Von Stefan Kuzmany
Hundertmal "Hart aber fair". Hundertmal Frank Plasberg im rot gehaltenen Studio. Hundertmal fünf wichtige Gäste und ein wichtiges Thema. Diesmal: "Der Atom-Showdown - wer siegt im Kampf um Energie und Macht?" Eine interessante Frage, gewiss, mit hochkarätigen Diskussionsteilnehmern, zweifellos: Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) ist gekommen. Renate Künast von den Grünen. Ex-SPD-Mitglied Wolfgang Clement als Fürsprecher der Atomlobby. Ralf Güldner vom Deutschen Atomforum als Gesicht der Atomlobby. Und der bestfrisierte Bestsellerautor des Landes: Frank Schätzing, der Umweltthemen zu Unterhaltungsschmökern verarbeitet.
Sie wollen jetzt wahrscheinlich wissen: Wie war die Sendung? Wer hatte die besseren Argumente? Und wer siegt denn nun im Kampf um Energie und Macht?
Keine Sorge, wir haben noch genügend Zeit für Sachfragen. Aber zunächst wollen wir der Frage nachgehen: Wie hart ist "Hart aber fair"? Wie tickt Plasberg?
Wir haben uns alle längst daran gewöhnt, dass Plasberg hart nachhakt. Wir glauben, er tut das, um uns einen Blick hinter die Fassaden seiner Gäste zu erlauben. Das mag so sein. Vielleicht glaubt er das sogar selbst.
Doch gleichzeitig unterbindet er damit jede inhaltliche Diskussion. An wirklichen Ergebnissen ist er nicht interessiert - sondern nur an der nächsten Pointe.
Beispiel Gesprächseinstieg: Plasberg fragt Norbert Röttgen, ob er sich als Außenseiter in der eigenen Partei fühle. Der verneint das, ist ja klar, was soll er auch sonst sagen. Dann fragt er Ralf Güldner, ob er nicht ebenfalls das Gefühl habe, ein Außenseiter zu sein, weil er für eine Technik wirbt, die die Mehrheit ablehnt. Auch Güldner verneint, was bleibt ihm anderes übrig, wenn er nicht sofort seinen Job verlieren will. Röttgen und Güldner versuchen auch gleich, mit ihrem ersten Wortbeitrag einige argumentative Punkte zu machen. Plasberg geht dazwischen, denn das entspricht nicht seinem Plan. Sein Plan ist es, jetzt Renate Künast anzusprechen: "Frau Künast, die beiden Männer sagen, sie hätten nicht das Gefühl, Außenseiter zu sein. Wie ist das mit Männern und Gefühlen?" Schön vorbereitet, und jetzt zum Höhepunkt und Abschluss der Frage: "Ist das gefühlsecht?"
Klingt knackig, Kanzler und Können
Das ist die Plasberg-Methode, Teil eins: Fragen stellen, auf die die Antwort schon vorher klar ist. Und dann eine Zote abfeuern. Zugegeben: Das ist an diesem Abend das einzige Mal, dass man von Plasberg behaupten kann, zotig zu sein.
Das ist die Plasberg-Methode, Teil zwei: Wenn es zu inhaltlich wird, unbedingt unterbrechen. Als zum Beispiel Künast überraschenderweise nicht über Männer und Gefühle reden will, sondern über Laufzeiten, Sicherheitsrisiken und ungelöste Endlagerprobleme, geht Plasberg sogleich dazwischen: "Die Sendung ist noch lang, nicht alle Argumente auf einmal!" Später: "Wir haben noch genug Zeit für Inhalte, jetzt erst mal noch zum Stil." Im Einzelgespräch mit dem Umweltminister: "Herr Röttgen, Sie wollen immer wieder zu den Inhalten zurück..." - um ihn dann doch lieber zu fragen: "Können Sie Kanzler?"
Darauf erwartet Plasberg dann zwar selbst keine vernünftige Antwort, aber immerhin ist es eine schöne Alliteration gewesen. Klingt knackig, Kanzler und Können. Drollig wird es, wenn Plasberg von der wie immer wunderbaren Kollegin Brigitte Büscher in ihrer Zusammenfassung der Zuschauerreaktionen darüber informiert wird, dass sich eine Hanna, 39 Jahre, eine Diskussion wünsche, die weniger emotional und nicht so unsachlich geführt werden sollte. Herzlichen Dank, Brigitte, sagt Plasberg. Und dass er den Eindruck habe, die Zuschauer fragten nach Sachlichkeit. "Aber wenn es um die Zukunft geht, ist natürlich auch Leidenschaftlichkeit gefragt."
Und damit zum nächsten Einspieler.
"Die Frage ist ja, was haben wir heute Abend gehört?", fragt Plasberg, und dazu kommen wir sicher noch, aber zuerst soll es noch mal kurz um den Stil gehen und die Emotionen. Röttgen lächelt zwar immer noch, das kann er gut, aber nach vielen zermürbenden parteiinternen und öffentlichen Diskussionen hat man mittlerweile den Eindruck, dass seine Zähne dabei heftig knirschen. Renate Künast wurde mehrmals von Frank Plasberg unterbrochen und auf später vertröstet, was ihr augenscheinlich nicht die geringste Freude bereitete. Ralf Güldner wollte so dringend keinen Fehler machen, dass er einem unabhängig von der eigenen atompolitischen Einstellung schon leid tun konnte. Wolfgang Clement ist hingegen völlig egal, was die Leute denken, weil ein Mann wie er einfach recht hat. Und Frank Schätzing ist erstens in der Lage, komplexe Zusammenhänge mit einfachen Bildern anschaulich zu machen und dabei zweitens auch noch hübsch anzusehen, was ihn drittens zum perfekten Talkshowgast macht.
Und jetzt zu den Inhalten.
Wer gewinnt den Kampf um unsere Energie-Zukunft? Wer siegt im Atom-Showdown? Clement zu Röttgen: "Sie zerstören den Industriestandort Deutschland!" Darauf Künast zu Clement: "Nein, Sie zerstören den Industriestandort Deutschland!" Hundertmal und kein Ende abzusehen.
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Das bestreite ich, ich finde allerdings derartige Tätigkeiten auch nicht gerade lobenswert, aber solange die Kriegswaffenkontrollgesetze eingehalten werden, ist derartige Tätigkeit von Metallern legal. 2) Sicherlich kann jeder [...] mehr...
Briefmarken einsortieren ist garantiert spannender. Jauch, ein bissel spießig, ein bissel charmant, ein bissel witzig, ein bissel sehr nichtssagend, passt überall rein - ach ja, und so geht es weiter und weiter und weiter...und [...] mehr...
zu loben, kann ich allerdings nicht nachvollziehen: Was da von der - entsprechend proportionierten - Journalistenrunde (oft Chefredakteure), die sich als Durchblick-Elite fühlen, zum Besten gegeben wird, lässt oft schaudern ob [...] mehr...
Jesus, was für eine Erleichterung, jetzt ist es endlich raus, dem Spiegel sei ehrlich gedankt: der Mann inszeniert vor allem sich selbst und (miss)braucht Gäste und Zuschauer für seinen Narzissmus. Fast wie Beckenbauer:am Anfang [...] mehr...
Zu der zähle offenbar auch ich. Denn es verblüfft mich schon ein wenig, wie wenige gute Haare an "Hart aber fair" gelassen werden. In einer Talk-Show - so steht es in ihrem Namen - ist immer auch Show enthalten. Und [...] mehr...
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