ARD-Tochterfirma: Degeto lässt weniger Filme produzieren

Schwere Zeiten für deutsche Fernsehfilmer: Weil noch zu viele Filme auf Halde liegen, muss die ARD-Filmproduktionstochter Degeto ihr Auftragsvolumen zurückfahren. Erst ab 2014 hofft die neue Chefin Bettina Reitz, wieder mehr Geld ausgeben zu können.

Muss vorerst sparen: Degeto-Geschäftsführerin Bettina Reitz Zur Großansicht
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Muss vorerst sparen: Degeto-Geschäftsführerin Bettina Reitz

Frankfurt/Hamburg - Gerade erst hatte es in der Geschäftsführung des Unternehmens einen Wechsel gegeben: Für den im März gestorbenen Jörn Klamroth war die ehemalige Fernsehfilmchefin des Bayerischen Rundfunks, Bettina Reitz, zur Degeto gekommen. ARD-Programmdirektor Volker Herres lobte im SPIEGEL-ONLINE-Interview die neue Geschäftsführerin der Filmtochter des Senderverbandes, Degeto: "Sie beherrscht die ganze Bandbreite fiktionalen Erzählens, künstlerisch wertvolle Stoffe genauso wie extrem populäre." Fragt sich nur, ob Reitz die ganze Bandbreite ihres Könnens nun ausspielen kann - denn erstmal muss die Überproduktion der vergangenen Jahre weggesendet werden.

Die ARD-Filmtochter Degeto muss nämlich auf Veranlassung der ARD-Intendanten ihr Produktionsvolumen in den kommenden zwei Jahren zurückfahren, weil zu viele Programme auf Halde liegen. "Aus dem erhöhten Programmvorratsvolumen für die Jahre 2012 und 2013 ergibt sich zwangsläufig eine Reduktion neuer Lizenzkäufe und Produktionsaufträge", teilte die in Frankfurt ansässige Firma am Dienstag mit. In welcher Höhe die Degeto ihre Produktionen abbauen werde, ließ sie auf Nachfrage offen.

Angesichts der wachsenden Film-Bestände und damit verbundener Ausgaben hatten die Intendanten Veränderungen bei der Degeto beschlossen: "Auf Veranlassung der Intendantinnen und Intendanten der ARD wird das Vergabeverfahren der Degeto einer systematischen und strukturellen Prüfung unterzogen, genauso wie die bereits durch die Degeto geschlossenen Produktionsverträge", teilte eine Sprecherin des ARD-Vorsitzes mit, den derzeit der Westdeutsche Rundfunk hat.

"Zunächst vorrangig den Programmvorrat einbringen"

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte am Dienstag berichtet, dass die Degeto für die Jahre 2010 bis 2012 "offenbar erheblich mehr Programm bestellt beziehungsweise Lizenz erworben habe, als das einem internen Mittelwert entsprach". Die Ausgaben im Jahr 2009 hätten bei 426 Millionen Euro gelegen. Diese Zahl wurde von der Degeto bestätigt. Im Jahr 2006 waren es noch rund 400 Millionen Euro. Die Degeto, an der die ARD-Landesrundfunkanstalten und ihre Werbetöchter beteiligt sind, gibt nicht nur Produktionen in Auftrag, sie finanziert auch Kino-Koproduktionen und kauft Spielfilme aus dem Ausland ein.

Die Degeto räumte in ihrer Mitteilung ein, dass sie in den Jahren 2010 und 2011 ihr Engagement "sowohl im Lizenzerwerb als auch in der Produktion intensiviert" habe. "Die ARD Degeto bittet um Verständnis, dass sie im sorgsamen Umgang mit Gebührengeldern verpflichtet ist, zunächst vorrangig ihren Programmvorrat einzubringen, bevor wieder verstärkt Aufträge in den Markt vergeben werden können", wurde weiter mitgeteilt. Ab 2014, so hieß es weiter, hoffe man auf einen Anstieg der Produktionsaufträge.

Dem TV-Publikum ist die Degeto, die 1928 als Deutsche Gesellschaft für Ton und Film gegründet wurde, über ihre Filme ein Begriff: Dazu gehören die Wallander-, die Pfarrer-Braun- und die Donna-Leon-Krimis sowie "Die Flucht" mit Maria Furtwängler, demnächst "Die Laconia" und in der kommenden Woche der Zweiteiler "Der Mann mit dem Fagott" über Sänger Udo Jürgens und seine Familiengeschichte. Gerügt wird die Firma häufiger für die ARD-Freitagabendproduktionen, die aus der Sicht vieler Kritiker zu seicht sind.

feb/dpa

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insgesamt 15 Beiträge
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1. das ist eine
janne2109 20.09.2011
Schlagzeile wert??
2. Filme
Foul Breitner 20.09.2011
ohne Mehrwert herstellen, nennt man gemeinhin " Geld verbrennen "
3. Filme auf Halde? Richtiger wäre wohl ...
mborevi 20.09.2011
... zuzugeben, dass neue Filme nicht gebraucht werden, wenn man gefühlte 95% Wiederholungen sendet.
4. Nun, die Firma Degeto
Zenzai 20.09.2011
Zitat von janne2109Ist das eine Schlagzeile wert??
versorgt die Öffentlich-Rechtlichen im großen Stil mit Herz-Schmerz-Schmonzetten zur besten Sendezeit. An für sich könnte man das als gute Nachricht ansehen, denn hat man eine gesehen, so kennt man alle. Allenfalls die Gesichter sind austauschbar (auch im übertragenden Sinne des Wortes). Aber wahrscheinlich bedeutet das nur, dass der alte, bereits vorhandene Mist in der Wiederholungsschleife recycelt wird ...
5. Richtig muß es...
waldemar.l. 20.09.2011
Zitat von sysopSchwere Zeiten für deutsche Fernsehfilmer: Weil noch zu viele Filme auf Halde liegen, muss die ARD-Filmproduktionstochter Degeto ihr Auftragsvolumen zurückfahren. Erst ab 2014 hofft die neue Chefin Bettina Reitz, wieder mehr Geld ausgeben zu können. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,787405,00.html
...heißen "Erst ab 2014 hofft die neue Chefin Bettina Reitz, wieder das mit zwang eingetriebene Geld verprassen zu können." ....Warum ist diese Konkurrenz für den SPON so wichtig?
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