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50 Jahre ZDF: Specken Sie mal bitte ab!

Von Daniel Bouhs

ZDF-Jubiläum: So geht's nach vorn Fotos
DPA/ ZDF

Wollen wir noch mehr Lanz? Oder teuren Fußball? Das ZDF feiert 50. Geburtstag, hat aber keinen Plan für die nächsten 50 Jahre. Wir schon. Zum Jubiläum gibt's fünf Fitness-Tipps.

Ein Hauptprogramm, drei Digitalkanäle, Gemeinschaftsprojekte wie 3sat, Phoenix und Arte, etliche Plattformen im Netz, mehrere Apps - zu seinem 50. Geburtstag kommt das ZDF so breit aufgestellt daher wie nie zuvor. 15 Cent pro Tag zahlt jeder Beitragszahler anteilig an den Sender, der in seiner eigenen kleinen Welt auf dem Mainzer Lerchenberg residiert.

Doch jetzt stehen die Zeichen auf Rückbau: Das Unternehmen wurde verdonnert, Personalkosten zu sparen. Es muss sich von Hunderten Mitarbeitern trennen, hat bereits Sendungen gestrichen - und schafft gar seinen Ableger ZDFkultur ab. Die Krise ist für die Macher um Intendant Thomas Bellut aber auch eine Chance in sich zu gehen: Wie wollen sie den Sender fit für die nächsten 50 Jahre machen? Wir haben da fünf Tipps.

1. Abspecken!

Die Strategie, eine vielköpfige Programmfamilie aufzubauen, hatte ihren Charme. Aber der Expansionswahn rächt sich jetzt, es muss eingedampft werden: Weg mit dem hässlichen Ballast, her mit einem kompakten Angebot! Weg also mit Boulevard wie "Hallo Deutschland" und "Leute heute". Das kann RTL eh besser. Weg auch mit seichten Spätabend-Talks, dieser Beschäftigungstherapie für Moderatoren wie Markus Lanz und dieser PR-Plattform für sogenannte Gäste. Nur so entstehen frische Formate, die sonst auf der Strecke bleiben. So wie jüngst "Europa plus": Das ZDF hat sein Europamagazin Ende 2012 vom Schirm genommen. Ausgerechnet in der Euro- und Europakrise. Geht's dümmer?

2. Inneren Schweinehund überwinden!

Haben Sie mitbekommen, wie oft das Politmagazin "Frontal 21" in den vergangenen Monaten lief? An elf möglichen Sendetagen gerade sechsmal. Ein verlässlicher Sendeplatz ist hier nicht mehr die Regel, sondern die Ausnahme. Und die Projektreihe "ZDF Zeit", die mit Erfolg versuchte, gesellschaftliche Debatten mitzugestalten, porträtiert nun von Ende April an lieber sechsmal die "Traumfabrik Königshaus". Als ob die TV-Macher ihr Publikum entwöhnen wollten. Der Mut zu hauseigenen Formaten mit anspruchsvollen Stoffen, die sich entwickeln können, ist auf dem Lerchenberg zu selten vorhanden.

3. Rückgrat stärken!

Millionen für die Champions League, aber das Aus für einen ganzen Sender: Wie soll in den Redaktionen des ZDF Ruhe einkehren, wenn Geld verbrannt wird - ohne jede Not? Gerade dieses Fußballturnier ist purer Kommerz, der gut bei Privatsendern aufgehoben wäre. Die aber wurden mit öffentlich-rechtlichem Geld überboten. Und was hat das Zweite davon? Es baut sein Programm um, damit es den Sponsoringvorstellungen des europäischen Fußballverbandes Rechnung tragen kann - ein "Champions League"-Magazin am frühen Abend mit "Werberahmenprogramm" inklusive. Spiele mit deutscher Beteiligung sind dafür aber nicht garantiert. So war der Sender wegen seiner eingeschränkten Verträge Anfang März gezwungen, statt der Partie Borussia Dortmund gegen Schachtjor Donezk die Begegnung Paris St-Germain gegen FC Valencia zu übertragen. Zurück bleibt Frust im eigenen Haus, das mit den Finanzmitteln auch die Substanz des eigenen Programms schwinden sieht - zugunsten der Quotenjagd. Die ist in Maßen zwar berechtigt, denn auch öffentlich finanzierte Sender sollen Zuschauer begeistern. Aber bitte nicht auf Kosten der Glaubwürdigkeit.

