht von "Inoffiziellen Mitarbeitern" der Parteien, "wirklich vergleichbar mit den IM der DDR". Da sei ein "feingesponnenes Netz von Abhängigkeiten" entstanden, "aus dem sich Karrierechancen, aber auch Verpflichtungen ableiten lassen". Er selbst habe "versucht, solche Spione wenigstens von Posten mit echter Verantwortung fernzuhalten".

Vor wenigen Monaten hatte sich die Unions-Mehrheit im ZDF-Verwaltungsrat durchgesetzt, Brenders Vertrag nicht mehr zu verlängern. Laut Brender "gibt es in der Union ein dunkles Schattenreich, das sich im Verwaltungsrat eingenistet hat und ihn mittlerweile zu dominieren versucht". Nun sei "auch das ZDF beschädigt. Das Ganze hat der Glaubwürdigkeit der Öffentlich-Rechtlichen einen schweren Schlag versetzt", so der Top-Journalist gegenüber dem SPIEGEL.

Brender über seinen Abschied vom ZDF: "Es fällt eine große Last von mir ab"

Das Bundesverfassungsgericht sei nun "die einzige Institution, die dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk Staatsferne, Form und damit Zukunft sichern kann". Brender weiter: "Parteipolitische Methodik droht gerade den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu okkupieren."

Dazu zählt er "das Denken in Mehrheits- und Minderheitsmustern sowie in Freund-Feind-Schemata. Fraktionszwang. Intransparentes Hinterzimmergeklüngel. Das alles darf es im Journalismus nicht geben".

Brender zeigte sich gegenüber dem SPIEGEL "erleichtert", dass es für ihn persönlich "jetzt zu Ende geht. Es fällt eine große Last von mir ab". Er selbst "tauge nicht zur Ikone" und weiß, dass er auch intern bisweilen aneckte mit seinem Führungsstil. "Einigen bin ich auf die Füße getreten. Das bringt der Job mit sich", so Brender.

"Ich wollte hier Kämpfer, keine Schlappschwänze." Er selbst sortiere jetzt erst mal Angebote, könne aber wohl "vom Journalismus nicht lassen". In öffentlich-rechtlichen Sendern kann der 61-Jährige sich aber nicht mehr vorstellen: "Das System hat mit mir abgeschlossen. Das werde ich respektieren."

anr

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insgesamt 71 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
22.02.2010 von michael.e.sauer@t-online.: Gipfel der Heuchelei

Wenn sich jetzt im Zusammenhang mit der Abberufung von Brender die SPD zum Lordsiegelbewahrer der Pressefreiheit aufspeilt, setzt sie auf die Vergesslichkeit der Bürger: Solange die SPD noch die Mehrheit in den ZDF-Gremien hatte, [...] mehr...

22.02.2010 von Wallenstein: Illegal?

Ach? Auch beim Ö-R Fernsehen? mehr...

22.02.2010 von der_durden: Na und?

Das ist vermutlich richtig. Na und? Deshalb ist es doch noch lange nicht schlecht, dass es auf den Tisch kommt. mehr...

22.02.2010 von no-stra-da-mus: Das erklärt alles !!!

Da standen wir damals und da stehen wir noch heute... nur raffinierter. Diese eingesessenen Parteien werden zu Meuschelmördern wenn es um ihre Pfründe geht. Eine neue und ehrliche Partei wird es sehr schwer haben sich gegen [...] mehr...

22.02.2010 von frubi: .

Naja. Der Mensch ist halt Mensch. Hat er viel, will er am liebsten gar nichts abgeben. Hat er wenig, will er am liebsten alles umsonst. Trotzdem gebe ich ihnen Recht. Der Lebensstandart sinkt. Die Berichterstattung aber nicht. [...] mehr...

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