Von Ole Reißmann
"Wie man überhaupt auf diese Idee kommen konnte! Auf diesem Gelände!", rief CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach. "Auch noch eingezäunt!" Er sprach aus, was im Nachhinein so offensichtlich scheint. Ehrliche Antworten müsse die Politik geben, polterte er, daran ändere auch ein laufendes Verfahren der Staatsanwaltschaft nichts.
Die Kritik in Richtung des Duisburger Oberbürgermeisters Adolf Sauerland verband er mit einer Rücktrittsforderung. Bisher klammert der sich mit der aberwitzigen Begründung an sein Amt, er habe ja nichts unterschrieben. Das überließ er Mitarbeitern. Bosbach will das nicht gelten lassen: "Ob ich eine Verfügung unterschrieben habe oder nicht, ist völlig zweitrangig", sagte er. Mit dem Amt hafte er auch persönlich für die Fehler von Mitarbeitern.
Ganz ähnlich äußerten sich der DJ Paul van Dyk, der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt und ein Love-Parade-Besucher. Dass die dunkel gekleidete Trauerrunde bei aller Betroffenheit doch noch so etwas wie eine Diskussion simulieren konnte, lag einzig an Ruhr.2010-Geschäftsführer Fritz Pleitgen. Der bemühte sich um ein wenig Differenzierung. Am Abend der Katastrophe erlebte er den Oberbürgermeister im Krisenstab und fand bei Illner auch lobende Worte für den so viel Gescholtenen.
Bosbachs Tochter fährt nach Wacken
Pleitgen ist einer der wenigen, die öffentlich zugeben, dass sie sich für eine Love Parade in Duisburg eingesetzt haben. Den lautstarken Schuldverteilern setzt der ehemalige WDR-Intendant schon im Auftritt einen Gegenpunkt: Still sitzt er da, die Augen unbewegt, die Lippen aufeinander gepresst. Die Jagd auf die Schuldigen sei für die Ermittlungen womöglich nicht hilfreich, sagte er, und dass er im Vorfeld die jetzt als so massiv dargestellten Bedenken nicht habe wahrnehmen können.
Dass Fehler gemacht wurden, wollte auch Pleitgen nicht in Abrede stellen. So unterschieden sich die Gäste vor allem in der Schärfe ihrer Angriffe. Wendt und Bosbach, die Medien-Profis, mussten sich dazu keine neuen Worte zurechtlegen. Sie wiederholten ihre in den vergangenen Tagen vielfach geäußerte Kritik einfach.
Es gehe zu wenig um die Opfer, mahnte Pleitgen an einer Stelle an. Tatsächlich verwendete Bosbach mehr Worte darauf, dass seine Tochter Caroline am übernächsten Wochenende wieder auf das Heavy-Metal-Festival in Wacken nach Schleswig-Holstein fahre und er als Vater trotz 70.000 Besuchern keine Sicherheitsbedenken habe.
Stadt und Veranstalter verpassen eine weitere Chance
Überhaupt blieben die Gäste in ihren Rollen: Der Love-Parade-Besucher will trotz Tragödie weiter Love Paraden feiern, der Techno-DJ schimpft auf den "geltungssüchtigen Politiker" Sauerland, der das Fachwissen von Polizei und Feuerwehr ignoriert habe. Überhaupt sei die Katastrophe zu verhindern gewesen: Dieser Tunnel!
Wenig überraschend war dann auch, dass der Polizist Wendt keinerlei Schuld bei der Polizei sah - sondern allein beim Veranstalter. Warum denn die Feier trotz der massiven Bedenken nicht abgesagt wurde, konnte Illner trotz Nachfragen nicht ergründen. Man stelle sich nur vor, im Vorfeld der Love Parade hätte diese Runde so vehement und eloquent für die Sicherheit der Raver gestritten.
Schade, dass niemand von Stadt und Veranstalter sich in die Sendung getraut hat. Nach den bisher wortkargen öffentlichen Auftritten voller Floskeln und leerer Worthülsen wäre dies eine weitere Chance gewesen, endlich klare Worte zu finden und Verantwortung zu übernehmen. Aber darauf darf man wohl derzeit nicht hoffen.
So verfestigte sich am Donnerstagabend der Eindruck, dass sich die Schuldigen wegducken. Was auch immer die Staatsanwaltschaft noch ermitteln und Richter feststellen werden: Die moralische Schuldfrage scheint geklärt zu sein.
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Sicherheitsbeauftragte haben Vorsorge zu treffen: für jeden Fall der Fälle.... mehr...
Jeder, der mal (kleinere) Veranstaltungen organisiert hat, kann ein Lied von den Auflagen singen. Sicherheitsabstände, Rettungswege, Anzahl der Toiletten usw.. Wie sollte das bei dieser stationären Veranstaltung auf 230 000 qm [...] mehr...
Die Kirche springt doch in jede Nische, die sich bietet, um sich irgendwo zu profilieren, damit sie ihre Existenzberechtigung nicht völlig verliert. Ich bin gläubig, aber was ich von den Kirchen halte, und das nicht erst seit [...] mehr...
lesen die entsprechen threads hiermal durch und sie werden (vielleicht) festtstellen, dass es nicht darum geht sauerland und co ans kreuz zu nageln , sondern nur um minimal ansprüche, wie das zeigen von charakter und anstand... [...] mehr...
...auf die Veranstaltung, komme was mag. Den "Pott" zu puschen war/ist eine höchst politische Marschrichtung, und das bereits seit Jahren! Da kommt so ein nettes Event, nämlich die "größte, liebevollste, hippeste [...] mehr...
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