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30.07.2010
 

Love-Parade-Debatte bei Illner

Stinkwut in der Trauerrunde

Von Ole Reißmann

Wolfgang Bosbach und Fritz Pleitgen bei Illner: Unterschiede in der Schärfe der AngriffeZur Großansicht
ZDF/Svea Pietschmann

Wolfgang Bosbach und Fritz Pleitgen bei Illner: Unterschiede in der Schärfe der Angriffe

Der Tunnel war das Problem, der Veranstalter schuld und Duisburgs Oberbürgermeister muss zurücktreten: Maybrit Illners Talkrunde zur Love-Parade-Tragödie fand so deutliche wie eindeutige Antworten. Von den Verantwortlichen ließ sich leider keiner in der Sendung blicken.

"Wie man überhaupt auf diese Idee kommen konnte! Auf diesem Gelände!", rief CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach. "Auch noch eingezäunt!" Er sprach aus, was im Nachhinein so offensichtlich scheint. Ehrliche Antworten müsse die Politik geben, polterte er, daran ändere auch ein laufendes Verfahren der Staatsanwaltschaft nichts.

Die Kritik in Richtung des Duisburger Oberbürgermeisters Adolf Sauerland verband er mit einer Rücktrittsforderung. Bisher klammert der sich mit der aberwitzigen Begründung an sein Amt, er habe ja nichts unterschrieben. Das überließ er Mitarbeitern. Bosbach will das nicht gelten lassen: "Ob ich eine Verfügung unterschrieben habe oder nicht, ist völlig zweitrangig", sagte er. Mit dem Amt hafte er auch persönlich für die Fehler von Mitarbeitern.

Ganz ähnlich äußerten sich der DJ Paul van Dyk, der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt und ein Love-Parade-Besucher. Dass die dunkel gekleidete Trauerrunde bei aller Betroffenheit doch noch so etwas wie eine Diskussion simulieren konnte, lag einzig an Ruhr.2010-Geschäftsführer Fritz Pleitgen. Der bemühte sich um ein wenig Differenzierung. Am Abend der Katastrophe erlebte er den Oberbürgermeister im Krisenstab und fand bei Illner auch lobende Worte für den so viel Gescholtenen.

Bosbachs Tochter fährt nach Wacken

Pleitgen ist einer der wenigen, die öffentlich zugeben, dass sie sich für eine Love Parade in Duisburg eingesetzt haben. Den lautstarken Schuldverteilern setzt der ehemalige WDR-Intendant schon im Auftritt einen Gegenpunkt: Still sitzt er da, die Augen unbewegt, die Lippen aufeinander gepresst. Die Jagd auf die Schuldigen sei für die Ermittlungen womöglich nicht hilfreich, sagte er, und dass er im Vorfeld die jetzt als so massiv dargestellten Bedenken nicht habe wahrnehmen können.

Dass Fehler gemacht wurden, wollte auch Pleitgen nicht in Abrede stellen. So unterschieden sich die Gäste vor allem in der Schärfe ihrer Angriffe. Wendt und Bosbach, die Medien-Profis, mussten sich dazu keine neuen Worte zurechtlegen. Sie wiederholten ihre in den vergangenen Tagen vielfach geäußerte Kritik einfach.

Es gehe zu wenig um die Opfer, mahnte Pleitgen an einer Stelle an. Tatsächlich verwendete Bosbach mehr Worte darauf, dass seine Tochter Caroline am übernächsten Wochenende wieder auf das Heavy-Metal-Festival in Wacken nach Schleswig-Holstein fahre und er als Vater trotz 70.000 Besuchern keine Sicherheitsbedenken habe.

Stadt und Veranstalter verpassen eine weitere Chance

Überhaupt blieben die Gäste in ihren Rollen: Der Love-Parade-Besucher will trotz Tragödie weiter Love Paraden feiern, der Techno-DJ schimpft auf den "geltungssüchtigen Politiker" Sauerland, der das Fachwissen von Polizei und Feuerwehr ignoriert habe. Überhaupt sei die Katastrophe zu verhindern gewesen: Dieser Tunnel!

Wenig überraschend war dann auch, dass der Polizist Wendt keinerlei Schuld bei der Polizei sah - sondern allein beim Veranstalter. Warum denn die Feier trotz der massiven Bedenken nicht abgesagt wurde, konnte Illner trotz Nachfragen nicht ergründen. Man stelle sich nur vor, im Vorfeld der Love Parade hätte diese Runde so vehement und eloquent für die Sicherheit der Raver gestritten.

Schade, dass niemand von Stadt und Veranstalter sich in die Sendung getraut hat. Nach den bisher wortkargen öffentlichen Auftritten voller Floskeln und leerer Worthülsen wäre dies eine weitere Chance gewesen, endlich klare Worte zu finden und Verantwortung zu übernehmen. Aber darauf darf man wohl derzeit nicht hoffen.

So verfestigte sich am Donnerstagabend der Eindruck, dass sich die Schuldigen wegducken. Was auch immer die Staatsanwaltschaft noch ermitteln und Richter feststellen werden: Die moralische Schuldfrage scheint geklärt zu sein.

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Die Love Parade

Die Love Parade findet seit 1989 statt, zunächst über viele Jahre in Berlin. 2007 zog die Veranstaltung dann ins Ruhrgebiet um, mit der Premiere in Essen. Vor zwei Jahren gastierte sie in Dortmund. 2009 sagte Bochum die Techno-Party ab, weil die Stadt keine Chance sah, den Besucherandrang zu bewältigen und einen geeigneten Veranstaltungsort zu finden. 2010 endete die Love Parade in einer Tragödie: 21 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt.

Die Anfänge

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Die Rückkehr

Die Katastrophe





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