ARD-Krisenmoderator Yogeshwar Gemächlich, praktisch, gut

Ein Nerd als Lotse im Nachrichtenstrom: Grandios unaufgeregt erklärt Moderator Ranga Yogeshwar komplexe Vorgänge so, dass sie jeder verstehen kann. Das Ein-Mann-Kompetenzzentrum ist ein Grund dafür, dass die ARD am besten von allen großen TV-Sendern über die Lage in Japan berichtet.

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ARD

"Anne Will", "Brennpunkt", Sondersendungen aller Art: Die letzten Tage war Ranga Yogeshwar quasi im Dauereinsatz. Beinahe unmöglich erschien es, eine Sendung der ARD einzuschalten, in der er nicht gerade mit einfachsten Mitteln wie Kugelschreibern und Wassergläsern Aspekte zur Katastrophe in Japan anschaulich erläuterte. Wo seine Kollegen oft wie Getriebene der Nachrichtenlage wirkten, da trat er mit einer beherzten Sachlichkeit an. Ganz der korrekte Cordjackettträger, der erstmal nach Erklärungen und Vermittlungswegen sucht, wo andere sich in aufgeregten Forderungen oder Spekulationen überschlagen.

Am Dienstagabend etwa riet Yogeshwar in einem "Brennpunkt" angesichts des aktuellen Wissensstands, Tokio nicht fluchtartig zu verlassen, sondern erstmal die Entwicklungen abzuwarten. Eventuell sei es ratsam, später die Krisenregion in Richtung südliches Japan oder in Richtung Ausland zu verlassen. Am Tag zuvor hatte er nicht minder unaufgeregt in einer ARD-Sondersendung Zuschauerfragen beantwortet: "Atom-GAU in Japan" stand hinter ihm in angsteinflößenden Lettern an der Studiowand, Yogeshwar aber verbreitete beredte Sachlichkeit. In Bezug auf einen der Reaktoren von Fukushima sprach er von "Dampfkochtopf", bei dem man nun eben versuchen müsse, Druck abzulassen.

Wer die Sendung mit wohliger Panik eingeschaltet hatte, erhielt hier sauber aufbereitete Infos. In der didaktischen Improvisation versteht sich Yogeshwar wie kein zweiter. Ob man sich nicht um die zukünftige radioaktive Belastung in der Nahrung sorgen müsse? Nein, so der Fernsehpädagoge, sorgen solle man sich eher um die Altlasten durch Tschernobyl - gerade bei Wildschweinen aus dem Bayerischen Wald. Ob man denn in Zukunft noch Fischstäbchen aus Fernost verspeisen könne? Na, eher sei anzuraten, auf Fischstäbchen zu verzichten, um die schrumpfenden Fischbestände zu schützen.

So, wie das der freundliche Fernsehmann sagte, klang das nie nach radikaler These. Sondern nach einfacher Wahrheit. Schließlich belegte er bei Bedarf jede Behauptung mit konkreten Zahlen.

Das ist ja der sonderbare Nebeneffekt des Technik-GAU in Japan: Der Nerd Yogeshwar, er ist zum Lotsen im reißenden Nachrichtenstrom geworden. Die ARD hat sich im Chaos der letzten Tage einen Spitzenplatz in der Aufklärungsarbeit erworben - und das liegt eben auch an ihm, der immer für alle nachvollziehbar erklärt, ohne sich dabei verpflichtet zu fühlen, Ängste oder Hoffnungen zu schüren. Wie kann man eigentlich so distanziert und zugleich so populär sein?

Von der Elementarteilchenphysik zur Fernsehprimetime

Man nehme nur Yogeshwars Auftritt am Sonntag bei Anne Will: Während die Talkmoderatorin halb bedrückt und halb verzückt auf das bereits durch die Medien gegangene Bild einer kleinen Japanerin starrte, die sich mit erhobenen Händen von einem Beamten in Strahlenschutzkleidung abscannen ließ, nutzte Kollege Yogeshwar die Gelegenheit, vor der Fernsehnation ein paar Dinge klarzustellen: Bislang seien nach seiner Erkenntnis kaum schwere Kontaminierungen bei Menschen festgestellt worden.

Zuvor hatte der Wissenschaftsmoderator sogar noch die Chuzpe besessen, in der geballten Alarmiertheit der versammelten Will-Runde darauf hinzuweisen, zwischen all den nicht abreißenden Katastrophenmeldungen nicht den Maßstab zu verlieren. Angesichts der Schwere des Erdbebens in Japan seien die sich andeutenden Opferzahlen doch erstaunlich gering - man vergleiche sie nur mal mit den 200.000 Toten auf Haiti.

Im Angesicht der Atomkatastrophe, die indirekt auch Deutschland streifen könnte, auf die fast schon wieder vergessenen, unermesslichen Leiden eines Dritte-Welt-Lands zu kommen - das ist in der Aufmerksamkeitsökonomie des deutschen Fernsehens fast schon eine Dreistigkeit. Ranga Yogeshwar kann sie sich leisten. Man hört ihm zu; er darf Dinge sagen, die sonst keiner sagen darf, wenn er noch mal irgendwohin eingeladen werden will.

Besonnen, skeptisch und unnachgiebig hat sich der 51-Jährige mit der Anmutung eines 15-Jährigen über die letzten Jahre zum Medienkoloss hochgearbeitet. Dabei macht er nichts anderes, als ein paar Fakten in die richtige Anordnung zu bringen. Sonderbar: Während das ARD-Unterhaltungssegment am Ausbluten ist, wird ausgerechnet ein diplomierter Wissenschaftler der Fachrichtung Experimentale Elementarteilchenphysik zum Hoffnungsträger des Senderverbunds. Im WDR moderiert Yogeshwar das Wissenschaftsmagazin "Quarks & Co.", im Ersten Primetime-Ereignisse wie "Die große Show der Naturwunder", bei der er schon mal locker an der Fünf-Millionen-Zuschauer-Marke kratzt.