4. Entspannen!

Wenn sich das ZDF dazu durchringt, sich mit "Neuen Medien" zu beschäftigen, wie die zuständige Hauptabteilung auch im Jahr 2013 noch heißt, gilt die Devise: Viel hilft viel. Dabei ist viel oft einfach viel zu viel. Soziale Netzwerke sollten natürlich ins Programm einfließen - immerhin äußern sich immer mehr Politiker und Promis zuerst dort. Aber muss es im ZDF deswegen vor banalen Netzzitaten nur so wimmeln? "Ich bin so aufgeregt...", twitterte etwa CSU-Politikerin Dorothee Bär ins Laufband der Papst-Berichterstattung. Aha, wie aufregend. Und überhaupt: Eigens entsandte Online-Journalisten setzten aus dem Vatikan Geschichten mit Titeln wie "Menschen, die auf Schornsteine starren" ab - Realsatire. Was fehlt: Souveränität im Digitalen. Berichten, was ist. Nicht, was nicht ist.

5. Herausforderungen suchen!

Kontinuität bei den Programmgefäßen, aber Entwicklung in der Machart: Aus der klassischen Dokumentation wurde mit der wöchentlichen Reihe "Zoom" die Presenter-Reportage - der Journalist agiert im Bild statt unsichtbar im Hintergrund. In der Reihe "Außendienst" des Klassikers "Auslandsjournal" mischen Reporter wiederum in den Milieus in aller Welt mit, statt den bequemen Beobachter zu geben. Beide Formate feiern Erfolge. Das ZDF zeigt damit bereits, wie sich das Medium Fernsehen intelligent weiterentwickeln kann, um auch in Zukunft zu bestehen. Und darum geht es ja. Hier haben die Mainzer also den richtigen Kurs eingeschlagen. Ausnahmsweise gilt: Weiter so.

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insgesamt 81 Beiträge
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1. Fällig
SirLurchi 20.03.2013
Dieser Beitrag war fällig - überfällig! Bleibt zu hoffen, dass die verantwortlichen Schnarchsäcke ihn auch lesen. Ein Zwangszahler
2.
DocEmmetBrown 20.03.2013
Die ÖR Sender sollten weniger den Privaten nacheifern und zwecks Marktanteil ihr Programm immer seichter werden lassen. In dem Sinne darf gerne abgespeckt und entschlackt werden. Manch teure Produktion oder teure Stars als Show-/Talkmaster sind nicht nötig. Oder Riesen-Budgets für Übertragungsrechte von Olympia, Wintersport, Fussball, ... Wenn dadurch weiter Marktanteile flöten gehen ist es halt so. Wenn dadurch nur endlich wieder mehr Qualität ins Programm kommt. Und die GEZ Abgabe könnte ggfs. reduziert werden. Aber wahrscheinlich bin ich nur altmodisch.
3. 50 Jahre
kf_mailer 20.03.2013
und es wird Zeit damit aufzuhören, den Bürger für diesen Moloch bezahlen zu lassen um einer kleinen Gruppe ihr zu hohes Salär zu finanzieren. Wasser will man privatisieren, aber nicht den ÖRR? Dieser von den Parteien kontrollierte Rundfunk ist einfach nicht mehr zeitgemäß.
4.
helmud 20.03.2013
Zitat von sysopZDFWollen wir noch mehr Lanz? Oder teuren Fußball? Das ZDF feiert 50. Geburtstag, hat aber keinen Plan für die nächsten 50 Jahre. Wir schon. Zum Jubiläum gibt's fünf Fitness-Tipps. http://www.spiegel.de/kultur/tv/50-jahre-zdf-was-der-sender-fuer-die-zukunft-aendern-muss-a-889502.html
Mittlerweile ist der Sender zu einem Sportsender verkommen. Es ist unzumutbar mit den Pflichtgebühren z.B. die Millionäre der Fußballvereine weiter bis zum abwinken zu füttern. Es fehlt nur noch, dass zukünftig Spiele aus den Kreisliegen gesendet werden. Das gilt auch für die Winterdauersportsendungen wie z.B. Biatlon. Der schöne Sport wird so oft gesendet, dass er langweilig wird. Es wird sehr viel Geld für diese Sportsendungen ausgegeben und zu wenig für wirkliche Unterhaltung und Bildung. Eine meist gute Talksendung, wie von Lanz, aber sollte beibehalten werden. Ich habe oft den Eindruck, das Prinzip des Senders heißt Brot und Spiele, um das Volk nur nicht zu gebildet werden zu lassen. Das Ergebnis sieht man z.B. an den Wahlbeteiligungen und teilweise den Wahlergebnissen.
5. Die ZDF-Männlein, sind unersteblich!
spejismo 20.03.2013
Zitat von sysopZDFWollen wir noch mehr Lanz? Oder teuren Fußball? Das ZDF feiert 50. Geburtstag, hat aber keinen Plan für die nächsten 50 Jahre. Wir schon. Zum Jubiläum gibt's fünf Fitness-Tipps. http://www.spiegel.de/kultur/tv/50-jahre-zdf-was-der-sender-fuer-die-zukunft-aendern-muss-a-889502.html
Claus Kleber -samt Gundula Gause-, Marietta Slomka und Frau Illner MÜSSEN unbedingt bleiben. Aber die ZDF-Männlein sind und bleiben die TOP-Stars des Senders. Bitte, mehr davon !
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