Neuorientierung Amazon schießt drei Serien gleichzeitig ab

"I Love Dick", "One Mississippi", "Jean-Claude Van Johnson": Diese Serien haben keine Zukunft bei Amazon. Alle drei werden gecancelt. Die Film- und Fernsehsparte des Konzerns will sich neu ausrichten.

Amazon-Serie "I Love Dick"
Amazon

Amazon-Serie "I Love Dick"


Alle drei Amazon-Serien wurden gelobt, trotzdem stellt der Konzern sie ein: "I Love Dick", "One Mississippi" und "Jean-Claude Van Johnson" werden nicht weiterproduziert. Das gut informierte Medienportal Deadline.com zitiert einen "Amazon-Insider" mit den Worten: "Dieser Schritt soll den Weg freimachen für größere Serien, die ein breiteres Publikum anziehen".

"I Love Dick" ist der Nachfolger der "Transparent"-Macherin Jill Soloway, sie wird nach einer Staffel beendet. Das Gleiche gilt für "Jean-Claude Van Johnson", eine Comedy-Action-Satire mit dem alternden Action-Star Jean-Claude Van Damme, die erst vor einem Monat Premiere gefeiert hatte. Die Comedy-Serie "One Mississippi" wurde in den USA von der Kritik regelrecht gefeiert, das Ende kommt dennoch nach Staffel zwei.

Im Dezember hatte sich Amazon entschieden, keine der drei Comedy-Pilotfolgen der Herbstsaison 2017 weiterzuentwickeln. Die Studios setzen bisher auf Zuschauerbeteiligung, indem sie das Publikum über Pilotfolgen zu geplanten neuen Serien abstimmen lassen. Zu den nun abgelehnten gehört unter anderem die Comedy "Sea Oak" mit Glenn Close.

Kommerzieller und erfolgreicher

Dahinter steckt wohl tatsächlich der Versuch, die Amazon Studios kommerzieller und erfolgreicher auszurichten. Die Branchenzeitschrift "Variety" hatte schon vergangenen September berichtet, Amazon-Boss Jeff Bezos sei unzufrieden mit der Ausrichtung der Film- und Seriensparte seines Konzerns; er verlange mehr Shows, die in der ganzen Welt beachtet würden, so wie "Game of Thrones".

"The Marvelous Mrs. Maisel" brachte Amazon zwei Golden Globes ein
Amazon

"The Marvelous Mrs. Maisel" brachte Amazon zwei Golden Globes ein

Der kommerziell ganz große Wurf im Seriengeschäft gelang den Amazon Studios bisher noch nicht, der Streaming-Service war eher eine Adresse für kleine, aber feine Serien wie "Mozart in the Jungle" und der aktuell sehr erfolgreichen"Mrs. Maisel". Auch im Filmbereich punkteten die Amazon Studios mit edlem Indie-Kino wie dem mit dem Oscar ausgezeichneten Drama "Manchester by the Sea".

Das scheint Bezos nicht mehr zu reichen. Sein Konzern hat eine Sonderstellung unter den neuen Streaming-Anbietern wie Netflix, Apple und Hulu: Amazon verkauft alles, Schuhe genauso wie Serien. Erfolgreiche Filme und Serien bringen Amazon neue Kunden des Prime-Services, und das wiederum hilft dem Konzern, auch mehr Schuhe zu verkaufen.

Wohin Amazons Film- und Seriensparte in Zukunft will, zeigen die Pläne zu einer neuen "Herr der Ringe"-Serie. Erzählt werden soll die Vorgeschichte der Mittelerde-Saga, mehrere Staffeln und mögliche Spin-offs sind geplant. Bis zu 250 Millionen Dollar sollen die Rechte gekostet haben, als Produktionskosten planen die Amazon Studios 100 bis 150 Millionen Dollar pro Staffel ein.

Ein nicht eben kleines Problem ist aber, dass die Studios, die gerade auf ein neues Gelände in Los Angeles umgezogen sind, schon seit geraumer Zeit ohne Führung dastehen. Der Chef Roy Price wurde nach Belästigungsvorwürfen gefeuert, zwei weitere Führungskräfte mussten ebenfalls gehen. Albert Cheng führt die Geschäfte nur kommissarisch, ein Nachfolger für Price ist nicht in Sicht.

kae

insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Falcon030 18.01.2018
1. Schade,
ich habe gerade die erste Staffel von "Jean Claude van Johnson" gesehen - reichlich durchgeknallt, aber mit durchaus witzigen Momenten. Da hätte ich mir schon eine Fortsetzung gewünscht.
gryn 18.01.2018
2. One Mississippi
... war in letzter Zeit das herzerwärmendste und zugleich unpathetischste was ich gesehen - oder wie es heute heißt - gebinget habe. Ich bin ehrlich ein wenig traurig.
PolitBarometer 18.01.2018
3.
Für Erwachsene bietet mir Amazon prime Video viel zu wenig Inhalt bzw. Diversifikation. Das kann Netflix einfach um Längen besser. Ausserdem weiss man bei Amzon nie, wann einmal veröffentlichte Staffeln aus reiner Gier zum Kauf oder nur zum kostenlosen Sehen über prime angeboten werden. Oder sogar plötzlich ganz verschwinden. Diese Veröffentlichungspolitik ist mir zu undurchsichtig und definitiv nicht witzig.
Nania 18.01.2018
4. Schade
Schade, denn eigentlich sollte es viel mehr Platz geben für Serien, die nicht "das breite Publikum" ansprechen. Nischensendungen - dafür sind Streamingdienste wie Amazon wie gemacht für, denn dort spielen Programmpläne einfach mal gar keine Rolle.
sven2016 21.01.2018
5.
Jede Sparte für sich muss Gewinne bringen. Amazon macht sogar mit dem Versand Überschüsse. Da bleibt nicht viel Raum für Dinge abseits des Mainstreams, außer zum Antesten. Leute, ihr seid beim Händler, nicht im Theater.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.