Gewagtes Fernsehprojekt Adolf Hitler geht in Serie

Wer war der Mensch Hitler? Woher kam seine Grausamkeit, wie wirkte er als Person? Der deutsche Produzent Nico Hofmann will aus dem Leben des Diktators eine Fernsehserie machen. Die TV-Saga beginnt 1914, endet mit dem Tod des Massenmörders - und soll auch ins Ausland exportiert werden.

DEFD

Berlin - War Adolf Hitler ein Feigling an der Westfront im Ersten Weltkrieg? Warum hasste er die Juden? Und seit wann? All diese Fragen - und noch mehr - könnte bald eine deutsche Fernsehserie beantworten helfen. In einem aufwendigen Achtteiler will der TV-Produzent Nico Hofmann anhand von "Schlüsselmomenten" und "Wendepunkten" nachzeichnen, wie Adolf Hitler zu einem der größten Massenmörder des 20. Jahrhunderts werden konnte.

Das klingt - inhaltlich und finanziell- nach einem sehr ambitionierten Projekt. Ein internationales Historiker-Team etwa soll die Serie begleiten. Zudem sind mindestens 15,3 Millionen Euro Budget eingeplant und zwei Jahre Zeit für die Produktion. Hofmann, Chef von teamWorx, und sein Produzentenkollege Jan Mojto verkündeten ihre Pläne am Montag in Cannes auf der Mipcom, der größten Fernsehmesse der Welt. Mit der Serie wollen die beiden neuen Verfilmungen in den USA und Großbritannien zuvorkommen.

Es wäre allerdings nicht das erste Mal, dass Hitler zur Hauptfigur eines TV-Dramas wird: Sein Leben bis kurz nach der Machtübernahme im Jahr 1934 wurde bereits vor neun Jahren als zweiteilige Miniserie verfilmt. In "Hitler: The Rise of Evil" spielte der Brite Robert Carlyle den Diktator. Das Dokumentarspiel entpuppte sich dann aber eher als platte Seifenoper.

Ob man Hitlers Leben überhaupt in einem Fiktiv-Format für das Fernsehen erzählen kann? Oder sollte? "Wir denken - nach Joachim Fests Hitler-Biografie und dem 'Untergang' - ja", sagte Produzent Hofmann. Und er wies zudem auf seine eigenen Erfahrungen hin: "Wir haben schon bei 'Rommel' bemerkt, dass man solche Stoffe emotionalisieren kann ohne die entsprechenden Protagonisten zu Helden zu verklären."

Wer der Hauptdarsteller sein wird, steht offenbar noch nicht fest. Kaum verwunderlich also, dass auch die Dreharbeiten laut Hofmann und Mojto noch nicht begonnen haben. Buch und Regie stehen dagegen schon fest: Niki Stein ("Rommel") wird zusammen mit dem Co-Autor Hark Bohm arbeiten.

Großes internationales Interesse erwartet

Die Serie setzt 1914 ein, endet mit Hitlers Tod 1945 und soll auch das Privatleben beleuchten. Das Projekt fußt unter anderem auf dem Buch "Hitlers erster Krieg" des Historikers Thomas Weber, das Hitlers Zeit als Soldat im Ersten Weltkrieg untersucht und analysiert, wie dieses Erlebnis das Weltbild des späteren Diktators prägte - und vom NS-Regime propagandistisch ausgeschlachtet wurde. Webers These: Hitler, ein einfacher Meldegänger, der hauptsächlich in der Etappe beschäftigt war, fand erst nach dem Krieg zu seiner politischen Weltsicht, sein Militärdienst und seine Fronterfahrung seien nicht Ursprung seiner Ideologie.

"Nur wenn wir Hitlers Selbstfindung, seine persönlichen Talente und Schwächen, seine kalte Grausamkeit und seinen persönlichen Charme, seinen Werdegang und die Entwicklung seiner sozialen Beziehungen ernst nehmen und nicht versuchen, ihm seine Wucht zu nehmen, die er auf viele Deutsche ausgeübt hat, können wir die Wechselwirkung Hitlers und der Deutschen erklären", wird Weber von teamWorx zitiert.

Mojto und Hofmann, die eine langjährige Zusammenarbeit verbindet, gehen von einem großen internationalen Interesse an der Serie aus. Vorangegangene "TV-Events" der beiden wie beispielsweise "Der Tunnel", "Stauffenberg" oder "Dresden" wurden in zahlreiche Länder verkauft. "Die junge Generation in Deutschland geht mit der Vergangenheit souveräner um", erklärte Mojto den internationalen Erfolg deutscher fiktionaler Geschichtsstoffe, "dadurch werden authentische und differenzierte Darstellungen aus Deutschland über die deutsche Vergangenheit möglich, die auch im Ausland akzeptiert werden."

Mit anderen Worten: Eine gute Führer-Produktion lässt sich exportieren. Vielleicht spielt also auch der Reiz des Geldes eine Rolle, wenn Hofmann sich jetzt wieder der NS-Zeit zuwendet. Nach dem ZDF-Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter", der in der Zeit von 1941 bis 1945 spielt, und "Rommel" (ARD) wollte er ursprünglich einen Schlussstrich ziehen. Dem SPIEGEL sagte er Ende 2011: "Diese beiden Arbeiten werden meine letzten großen Fernsehfilme zum Thema 'Drittes Reich' sein."

kha/dpa

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