Thomas Gottschalks Moderatorenkollege Günther Jauch hatte sie einst "Gremlins" genannt: kleine Monster, die in den öffentlich-rechtlichen Gremien der ARD durch Intrigen und hässliches Gerede alles Innovative kaputtmachen. Jetzt droht die Rückkehr der Gremlins, und diesmal richtet sich ihr Zorn gegen Gottschalk.
Denn in der ARD schwindet die Hoffnung, dass der Moderator mit seiner neuen Vorabendsendung "Gottschalk Live" noch Erfolg hat. Zwar wird die Show nach außen verteidigt, intern üben sich die ARD-Bosse jedoch in galligem Humor. Gottschalk entwickle sich zum "Dead Man Talking", lästert ein Hierarch, der nicht genannt werden will.
Auf der jüngsten Intendantentagung sei das Thema zwar nicht explizit erörtert worden, am Rande hätten aber mehrere Senderchefs geäußert, dass die Show nicht mehr zu retten sei. Ein eleganter Ausstieg wäre für die ARD bereits im Laufe des Aprils möglich: Nach SPIEGEL-Informationen hat der Senderverbund ein Ausstiegsrecht, sollten Gottschalks Sendungen bis dahin nicht durchschnittlich 10 Prozent Marktanteil erreicht haben.
Dieses Versprechen wird Gottschalk schwerlich einhalten können. Derzeit liegt der durchschnittliche Marktanteil bei 5,8 Prozent. Am vergangenen Donnerstag schalteten gar nur 4,1 Prozent ein.
Noch in der zu Ende gehenden Woche hatte Gottschalk versucht, sich von den niedrigen Zuschauerzahlen unbeeindruckt zu zeigen. Er habe nicht den Eindruck, "dass ich ein Titanenwerk verspiele", sagte der 61-Jährige in der ARD-Sendung "Hart aber fair". "Im Gegenteil: Es ist für mich noch einmal die Herausforderung gewesen, etwas Kleines zu versuchen".
Er habe es vom Radiostudio auf die große "Wetten, dass..?"-Bühne geschafft und habe sich jetzt bewusst verkleinert. Er glaube, er habe "einen gewissen Kredit verdient". Wenn er aber merken sollte, dass er kein Publikum mehr finde, "dann ist das erledigt", sagte Gottschalk. "Unser Job erledigt sich dann, wenn uns keiner mehr will."
Als neuer Redaktionsleiter soll der legendäre Medien-Allrounder Markus Peichl ("Tempo") die schwächelnde Sendung nun auf Erfolgskurs bringen. Bevor er den Job antrat, sagte er dem SPIEGEL: "Thomas ist wie ein Auto, das locker 300 PS schafft, im Moment aber nur 40 auf die Straße bringt. Jetzt muss die Redaktion an den richtigen Schrauben drehen." Das Konzept der Sendung solle klarer werden.
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