Schweizerin im Nikab bei "Anne Will" "Das ist Propaganda"

Anne Will diskutierte mit ihren Gästen über die Gründe, warum vor allem junge Leute zu Islamisten werden. Für Aufregung sorgte eine Frau im Nikab. Die ARD steht in der Kritik.

NDR/ Wolfgang Borrs

In der Talkshow von Anne Will am Sonntagabend ging es im Anschluss an den "Tatort" um das Thema "Warum verfallen junge Leute dem Islamismus?" Zu Gast waren unter anderem ein Kampfsporttrainer, der seine Tochter an den IS verlor, CDU-Mann Wolfgang Bosbach und der Islamexperte Ahmad Mansour. Alle Blicke auf sich zog jedoch zunächst Nora Illi. Die Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrats der Schweiz trat vollverschleiert im Nikab auf.

Illi, die früher Punkerin war und als 18-jährige über den Buddhismus zum Islam kam, sagte in der Sendung: "Mich fasziniert am Islam seine Vielfalt. Im Islam hat die Frau ganz viele Rechte und Möglichkeiten, sich auszuleben." Für sie bedeute das Tragen des Nikab Freiheit und Selbstbestimmung. Sie sprach von der Gemeinschaft, in der man "Schulter an Schulter" betet.

Auf der Webseite ihres Vereins schreibt Illi, jungen Menschen, die hier islamophoben Anfeindungen ausgesetzt seien, könne Syrien als "gelobtes Land" und der Kampf gegen Assad als Ausweg erscheinen. Vor Ort entpuppe sich die Reise zum IS dann jedoch "als bitterharte Langzeitprüfung mit Hochs und Tiefs". Anne Will hakte nach und wollte wissen, ob diese Formulierung nicht arg verharmlosend sei.

Illi drückte sich aber um eine klare Positionierung. Damit brachte sie vor allem Ahmad Mansour gegen sich auf. Er sagte sichtlich erregt: "Das ist Propaganda, so etwas kann man im öffentlichen Fernsehen nicht machen." Man müsse Jugendlichen einen Glauben anbieten, der nicht zur Radikalisierung führe.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schreibt über den Auftritt: "Nora Illi ist die perfekte Propagandistin eines nihilistischen Vernichtungskults, weil sie die Unterdrückung - insbesondere die der Frauen - als Befreiung auszugeben weiß." Anne Will wäre an der Gratwanderung gescheitert, hätte sie nicht auch Mansour in der Sendung gehabt.

Für "Die Welt" verkam die Sendung zur Propaganda für den IS, die "Bild" schreibt von einem "TV-Skandal".

Auch auf Twitter sorgte die Sendung für Aufruhr. Roland Tichy, der Vorsitzende der Ludwig-Erhard-Stiftung, schrieb: "Grausames Morden - wie Ironman? Wie IS-Terror bei der ARD zum Sportereignis wird." Er spielt damit auf die Wortmeldung von Wolfgang Bosbach an, der in der Sendung sagte, Illis Beschreibung des Krieges in Syrien klinge wie "Iron Man".

"Spiegel"-Redakteur Mathieu von Rohr twitterte: "Nora Illi spricht für eine radikale Splittergruppe, die 0,5% der Schweizer Muslime vertritt & dank #annewill ein Millionenpublikum erreicht."

Und "Stern"-Herausgeber Andreas Petzold meint: "@NoraIlli bei #annewill, oder: Die #AfD kommt vor Lachen nicht mehr in den Schlaf..."

kae



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