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18. Februar 2013, 12:57 Uhr

Yoko Ono zum 80.

Großmutter Pop macht Party in Berlin

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Auch mit 80 viel zu wild fürs Museum: Yoko Ono gab zu ihrem Geburtstag ein grandioses Konzert, bei dem sie sich noch mal als große Tabubrecherin des Pop in Szene setzte. Michael Stipe, Peaches und die Geschwister Wainwright schauten auch vorbei und staunten.

Man muss Yoko Ono nicht mögen, um anzuerkennen: Die Frau hat noch immer einen untrüglichen Riecher fürs Spektakel. Zum Gala-Konzert ihr zu Ehren in der Berliner Volksbühne ließ sie zur Eröffnung drei sehr junge, sehr glitzernd gekleidete Berliner Musikerinnen eine Hymne auf sie selbst anstimmen: "Hey Yoko!" krakeelten die Frauen zu verführerisch stumpfen Elektro-Beats und gereckten Fäusten. Ein Stück reichte, das Statement war gemacht. Großer Pop.

Jiga, Eva, Masumi, wie die selbst gut informierten Hauptstadt-Hipstern unbekannten Musikerinnen heißen sollen, haben ihre Lektion gelernt bei Ono. Sie könnten die Kinder der großen alten Kunsterneuerin sein. Ach was, ihre Enkel. Ach was, ihre Urenkel. Ono war am Sonntag nach Berlin gekommen, um ihren, kaum zu glauben, 80. Geburtstag zu feiern. Dabei war ihr Ehrentag eigentlich Montag. War sie mal wieder zu früh, wie eigentlich immer in ihrer Karriere.

Yoko Ono hat Pop wie keine andere zuvor zur Aktionskunst erhoben. Und natürlich auch anders herum: Aktionskunst zu Pop. Da passt es ins Bild, dass sie vor ihrem exklusiven Berliner Auftritt erst mal in einem Film-Zusammenschnitt die Greatest Hits ihres Fluxus-Werks zeigt: die Fliegen auf nacktem Frauenkörper ("Fly"), die vom eigenen Körper geschnittenen Blusenfetzen ("Cut Piece") sowie natürlich die etlichen Bed-ins mit ihrem 1980 ermordeten Ehemann John Lennon. Und mittendrin in dieser Mischung aus Familienalbum und kunsthistorischer Rückschau turnt der kleine Sean, der Sohn von Ono und Lennon, in pittoresk verwackelten Super-8-Schnipseln herum.

Als der Film zu Ende war, stand Sean dann reif und souverän neben seiner Mutter auf der Bühne. Langmähnig und zerzauselt wie der Vater zu wildesten Bed-in-Zeiten, aber auch wach und wendig in seiner Rolle als Ensembleleiter. Ihm kam die schwierige Aufgabe zu, durch die fünf Jahrzehnte von Onos irrlichterndem musikalischen Schaffen zu führen. Seine Mutter spielte ja schon Noise-Rock, als es das Wort noch gar nicht gab. Sie spielte schon Elektropop, als Beatles-Fans Synthesizer noch für ein Werkzeug des Teufels hielten.

Yokos Reise ans Licht

Nun dirigierte Sean Lennon die extrem eingespielte, extrem junge Band durch alle Etappen. Mama schrie, wimmerte und gurrte derweil wie eine 20-Jährige, die eben gerade erst die Urschreitherapie für sich entdeckt hat. Dem Publikum sagte sie, es sei, als ob sie durch einen Tunnel krieche, das Publikum müsse ihr folgen. Am Ende käme immer das Licht.

Aber Ono musste ihre Reise ans Licht sowieso nicht alleine antreten. Sie hatte sich eine Reihe illustrer Musiker eingeladen, die ihr dabei Gesellschaft leisteten. Irgendwann etwa wurde die kanadische Elektro-Diva Peaches auf die Bühne geholt, die gemeinsam mit der Jubilarin "Yes, I'm a Witch" anstimmte, ein satanisches Funk-Stück aus dem Jahr 1974, in dem Ono die ihr damals zugeschriebene Negativrolle als Beatles-Zerstörerin ins Positive wendete - fast 20 Jahre, bevor Frauen im HipHop Ähnliches taten, fast 40 Jahre vor dem Provokations-Pop von Pussy Riot.

Als sie im Duett rappten, hielt Ono die ganze Zeit die Hand von Peaches, als ob sie der Jüngeren etwas von ihrer Energie weiterleiten wollte. Tatsächlich hat Ono inzwischen die Rolle einer Mutter, die dem Nachwuchs ihr schillerndes Reich öffnet. Pop als Matriarchat.

Am Abend zuvor konnte man auf einer kleinen Bühne während eines kurzfristig organisierten Konzertes die Geschwister Martha und Rufus Wainwright sehen, die gemeinsam den Tod ihrer Mutter, der Folksängerin Kate McGarrigle, besangen und ihren noch lebenden Vater, den für seinen Sarkasmus berühmten Songwriter Loudon Wainwright III, beschimpften. Zwei traurige, talentierte, quasi verwaiste Kinder - die am Sonntag dann in Mutter Onos kleinem Orchester glücklich aufgingen. Bruder und Schwester Wainwright sangen Hand in Hand das Geburtstagsständchen.

Später kam dann noch ein hübsch verwitterter Michael Stipe auf die Bühne, auch er nach der Auflösung seiner Superstarband R.E.M. ein Heimatloser mit Quartals-Wohnung in Berlin. Stipe hatte an diesem Abend allerdings nur die überschaubare Aufgabe, beim großen Gala-Abschluss die Textblätter zu halten für die von Sean Lennon aktualisierte Version des Prostestsongklassikers "Give Peace a Chance", bei der Rufus Wainwright gegen den Papst rappte, Peaches über Lebensmittelskandale und Sean Lennon selbst gegen Genmanipulation.

Großmutter Pop lächelte selig. Gratulation, Mrs. Ono, haben Sie gut gemacht mit Ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln.

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