ARD-Doku: "Der Lidl-Check" schafft Sensations-Quote

Mehr als sechs Millionen Zuschauer für eine Dokumentation? So ein Ereignis könnte öffentlich-rechtliche Programmplaner zum Umdenken anregen. "Der Lidl-Check" bescherte der ARD eine Traumquote - und verwies sogar den RTL-Platzhirsch "Wer wird Millionär?" auf die Ränge.

Szene aus "Der Lidl-Check": Kritische Haltung beschert Top-Quote Zur Großansicht
dpa

Szene aus "Der Lidl-Check": Kritische Haltung beschert Top-Quote

Hamburg - Dokumentationen? Öffentlich-rechtlichen Programmplanern treibt dieser Begriff normalerweise die Schweißperlen auf die Stirn. Da das Genre als Garant für Quotenleichen gilt, versendet man entsprechende Formate gerne spät in der Nacht. Dann, wenn sowieso niemand guckt.

Umso größer dürfte das Erstaunen und die Freude beim Ersten sein, dass man am Montag zur besten Sendezeit ausgerechnet mit einem explizit journalistischen Beitrag Top-Quoten einfuhr: Den Film "Der Lidl-Check", ARD-Auftakt der vom WDR produzierten "Markencheck"-Reihe, wollten sensationelle 6,3 Millionen Zuschauer sehen; das entspricht einem Gesamtmarktanteil von 18,5 Prozent. Beachtlich auch der Anteil 14- bis 49-Jährigen: 2,2 Millionen Menschen (17,0%) aus dieser heiß umworbenen Zielgruppe schalteten ein.

Der Erfolg von "Der Lidl-Check" ist kein Zufallstreffer, denn das Konkurrenzprogramm an diesem Montag war ausgesprochen stark. RTL zeigte ab 20.15 Uhr sein Quiz "Wer wird Millionär?" mit Günther Jauch, eigentlich der Quoten-Platzhirsch am Montagabend - der aber mit sechs Millionen Zuschauern und einem Gesamtmarktanteil von 15,5% hinter sonstigen Ergebnissen zurückblieb. Auch bei den 14- bis 49-Jährigen sah es nicht besser aus: Nur zwei Millionen (15,5%) schauten zu.

Das ZDF schickte am Montag die prominent besetzte und groß beworbene Bestsellerverfilmung "Das Kindermädchen" ins Feld - und brachte es mit ihr auf 6,7 Millionen Zuschauern und einen Gesamtmarktanteil von 19,7 Prozent. Das reichte für den Tagessieg.

Den Erfolg von "Der Lidl-Check" kann das jedoch nicht schmälern. In den nächsten zwei Wochen wird die Reihe mit kritischen 45-Minütern über McDonald's und H&M fortgesetzt, auch die laufen zur Primetime. Zieht man in Betracht, dass diese Marken bei den jungen Zuschauern noch präsenter sind, könnte es sogar noch eine Steigerung der Quote geben.

Werden öffentlich-rechtliche Programmplaner jetzt eventuell umdenken - und auch in der Primetime stärker auf Doku-Formate setzen?

cbu

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insgesamt 95 Beiträge
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1. Merkwürdige Doku ...
MashMashMusic 10.01.2012
... mit offensichtlich gezielt ausgesuchten Preisvergleichsbeispielen. Edeka soll nur 1,70 teurer sein als Lidl bei eines Einkaufswagen mit 30 vergleichbaren Produkten. Irgendwie spare ich nicht sehr viel weniger bei 5 Produkten. Gerade Edeka, der wohl teuerste Supermarkt. Womöglich hatte es auch einen Grund, warum Tengelmann gar nicht berücksichtigt wurde ...
2.
neubremer 10.01.2012
Zitat von MashMashMusic... mit offensichtlich gezielt ausgesuchten Preisvergleichsbeispielen. Edeka soll nur 1,70 teurer sein als Lidl bei eines Einkaufswagen mit 30 vergleichbaren Produkten.
Bitte vergegenwärtige Dir noch einmal den Modus des Preisvergleichs. Ich gebe beim Feierabend-Einkauf auch deutlich mehr Geld beim REWE als beim Aldi aus, aber das liegt besonders an der unterschiedlichen Zusammensetzung der gekauften Artikel.
3. Rückkehr des Sinns
jenom 10.01.2012
Wäre ja toll, wenn man sich anstatt sinnloser Berieselung auch informieren kann und einen Nutzen für das echte Leben ziehen kann. Vielleicht sind die Zeiten zeitverschwendender Massenverdumpfung endlich vorbei. Wäre gut, wenn dann die Proll-Intendanten, die, obwohl von Steuergeldern finanziert, nur auf Verdummung setzen auch gefeuert werden.
4.
iliketoscore 10.01.2012
Zitat von MashMashMusic... mit offensichtlich gezielt ausgesuchten Preisvergleichsbeispielen. Edeka soll nur 1,70 teurer sein als Lidl bei eines Einkaufswagen mit 30 vergleichbaren Produkten. Irgendwie spare ich nicht sehr viel weniger bei 5 Produkten. Gerade Edeka, der wohl teuerste Supermarkt. Womöglich hatte es auch einen Grund, warum Tengelmann gar nicht berücksichtigt wurde ...
Die Nichtberücksichtigung von Tengelmann ist durchaus nachzuvollziehen, da Tengelmann gerade in ländlichen Regionen bei weitem nicht den Verbreitungsgrad hat, wie die ausgewählten Ketten. Dass der Preisunterschied so gering ausfiel lag daran, dass auch in den scheinbar teureren Märkten nur die Eigenmarken gekauft wurden. Da diese gerade bei Edeka oft versteckt in Ecken des Regals versteckt liegen, greift der verbraucher viel öfter zu teureren Produkten, wodurch dann der, mir nicht unbekannte Eindruck entsteht, dass die Preisspanne zwischen Edeka und Lidl wesentlich größer ist.
5. ich glaube
axelkli 10.01.2012
Zitat von MashMashMusic... mit offensichtlich gezielt ausgesuchten Preisvergleichsbeispielen. Edeka soll nur 1,70 teurer sein als Lidl bei eines Einkaufswagen mit 30 vergleichbaren Produkten. Irgendwie spare ich nicht sehr viel weniger bei 5 Produkten. Gerade Edeka, der wohl teuerste Supermarkt. Womöglich hatte es auch einen Grund, warum Tengelmann gar nicht berücksichtigt wurde ...
Tengelmann wurde nicht berücksichtigt, weil es nicht bundesweit vertreten ist. Ich kenne Tengelmann noch aus meiner alten Heimat Ruhrgebiet, hier in Norddeutschland gibt es sie nicht. Ansonsten fand ich die Doku sehr interessant und erhellend.
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