Und dann erklärt Yogeshwar noch regelmäßig auf dem populären Info-Spot "Wissen vor acht" kurz vor der "Tagesschau" innerhalb von zwei Minuten recht komplexe Vorgänge, und zwar so, dass man auch als Sechser-Kandidat in Physik direkt in den Hobbykeller runterstürmen möchte, um zum Beispiel ein Transistorradio zu basteln. Mit "Radioquarks" läuft ein ähnliches Format im Hörfunk von WDR und NDR, und obwohl man dort Yogeshwars erkenntnisfördernde Handbewegungen, seine Simulationen komplizierter Sachverhalte mit Töpfen und Pfannen, nicht sehen kann, glaubt der normale Naturkunde-Ignorant nichtsdestotrotz vor dem Radio die Angelegenheiten zu überblicken.

Ranga Yogeshwar liefert eine Art Singsang der Vernunft. Also das Gegenteil zum Gebrüll um - oft auch parteipolitische - Meinungshoheit, das man sonst auf jenen Programmplätzen findet, wo der sanfte Cordträger erstaunlich hartnäckig Aufmerksamkeit einfordert.



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movfaltin 16.03.2011
1. Lotse?
Zitat von sysopEin Nerd als Lotse im Nachrichtenstrom: Grandios unaufgeregt erklärt Moderator Ranga Yogeshwar komplexe Vorgänge so, dass sie jeder verstehen kann. Das Ein-Mann-Kompetenzzentrum*ist ein Grund*dafür, dass die ARD am besten von allen großen TV-Sendern über die Lage in Japan berichtet. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,750972,00.html
Also, das mit der Kompetenz sollten Sie bei RY ganz schnell wieder streichen. Bei dem ganzen Unsinn, den er erwiesenermaßen schon im Brustton der Überzeugung über den Äther gesendet hat, ist er wohl eher ein Blender des Guttenberg-Kalibers, wenngleich wohlstrukturiert. Verlassen Sie sich bloß nicht auf seine "Informiertheit" (vielleicht gibt es Fachgebiete, in denen er Ahnung hat, mir ist noch keines zu Ohren/Augen gekommen).
arkor 16.03.2011
2. der symphatische Ranga
Zitat von sysopEin Nerd als Lotse im Nachrichtenstrom: Grandios unaufgeregt erklärt Moderator Ranga Yogeshwar komplexe Vorgänge so, dass sie jeder verstehen kann. Das Ein-Mann-Kompetenzzentrum*ist ein Grund*dafür, dass die ARD am besten von allen großen TV-Sendern über die Lage in Japan berichtet. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,750972,00.html
Wie von den meisten Themen zeigt sich der symphatische Ranga doch weitgehend materiefremd. Ein symphatischer politsch korrekter Allerweltsnachplapperer ohne jeden journalistischen oder informativen Wert. Wer garantiert eine offiziell korrekte Meinung hören will, der hört sich Ranga gerne an....und die anderen, die wissen dann, was sie offizell verordnet zu glauben haben....
si_tacuisses 16.03.2011
3. ein lahmer Schwätzer der es sich mit keinem verderben will.
Zitat von sysopEin Nerd als Lotse im Nachrichtenstrom: Grandios unaufgeregt erklärt Moderator Ranga Yogeshwar komplexe Vorgänge so, dass sie jeder verstehen kann. Das Ein-Mann-Kompetenzzentrum*ist ein Grund*dafür, dass die ARD am besten von allen großen TV-Sendern über die Lage in Japan berichtet. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,750972,00.html
Die ÖR halten brav de Deckel auf dem Topf. Schauen Sie isch Russia today ( englischsprachig ) an. Das ist Berichterstattung und nicht die 40. Wiederholung von Tsumani-Bildern.
Dunedin, 16.03.2011
4. Yogeshwar Top
Zitat von sysopEin Nerd als Lotse im Nachrichtenstrom: Grandios unaufgeregt erklärt Moderator Ranga Yogeshwar komplexe Vorgänge so, dass sie jeder verstehen kann. Das Ein-Mann-Kompetenzzentrum*ist ein Grund*dafür, dass die ARD am besten von allen großen TV-Sendern über die Lage in Japan berichtet. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,750972,00.html
Kann ich nur unterstreichen. Ich empfinde Yogeshwar´s Berichterstattung bzw. Erläuterungen für den Laien als sehr vertständlich. Das krasse Gegenteil zu Yogeshwar ist z.B. die BILD Zeitung, die seit 1 Woche mit Untergangsscenarien ihre Ttelseiten füllt. Ginge es nach BILD , steht auch für Europa die Apokalypse sogut wie vor vor der Haustüre Soetwas müsste verboten werden
Hubert Rudnick, 16.03.2011
5. Ein wirklich guter Fachmann
Zitat von sysopEin Nerd als Lotse im Nachrichtenstrom: Grandios unaufgeregt erklärt Moderator Ranga Yogeshwar komplexe Vorgänge so, dass sie jeder verstehen kann. Das Ein-Mann-Kompetenzzentrum*ist ein Grund*dafür, dass die ARD am besten von allen großen TV-Sendern über die Lage in Japan berichtet. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,750972,00.html
Ich habe mir gestern beim WDR seine Sendung angesehen und muss vor dem Fachwissen und wie er es herübergebracht hat meinen Hut ziehen. Es war nicht nur sehr aufschlußreich, sondern aucdh sehr gut gemacht.
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