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Lotto King Karls "Hamburg meine Perle": Ärger wegen NDR-Spottlied

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Lotto King Karl: Sauer auf den NDR

"Wir sind die Stadt, die auf euch kackt": Eine für die NDR-Sendung "Extra 3" umgedichtete Version des HSV-Stadionliedes empört die Politiker der Hansestadt - und auch der Originalsänger Lotto King Karl findet den Song über den Umgang mit den Lampedusa-Flüchtlingen "geschmacklos".

Hamburg - Die NDR-Sendung "Extra 3" ist zwar ausdrücklich als "Satiresendung" angelegt - aber über das Spottlied auf den Umgang mit der Gruppe von rund 300 Lampedusa-Flüchtlingen, das am vergangenen Mittwoch lief, mögen Hamburgs Politiker nicht lachen. Die Persiflage auf die HSV-Hymne "Hamburg, meine Perle" habe "die Grenze des akzeptablen Geschmacks überschritten", sagte Hamburgs CDU-Chef Marcus Weinberg der "Bild"-Zeitung. "'Extra 3' verunglimpft ganz Hamburg und seine Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen", so Weinberg.

Tatsächlich handelt die Spottversion des Hamburg-Songs nicht von den hilfsbereiten Hamburgern, die die zum Teil in einer Kirche im Stadtteil St. Pauli lebenden afrikanischen Flüchtlinge mit Spenden, Obdach und Demonstrationen unterstützen. Im Fokus ist vielmehr die Position des Senats in der "SPD-regierten Stadt", die in deftigen Worten karikiert wird: "Wenn du über Lampedusa kommst, / schicken wir dich gleich nach Hause. / Wenn du aus Ghana kommst, / sagen wir den Bullen Bescheid.", heißt es dort in breitem Norddeutsch.

Dazu laufen Bilder eines giggelnden Bürgermeisters Olaf Scholz, gegengeschnitten mit Aufnahmen der Flüchtlinge in ihren Notunterkünften.

"Keinem Gebührenzahler zu erklären"

Zwischendurch zeigt der Beitrag einen Ausschnitt aus einer Rede von Innensenator Michael Neumann (SPD): "Und damit ist klar, dass die Zukunft dieser Männer eben nicht in Hamburg liegt." Im Refrain heißt es: "Hamburg, meine Perle, du superreiche Stadt. / Gönn euch kein Zuhaus', gönn euch kein Leben. / Wir sind die Stadt, die auf euch kackt."

Der CDU-Medienexperte und Bürgerschaftsabgeordnete Andreas Wankum findet laut "Bild"-Zeitung, das sei "keinem Gebührenzahler zu erklären". SPD-Senatssprecher Christoph Holstein reagierte sarkastisch: "Gebührenfinanzierten Humor MUSS man als ehrlicher Gebührenzahler lustig finden. Sonst wäre das Geld ja rausgeschmissen", schrieb er auf Facebook.

Der Hamburger Sänger Lotto King Karl, der das Original von "Hamburg, meine Perle" vor jedem Heimspiel des HSV live im Stadion singt, droht den "Extra 3"-Machern gar mit rechtlichen Schritten - er habe seinen Anwalt eingeschaltet, erklärte er gegenüber der "Bild"-Zeitung. "Mich ärgert, dass ich in eine politische Schublade gesteckt werde", so Lotto King Karl. "Das ist geschmacklos. Wir haben diesen Song für die Stadt gemacht, nicht gegen die Stadt." Außerdem hätte der NDR bei ihm und den Co-Autoren nicht um Erlaubnis für die Verwendung des Songs gefragt.

Seit Mitte Oktober entlädt sich die Debatte über das Schicksal der afrikanischen Flüchtlinge, die aus Syrien über Lampedusa nach Hamburg gekommen sind, in fast täglichen Protesten - unter anderem hatten Aktivistinnen der Gruppe Femen die Politik von Bürgermeister Scholz attackiert. Für den Samstag hat ein Bündnis zu einer Großdemonstration in der Hamburger Innenstadt aufgerufen.

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