Von Christian Teevs
Der verbale Kniefall gerät ein wenig kompliziert, aber immerhin: Bahn-Manager Ulrich Homburg bemüht sich, kurz vor Ende der Talk-Sendung ein wenig Gefühl zu zeigen. Er entschuldige sich, das liege ihm noch besonders am Herzen, "bei allen, die gesundheitliche Beeinträchtigungen erlitten haben".
Gesundheitliche Beeinträchtigungen?
Für neun Schüler hieß das am Wochenende konkret Hitzeschock, Kreislaufkollaps und notärztliche Behandlung. Ihr ICE hatte sich nach einem Ausfall der Klimaanlage auf mehr als 50 Grad aufgeheizt, die Heimreise von einer Klassenfahrt geriet zum Horrortrip. Insgesamt 48 Glutofen-Züge fielen seither aus, das hat die Bahn selbst eingeräumt.
Darum sitzt Homburg nun bei Maybrit Illner und bekommt den Ärger zu spüren, der sich gegen sein Unternehmen aufgestaut hat. Die Bahn ist das Lieblingsfeindbild vieler Deutscher. Wer im Konzern Illusionen nachhing, mit dem Abgang von Ex-Chef Hartmut Mehdorn würden neue, unbeschwertere Zeiten beginnen, wird eines Besseren belehrt.
Erstaunlich ist, wie schwer sich die Bahn mit dem Krisenmanagement tut: Homburg jedenfalls, im Vorstand für den Personenverkehr zuständig, weiß bei Maybrit Illner nicht, wie er mit dem Unmut umgehen soll, der ihm entgegenschlägt. Gleich zu Beginn der Sendung erzählt der Vater einer betroffenen Schülerin von dehydrierten und hyperventilierenden Fahrgästen. Seine 16-jährige Tochter habe noch Mitreisende versorgt, bevor sie selbst zusammenbrach und ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.
Bahn-Chef Grube hätte ein Zeichen setzen können
Zwar bemüht sich Homburg in den 60 Minuten demonstrativ um Gelassenheit, aber er wirkt überfordert und unsouverän. Mehrfach weicht er Fragen der Moderatorin aus, weil dazu entweder "schon alles gesagt wurde" (Probleme der Berliner S-Bahn) oder weil man "diese Diskussion an anderer Stelle führen sollte" - Stichwort Preiserhöhungen.
Natürlich hat er es nicht leicht bei Illner, das muss man Homburg zugestehen. Schon mit ihrem Titel versprach die erste Illner-Show nach der Sommerpause für ihn eine unangenehme Angelegenheit zu werden: "Zu heiß, zu kalt, zu teuer, zu spät - Dauer-Chaos bei der Bahn?"
Und eigentlich ist er ja auch gar nicht der Verantwortliche, auf seinem Platz müsste Bahn-Chef Rüdiger Grube sitzen: Der Nachfolger des unbeliebten Mehdorn hätte so ein Zeichen setzen können - fünf Tage nach dem Hitzechaos und den Äußerungen eines Sprechers, es gehe doch nur um drei Züge. Aber Grube kam nicht. Vielleicht weil die Bahn immer noch keine Ahnung hat, warum die Klimaanlagen vor allem der zweiten ICE-Generation bei hohen Temperaturen ausfallen - und wie man das Problem in den Griff bekommt.
"Die Mitarbeiter haben Angst vor ihren Vorgesetzten"
"Wir standen vor einem Rätsel", sagt Grube-Vertreter Homburg, "und sind auch jetzt erst einen Schritt weiter bei der Aufklärung". Doch neben den technischen Problemen wirft ja auch das Verhalten der Bahn-Mitarbeiter Fragen auf, trotz der Überhitzung haben sie ihre Züge nicht gestoppt. Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn liefert dafür eine brisante Erklärung: "Die Mitarbeiter haben Angst vor ihren Vorgesetzten", sagt er. So drohten Strafen, "wenn man eigene Entscheidungen trifft".
Homburg weist das zurück. Jeder Zugchef könne die Entscheidung treffen, einen Zug anzuhalten, aber das sei nun mal bei einem 400 Meter langen Zug nicht in jedem Bahnhof möglich. Doch näher geht der Manager nicht auf den Vorwurf ein, bei der Bahn herrsche ein System der Angst. Stattdessen greift er zu einer weiteren Floskel: Er wolle die Mitarbeiter mal in Schutz nehmen, "sie leisten täglich einen hervorragenden Job, sind aber auch nur Menschen".
Puh. Der Mann macht es einem nicht leicht. Er schafft es während der gesamten Sendung, beherrscht, kühl, ja fast emotionslos zu bleiben. Nicht einmal eine Steilvorlage von Illner, er könne ja mal seinen Ärger über Politiker loswerden, will er annehmen. Immerhin kommen jetzt wieder aus allen Parteien Attacken - obwohl die aktuelle Regierung, wie auch die vorherigen, die Bahn zum Sparen gedrängt hat, um fit zu sein für den Börsengang. Und immerhin sitzt in der Runde auch Julia Klöckner, CDU-Staatssekretärin im Ministerium für Verbraucherschutz.
Doch Homburg weicht wieder aus: "Ich möchte mich über Politiker nicht äußern", sagt er. Begründung? Er sei ein "sehr unpolitischer Mensch". Aha.
Klöckner steuert zur Sendung übrigens genau so viel Konstruktives bei wie Hans Rudolf Wöhrl - also nix. Der 52-jährige Unternehmer hatte seine Einladung dem Umstand zu verdanken, dass er mal zwei Fluggesellschaften geführt hat.
Mit seinen kruden Theorien über die Vorteile des Fliegens und die Nachteile von Steuern lässt der gut gelaunte Hobbypilot den strengen Homburg fast schon wieder sympathisch erscheinen. Und trägt damit doch noch etwas zur Sendung bei - nämlich die Erkenntnis, dass bei der Bahn nicht alles schlecht ist.
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Stufe zwei ist nicht Bestandteit des Peter-Prinzips, da damit Stufe drei unmöglich wäre. Ihre Schlussfolgerung ist Unsinn und eine Beleidigung für alle engagierten Bahnmitarbeiter, und das ist der weit überwiegende Teil der [...] mehr...
... wenn jeder so denken bzw. handeln würde. Die Folge wäre, das nichts mehr läuft auf Deutschland Schienen. Aber so ist das mit dem Egoismus: Man denkt nur an sich, nicht an die Folgen für die Mitreisenden im selben Zug, [...] mehr...
Nun, immerhin scheint man daraus etwas gelernt zu haben und hat in diesem Falle entsprechend reagiert: http://www.ksta.de/html/artikel/1278663524335.shtml Hoffentlich bleibt es kein Einzelfall. mehr...
Sie haben das Wichtigste vergessen: ein Atemgerät und Sauerstoff! mehr...
Eindeutig ja! 2 Kisten Wasser, genügend Essen (die Bistros sind geschlossen) und ein mobiles WC sind die Mindestausstrattung für jeden Bahnreisenden. Eine Kühlbox ist ebenfalls zu empfehlen. mehr...
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