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Eklat auf N24: AfD-Chef Lucke bricht Friedman-Talk ab

Das Streitgespräch zum Thema Europa und offene Grenzen dauerte gerade mal elf Minuten - dann verließ AfD-Chef Bernd Lucke empört das TV-Studio. Moderator Michel Friedman hatte ihn immer wieder gefragt, ob Positionen einer Parteigenossin rassistisch seien.

AfD-Sprecher Bernd Lucke: Vorzeitiger Gesprächsabbruch auf N24 Zur Großansicht
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AfD-Sprecher Bernd Lucke: Vorzeitiger Gesprächsabbruch auf N24

Hamburg/Berlin - Die Talksendung mit Michel Friedman wird erst am kommenden Donnerstag ausgestrahlt, doch der Eklat ist schon an die Öffentlichkeit gedrungen: In einer Pressemeldung der Alternative für Deutschland (AfD) beklagt die rechtspopulistisch-europakritische Partei am Donnerstag, das Vorstandsmitglied Bernd Lucke habe die Talkrunde "vorzeitig" verlassen, "da Friedman den AfD-Sprecher immer wieder unterbrach".

Der Ökonomie-Professor und AfD-Chef habe erwartet, "in angemessener Weise zu Wort kommen zu dürfen", so Lucke selbst. "Dies war bei Herrn Friedman leider nicht möglich."

Dem Online-Medienmagazin "DWDL.de" zufolge hatte Michel Friedman bereits zu Beginn seiner Talkshow "Studio Friedman" einen angeblichen Satz von Luckes Parteigenossin Beatrix von Storch zitiert: "Multikulti hat die Aufgabe, die Völker zu homogenisieren und damit religiös und kulturell auszulöschen." Ob dieses Zitat der AfD-Spitzenkandidatin der bevorstehenden Europawahl nicht rassistisch sei, wollte Friedman von Lucke wissen. Dieser wich der Frage laut Aussage der "Studio Friedman"-Redaktion mehrfach aus, worauf der Moderator immer wieder nachhakte: "Wenn das nicht Rassismus ist, was ist dann Rassismus?"

"Das ist einseitige Meinungsmache"

Der vorzeitige Gesprächsabbruch kam dann nach elf Minuten: Bernd Lucke verließ das TV-Studio und ließ Friedman mit seinem anderen Gesprächspartner, dem Grünen-Bundestagsabgeordneten Manuel Sarrazin, allein. "Jeder Gast einer Gesprächsrunde hat ungeachtet seiner politischen Meinung ein Minimum an Respekt und seriösem Journalismus verdient", ließ Lucke später auf der Website seiner Partei verlauten. "Das ist keine Gesprächsrunde mehr, sondern einseitige Meinungsmache des Moderators."

"Herr Lucke war bereits Gast in unserer Sendung", kommentierte N24-Redakteurin Kristina Faßler den Eklat. "Insofern wusste er, dass bei uns intensiv nachgefragt werden würde." Die Sendung soll am kommenden Donnerstag wie geplant - und weitgehend ohne Beteiligung Luckes - ausgestrahlt werden.

Die AfD-Europakandidatin Beatrix von Storch hat inzwischen öffentlich bestritten, dass das Zitat von ihr stammt - sich allerdings nicht von ihm distanziert. Tatsächlich kommt es aus einem Artikel des Kieler Autors Roland Woldag, der zuerst in der auf der neurechten Website "Eigentümlich frei" publiziert wurde - und der auf der von Beatrix von Storch mitbetriebenen Website "Freie Welt" wiederveröffentlicht worden ist.

twi

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