Vorwürfe wegen Antisemitismus-Doku Arte-Programmchef reagiert mit offenem Brief 

"Kein Formalismus, keine Zensur": Arte-Programmdirektor Alain Le Diberder reagiert in einem offenen Brief auf Forderungen des Zentralrats der Juden, eine vom Sender gesperrte Antisemitismus-Doku zugänglich zu machen.

Arte-Prorammdirektor Alain Le Diberder
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Arte-Prorammdirektor Alain Le Diberder


"Ich darf Ihnen versichern, dass ehrenwerte und gute Gründe zu dieser Entscheidung geführt haben". Mit diesen Worten reagiert Arte-Programmchef in einem offenen Brief auf Vorwürfe von Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden. Dieser hatte Unverständnis darüber geäußert, dass Arte und der WDR eine Dokumentation mit dem Titel "Auserwählt und ausgegrenzt - Der Hass auf Juden in Europa" aus formalen Gründen nicht ausstrahlen wollen.

Er sei betroffen, dass Arte bei einem solch sensiblen Thema der Vorwurf der Zensur gemacht werde, schreibt Le Diberder. "Ich kann für die Motive der Kolleginnen und Kollegen bürgen", so der Programmchef. In der Debatte um die Entscheidung würden die formalen Gründe, die zu der Ablehnungsentscheidung geführt haben, verächtlich gemacht. "Dabei handelt es sich hier nicht um Formalismus, sondern sondern um Verfahrensentscheidungen, die die editoriale Qualität und Verantwortung sicherstellen", so Le Diberder.

Dem Brief beigelegt ist ein längerer Text, der den Hergang der Entscheidung schildert. Zentraler Vorwurf an die Filmemacher und auch die zuständige Redakteurin des WDR ist darin, dass der Film ursprünglich schon im Oktober 2015 geliefert werden sollte, Arte dann aber mehr als anderthalb Jahre nicht mehr über den Fortgang des Projekts informiert worden sei.

Die Ende 2016 schließlich gelieferte Arbeit sei dann in wesentlichen Bestandteilen vom ursprünglich vereinbarten Programmvorschlag abgewichen. Vor allem gehe es nicht, wie ursprünglich vorgesehen, um Antisemitismus in europäischen Ländern, sondern der Film konzentriere sich hauptsächlich auf den Nahen Osten und die israelisch-palästinensischen Beziehungen.

Über die im Film erörterte Frage, welche Rolle europäische Fördergelder im Nahen Osten spielen, habe Arte bereits im Herbst 2015 eine Dokumentation ausgestrahlt. Eine Doublette habe vermieden werden sollen.

kae



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