Von Peer Schader
Ob Michael Kessler schon einen Dankesbrief an Günther Jauch geschrieben hat? Dafür, dass der jetzt schon so lange im Geschäft ist und es mit seinem halben Wechsel zur ARD sicher noch eine ganze Zeit bleiben wird? Gundula Gause und Claus Kleber vom ZDF hätten auch ein Kärtchen verdient, letzterer allein schon, weil er nach der Einweihung des neuen Nachrichtenstudios beim "heute journal" wochenlang irritiert in die Roboterkameras schaute. Und hat sich Kesslers Kollege Max Giermann eigentlich bei RTL-Restauranttester Christian Rach erkenntlich gezeigt, der jetzt ebenfalls zu seinem Repertoire gehört?
Es gibt viele Gründe, um danke zu sagen. Denn was wäre die neue Staffel "Switch Reloaded" ohne Typen wie Jauch, Kleber und Rach? Vermutlich: ziemlich kurz.
Ab Dienstagabend zeigt ProSieben neue Folgen der preisgekrönten Fernsehsatire. Und um's kurz zu machen: Die gehören wieder zum Witzigsten, was es derzeit im deutschen Fernsehen gibt. Das wird nur nicht mehr lange so weitergehen können. Dem Medium, wie es sich gerade entwickelt, ist mit parodistischen Mitteln kaum noch beizukommen. Einerseits, weil vieles so schnell wieder abgesetzt wird, dass es sich selten lohnt, eine Karikatur zu entwickeln. Und andererseits, weil viele Programme, vor allem die des Privatfernsehens, inzwischen systematisch die Grenzen überschreiten, die bisher der Parodie vorbehalten waren.
Natürlich ist es ein Kompliment für das Team, wenn man als Zuschauer zweimal hinsehen muss, um zu erkennen: Ist das auf dem Bildschirm wirklich Bernhard Hoëcker im Fatsuit - oder nicht doch der echte Dirk Bach? Und sicher könnte Martina Hill problemlos als Double von Sonya Kraus deren Restmüllsendung "talk talk talk" auf ProSieben moderieren, ohne dass es den Zuschauern auffiele - weil Hills Gaga-Texte gar nicht so übertrieben sein können, dass man sie nicht auch Kraus zutrauen würde.
Es fehlt der Ausgangsstoff
Im Vergleich zur ersten "Reloaded"-Staffel vor vier Jahren ist das Team deutlich souveräner geworden, hat ein besseres Gespür fürs richtige Timing entwickelt und Parodien aussortiert, bei denen die Originale nur mit zusammengekniffenen Augen identifizierbar waren. Im Laufe der Zeit ist "Switch" der Fernsehrealität immer näher gekommen. Die rächt sich jetzt, indem sie sich selbst schon bis zur Unkenntlichkeit ironisiert.
Das noch einmal steigern zu wollen, geht schnell schief - so wie mit dem Parodieversuch auf Vera Int-Veen in "Schwiegertochter gesucht". Wer die Originalsendung gesehen hat, weiß: Int-Veens gestelzte Moderationen sind albern, aber erst die Protagonisten, die sie ankündigt, machen die Kuriosität des Programms aus. Weil das Fernsehen so tut, als nähme es die Sorgen der Gezeigten ernst, sie in ihrer Sonderbarkeit aber bloß ausstellt wie im Zoo. Sich darüber lustig zu machen, hieße, sich vollständig dem Zynismus auszuliefern. Das passt eher zu Oliver Pocher.
Noch hält "Switch" das alles ganz gut aus, obwohl der Sendung schon jetzt frisches, parodiewürdiges Material fehlt. Deswegen sind die Stars der neuen Staffel vor allem die der alten. Hinzu kommen in den ersten beiden Folgen Max Giermanns Rache, der mit offenem Hemd wildgestikulierend Gastronomen zu Hilfe eilt und erst mal "ein kühles Bierchen" bestellt. Oder zwei. Oder mehr. Markus Lanz treibt seine Talk-Gäste in den Wahnsinn, indem er sie ständig mit besonders schlauen Nachfragen und dem Zeigefinger vorm Mund unterbricht - ebenfalls dargestellt von Giermann, der auch noch als RTL-Prügelmönch "Lasko" auftritt.
Man gönnt ihm das, dass er zusammen mit Michael Kessler (der sich in seiner "Stromberg"-Parodie "Obersalzberg" exakt an die Veränderungen der Originalserie hält) inzwischen die Hauptrollen spielt, im wahrsten Sinne des Wortes. Gleichzeitig rückt aber das Restensemble in den Hintergrund.
An der Abschaffung von "Switch" wird gearbeitet
Giermann und Kessler sind es auch, die als "Volle Kanne"-Serviceteam auftreten: der eine als schleimiger ZDF-Moderator Ingo Nommsen, der ständig über die eigenen Witze lacht, der andere als Fernsehkoch Armin Roßmeier, der so arg das R rollt, dass man ständig Angst hat, er würde sich verschlucken während er den vegetarischen Mettigel vorbereitet. Die Szenen sind parodistische Musterbeispiele, weil der Zuschauer in der Nachahmung die Originale wiedererkennt und sich deren Eigenarten entsinnt, die durch Übertreibung ein komisches Element bekommen. Wie aber will man einen Dieter Bohlen übertreiben?
Sowieso scheint das öffentlich-rechtliche Fernsehen die Rettung für "Switch" zu sein. Allein durch das virtuelle "heute journal"-Studio haben sich zahlreiche Möglichkeiten für neue Gags ergeben, die Michael Müller und Martina Hill als Kleber und Gause ganz wunderbar umsetzen, indem sie immer wieder Opfer der modernen Technik werden.
Die Genauigkeit der Beobachtung ist es, die "Switch" ausmacht, das Auswendiglernen dessen, wie sich Stars auf dem Bildschirm geben: ihre Ticks, die Mimik, ihre Art zu reden. Dafür braucht es aber Stars, die für die Zuschauer auch einen Wiedererkennungseffekt haben. Und nicht bloß eine Horde Öffentlichkeitssüchtiger, die jeden Mist mitmachen, um mal ins Fernsehen zu kommen - also genau die Art Programm, auf die sich ProSieben in diesen Wochen spezialisiert.
Es ist phantastisch, dass sich der Sender gleichwohl eine Satire wie "Switch Reloaded" leistet. Aber ProSieben ist es auch, das zugleich am konsequentesten an deren Abschaffung arbeitet. Ein Programm, das sich selbst nicht mehr ernst nimmt, lohnt die Parodie einfach nicht mehr.
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was wieder rum falsch ist, weil der hund schalke von den schwakowiaks verstorben ist ;) mehr...
[QUOTE=Eiermann;5900473]U.a. solch herrliche Comedysendungen. Weiß nicht, was Sie darüber nun schon wieder zu meckern haben. Die Qualität einer Fernsehlandschaft sollte man nicht unbedingt an den durch eine Comedysendung [...] mehr...
Und ich dachte es wäre Dieter Hildebrandt mehr...
Der Spiegel-Beitrag bringt es auf den Punkt! "Switch Reloaded" gehen die Ideen aus, weil 1.) das Reservoir natürlich nicht unerschöpflich ist - wirkliche TV-Stars (Kleber, Raab, Jauch), bei denen die Parodie wirklich [...] mehr...
Als Serienjunkie hatte ich mir den Piloten mal angeschaut. Der wurde ziemlich perfekt verarscht. Genau das Blödsinnige mit der Briefübergabe hat perfekt das strunzdumme Drehbuch des Originals persifliert. mehr...
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