Einreiseverbot in die Türkei ARD-Journalist wieder zurück in Kairo

In die Türkei durfte er nicht einreisen, jetzt ist er zurück in Kairo: Der TV-Fernsehkorrespondent Volker Schwenck hat laut ARD den Tag im Abschieberaum des Istanbuler Flughafens verbracht.

  Auslandskorrespondent Volker Schwenck
SWR

Auslandskorrespondent Volker Schwenck


Entwarnung von der ARD: Ihr Korrespondent Volker Schwenck ist nach Angaben des SWR wieder in Kairo gelandet, nachdem er in der Türkei über Stunden festgehalten worden war. Bei seiner Einreise in die Türkei hatten türkische Behörden den Journalisten festgesetzt - eine Maßnahme, die selbst von der Bundeskanzlerin kommentiert wurde: "Wir verfolgen das und sehen das mit gewisser Sorge", sagte Angela Merkel.

Die Hintergründe sind nach wie vor unklar. Schwenck selbst berichtete auf Twitter von dem Geschehen - und brachte seine Festsetzung hier in Verbindung mit seinem Status als Journalist:

Laut einer Mitteilung des SWR wollte Schwenck aus dem ARD-Büro in Kairo über Istanbul weiter in das türkisch-syrische Grenzgebiet reisen, wo er Gespräche mit syrischen Flüchtlingen plante. Schwenck wurde laut SWR lediglich mitgeteilt, dass es einen Vermerk zu seinem Namen gebe.

Über den Vorgang wurden auch die deutsche Botschaft in der Türkei und das Auswärtige Amt informiert - dieses teilte später mit, den Betroffenen vor Ort am Istanbuler Flughafen Atatürk zu betreuen. Zudem stehe es mit den zuständigen türkischen Stellen in Kontakt:

In den vergangenen Monaten ist mehreren Journalisten die Einreise in die Türkei verweigert worden. Andere wurden unter anderem wegen illegalen Grenzübertritts von Syrien ausgewiesen.

Schwenck berichtete in der Vergangenheit häufiger aus den Rebellengebieten in Nordsyrien, in die Journalisten in der Regel über die Türkei eingereist sind. Die Türkei hat solche Reisen lange geduldet oder sogar erlaubt, wertet sie inzwischen aber als illegale Grenzübertritte.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) nannte das Einreiseverbot eine "Schikane". Der DJV teilte mit, nun räche sich "das Entgegenkommen von Bundeskanzlerin Merkel im Fall Böhmermann gegenüber dem türkischen Präsidenten Erdogan". Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem Einreiseverbot für Schwenck und dem Fall Böhmermann gibt es nicht. Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) kritisierte "ein frag- und kritikwürdiges Verständnis von Presse- und Informationsfreiheit" in der Türkei.

otr

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