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09.03.2010
 

ARD-Comedian Kurt Krömer

Ganz große Schnauze

Von Peer Schader

Als Dauerprovokateur in scheußlichen Sakkos berlinert sich der Comedian Kurt Krömer durch das ARD-Nachtprogramm. Jetzt ist der Neuköllner zum fünften Mal für den renommierten Grimme-Preis nominiert. Ob er ihn bekommt, ist aber fast egal, denn gerade hat er seine erste Samstagabend-Show erhalten.


"Happa-happa?", fragt Kurt Krömer im Restaurant, bevor es losgeht. Aber: nee, erst die Arbeit, dann das Mittagessen! Wir müssen reden. Über den Grimme-Preis, für den der Berliner mit seiner "Internationalen Show" gerade zum fünften Mal nominiert ist. "Ja! Ein großes Fest!", sagt Krömer. "Aber nur, wenn's nicht klappt. Sonst hab ich keine Gags mehr."

In die schöne Kategorie "Serien und Mehrteiler" hat die Jury des renommiertesten deutschen Fernsehpreises ihn dieses Jahr gestopft. Da passt das, was Krömer macht, zwar überhaupt nicht hin. Aber mit der ARD geht es ihm ja genauso. Donnerstags gegen halb zwölf, wenn Harald Schmidt Feierabend hat, lädt der Mann, der eine beachtliche Sammlung ebenso farbenfroher wie scheußlicher Sakkos sein Eigen nennt, zum spontanen Rededuell mit prominenten Gästen. Auszeichnungswürdig ist das schon lange, aber bisher konnten sich bei Grimme immer die Mitbewerber durchsetzen.

Krömer hat die jährliche Nichtbepreisung als Dauerscherz in sein Repertoire aufgenommen. Und hofft nun inständig, dass ihm das dieses Jahr niemand vermasselt. "Fünfmal vorgeschlagen zu werden, ist vielleicht besser, als den Preis einmal zu bekommen", sagt er. Hauptsache, das mit den Nominierungen geht so weiter, denn dann gratuliert ihm seine Intendantin immer mit einem motivierenden Brief. Und Post bekommt ja jeder gern.

"Anarchisch" schreiben Journalisten, wenn sie Krömers Humor auf den Punkt bringen wollen, obwohl es eher eine freundliche Art der Dauerprovokation ist. Manche sagen, er sei frech, aber das findet der 35-Jährige, der eigentlich Alexander Bojcan heißt, dann doch ein bisschen lausbubenhaft: "Frech? Was ist denn frech? Meine Oma ist auch frech!" Ach, daher kommt das Talent.

Krömers Geheimrezept ist die inszenierte Nichtvorbereitung, die Improvisation mit Gästen und Zuschauern im Studio gleichermaßen. Früher wollte der Sender vor der Aufzeichnung immer die fertigen Texte zur Abnahme von ihm haben. "Die haben das nicht verstanden, als ich meinte: Es gibt keine Texte. Ich hab Ideen, Wortfetzen - aber keinen Text." Also hat er einfach versprochen, das, was es nicht gab, am nächsten Tag mitzubringen. Und dann wieder am nächsten. Und so weiter. Irgendwann hat die Redakteurin entnervt aufgegeben.

"Politiker sind schlimmeres als mich gewöhnt"

Fragen an seine Gäste schreibt sich Krömer vorher zwar auf. Aber wenn es gut läuft, braucht er sie nicht. Als Martin Semmelrogge im vergangenen Jahr mit seinem Hund zu Gast war, wanderte Krömer mit ihm einfach ziellos durchs Studio, tauschte ein paar Frotzeleien aus und verabschiedete sich nachher ohne den Ansatz eines Gesprächsversuchs. Von Handballer Stefan Kretzschmar, den Krömer zu einem Armdrückwettbewerb überredete, wollte er wissen: "Sie haben 'ne Biografie geschrieben. Mit 36. Angst, dass Sie abnibbeln?" Und Reiner Calmund war beim Gespräch völlig außer Atem, weil er vorher von Krömer in eine Hüpfburg gelockt worden war.

"Wenn ich Probleme habe mit 'nem Gast, sag ich immer: 'Wo geht die Reise hin?' Dann weiß mein Regisseur, dass wir besser schnell zum Ende kommen", erzählt Krömer. Dabei gefallen ihm solche Momente eigentlich am besten: "Ich finde diese unerträglichen Pausen toll."

Dass in der "Internationalen Show" nicht ausschließlich die üblichen Shownasen sitzen, liegt an dem Katalog. Den hat die Ein-Mann-Redaktion Krömer vor ein paar Jahren höchstpersönlich mit Wunschgästen gefüllt. Seitdem wird einer nach dem anderen angefragt. "Leute, bei denen das einzige Highlight die neuen Möpse sind, muss ich nicht haben. Dann ist die Gefahr groß ist, dass ich die fertig mache", sagt der Gastgeber. "Wenn ich aber Renate Künast einlade, weiß ich genau: Die schlägt zurück. Find ich toll: Leute, die zurückschlagen. Deshalb hab ich gerne Politiker in der Sendung. Die sind Schlimmeres gewohnt."

Dass er das alles im Ersten machen darf, muss ein Versehen sein. Wahrscheinlich hat niemand gemerkt, wie sich Krömer heimlich ins Programm geschmuggelt hat. Eigentlich fühlt er sich bei seinem Haussender, dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), viel wohler. "Die ARD ist für mich eher so eine Briefkastenfirma. Ich weiß nie, wer da gerade verantwortlich ist, wen man da mal anrufen kann."

Fahnen hoch für Neukölln

Jetzt ist er trotzdem da. Am Donnerstagabend, kurz vor Mitternacht, dem wahrscheinlich schönsten Sendeplatz, den das öffentlich-rechtliche Fernsehen zu bieten hat, weil dann die vielen Gremien alle schon schlafen. "Bei mir selber ist es ja so, dass ich's nie gesehen habe, weil's mir auch zu spät ist", sagt Krömer. "Ich richte mich da an Menschen, die nicht aus meinem Bekanntenkreis sind und weiß nicht, warum die so lange wach sein dürfen."

Jetzt muss er nur aufpassen, nicht zu etabliert zu werden. Ende Februar ist die vierte Staffel der "Internationalen Show" angelaufen, im Sommer hat er seine Samstagabendpremiere im RBB. Bei "Wetten dass..?" war Krömer schon vor zwei Jahren, Anfang des letzten sogar bei Jörg Pilawas "Starquiz", wo er mit Nina Hagen enttäuschende 10.000 Euro erspielte, weil er nicht wusste, dass die Hexe Befana, die nach einem italienischen Brauch den Kindern die Geschenke bringt, auf einem Besen reitet.

Sein Lieblingsscherz dazu geht so: "Ich hatte ein Blackout. Es saß neben mir und hatte schwarze Haare." Weil das Geld für einen guten Zweck gespendet werden sollte und Krömer in seinem Heimatbezirk Neukölln gedanklich bereits die Tausender verteilt hatte, hat ihn das aber schon ganz schön gewurmt. So sehr, dass er im vergangenen Herbst die Benefizgala "Pimp my Ghetto" veranstaltete und nachher auf über 50.000 Euro aufstocken konnte - Ehrensache für einen, der sich für den Bezirk einsetzt, über den sonst alle nur Horrorgeschichten zu erzählen haben: "Immer, wenn die Presse eine Story sucht, ist Neukölln fällig. Ich will nicht leugnen, dass es da Armut und Kriminalität gibt und öfter mal die Tür aufgebrochen wird als in Charlottenburg. Aber dass die Kinder in den Schulen und die Muttis, die dort jeden Tag was reißen, auch mit in diesen Sack kommen - dagegen wollte ich mal die Fahnen hochhalten."

Notfalls macht er auch den Weihnachtsmarkteröffner. Nur mit den Quizshows ist es nach der Pleite bei Pilawa erst einmal vorbei: "Das 'Promi-Wer-wird-Millionär' bei Günther Jauch hab ich gleich abgesagt." Gut, dann hätten wir ja alles besprochen. Und jetzt?

Na klar: jetzt happa-happa.


"Krömer - Die internationale Show", donnerstags 23.30, ARD

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insgesamt 16 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
10.03.2010 von rabenkrähe: Schamschwellen

..... Er paßt doch genial in die heutige Unterhaltungslandschaft, die von Übertretungen der Schamschwellen lebt. Mehr macht er nicht und erstaunlich, daß sich immer wieder Gäste auf diese Peinlichkeit einlassen und sich dabei [...] mehr...

10.03.2010 von rengo: Lieber nicht so eine große Schnauze

Also für mich ist "Pelzig unterhält sich" nicht nur witzig sonder, und das gibt es im TV eigentlich nie, er zeigt auch noch Intelligenz. mehr...

10.03.2010 von Ditmar: falsch…

Da gehöre ich genau zu dem anderen Lager, dieser Mensch ist überflüssig, zumindest in dieser Form. Und was hier als respektlos angesehen wird ist nur Dummes geschwätz, aber Verblödungsfernsehen ist ja mitlerweile Kult in diesem [...] mehr...

09.03.2010 von krampfader: Er ist

das geniale TV-Grauen (z.Zt. leider das einzige). Die Dada-Schrottpresse. mehr...

09.03.2010 von titurel: Farblos

KK ist farb- und humorlos wie die heutigen sog. Comedians insgesamt. Ich kann darüber nicht lachen. Da ist sogar der Mainzer Karneval oder das Wort zum Sonntag lustiger. Mir tun alle leid, die darauf angewiesen sind, sich so flach [...] mehr...

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