Marktanteile 2017 Dem klassischen TV rennen die Zuschauer weg

Wegen Netflix und Co.: Das lineare Fernsehen verliert Zuschauer. Besonders die Jüngeren stellen sich im Netz ihr eigenes Programm zusammen.

Schlechte Quoten: "Tatort"-Folge "Böser Boden"
NDR/ Christine Schroeder

Schlechte Quoten: "Tatort"-Folge "Böser Boden"


Bereits am Mittwoch sorgte die Meldung für Unruhe, dass der "Tatort" 2017 weniger Zuschauer vor den Fernseher lockte. Im Vergleich zu 2016, wo durchschnittlich 9,02 Millionen Menschen den Sonntagskrimi schauten, waren es dieses Jahr nur 8,91. Die letzten beiden "Tatort"-Folgen mit Wotan Wilke Möhring etwa blieben unter der kritischen Acht-Millionen-Marke.

Nun wurde bekannt, dass das klassische lineare Fernsehen insgesamt Zuschauer verliert. Das ergab eine Auswertung der Marktforschungsfirma Media Control in Baden-Baden mit den Jahres-Nutzungsdaten bis zum 28. Dezember.

Bemerkenswert sind demnach besonders die Verluste beim jüngeren Publikum zwischen 14 und 49 Jahren, das nur noch 160 Minuten pro Tag fernsah - 2016 waren es noch 171 Minuten gewesen. Beim Gesamtpublikum ab drei Jahren hielt sich der Rückgang von 223 auf 221 Minuten in Grenzen.

Eine Erklärung liegt darin, dass sich Jüngere vermehrt anderen Medien zuwenden oder den immer stärker werdenden Streamingdiensten wie Amazon und Netflix, die von der Quotenmessung GfK-Fernsehforschung in Nürnberg nicht erfasst werden und ihre Nutzungsdaten streng unter Verschluss halten.

Bei den linearen Anbietern werden zwar die Mediatheken zunehmend stärker in Anspruch genommen - auch weil ARD und ZDF sich Mühe geben, hochwertige Serien zu produzieren, die vom Publikum besonders gern aus dem Netz abgerufen werden. Vollständige Daten fehlen aber auch hier, da der mobile Gebrauch nicht ausgewertet wird.

Marktführer im linearen TV blieb zum sechsten Mal in Folge das ZDF, das auf einen Marktanteil von 13,1 Prozent (nach 13,0 Prozent im Vorjahr) kam. Das Erste büßte von 12,1 auf 11,3 Prozent ein. Auch die großen Privat-TV-Anbieter hatten Mühe - sie verloren viel Publikum an kleinere Sender. RTL büßte von 9,7 auf 9,2 Prozent ein. Sat.1 gab von 7,3 auf 6,7 Prozent und ProSieben von 5,0 auf 4,5 Prozent nach. Bei Vox hielt sich der Rückgang von 5,2 auf 5,1 Prozent in Grenzen. Dahinter bröckelte Kabel eins von 3,8 auf 3,4 Prozent und RTL II von 3,5 auf 3,2 Prozent.

Dagegen ist der Spartensender ZDFneo weiter auf der Überholspur. Er legte deutlich von 2,1 auf 2,9 Prozent zu. In der zweiten Reihe stark sind vor allem Sender wie RTL Nitro (1,6 nach 1,3 Prozent), und RTLplus (1,1 nach 0,4 Prozent). Gut geht es nach wie vor Sat.1 Gold (1,5 nach 1,4 Prozent). 3sat lag bei 1,3 nach 1,2 Prozent, ZDFinfo bei 1,2 Prozent, Arte und Phoenix bei jeweils 1,1 Prozent. Die Nachrichtensender n-tv (1,1 Prozent) und N24 (1,2 Prozent) blieben unverändert.

Den Wettbewerb unter den Kindersendern entschied Super RTL wieder für sich. In der für sie relevanten Zielgruppe der 3- bis 13-jährigen Zuschauer machte Super RTL mit 21,5 Prozent (20,6 Prozent) das Rennen - eingerechnet sind die Marktanteile des Schwesterkanals Toggo plus. Der KiKA kam auf 19,2 Prozent (19,7 Prozent). Der Disney Channel erreichte 9,1 Prozent (9,5 Prozent).

Dass ZDF und ARD auch dieses Jahr die ersten Ränge belegen, dürfte die verantwortlichen Fernsehmanager freuen. Schließlich fehlten dieses Jahr die großen Sport-Events, die sonst die Gesamtquote hochtreiben. Einen kleinen Schub brachte immerhin der Fußball-Confed-Cup, der dem ZDF zum Beispiel beim Finale gegen Chile (1:0) Anfang Juni an die 15 Millionen Zuschauer bescherte.

cbu/dpa



insgesamt 222 Beiträge
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Jan P. 29.12.2017
1. Mir reicht ein Normal TV völlig...
Bei mir ist TV TV und PC PC ! Datenflut und deren Auswüchse, brauche ich nicht. Ich habe 2x Sat 1x DVB-T2 und diverse DVD/ Blur ray und andere Zuspiel-Quellen. Alles hängt an einer gehobenen Hifi-Anlage mit 7 Surround- Lautsprechern, oder Funkkopfhörern. Zudem warten ein Filmarchiv täglich auf seinen Einsatz. Wem das immer noch nicht reicht, schaut halt SKY oder einer der unzähligen TV-Sender. Vieles davon wird auf Festplatte zwischengespeichert, und irgendwann angesehen. Das ist wahrlich genug Entertainment...Und von den 600 Schallplatten habe ich noch gar nicht gesprochen !!! Gruß aus Freiburg i.Br.
miram-m 29.12.2017
2. TV-Welt ist kompizierter als man denkt
Ich - Mitte 30 - schaue gar nichts. Ich lese. Mein Mann bevorzugt Netflix oder Amazon. Kinder unter 17 verbringen ihre Abende bei YouTube. Das hat mit linearem Fernsehen nichts zu tun. Das man alles das nicht messen kann, ist mehr oder weniger klar... Deswegen sinken die Quoten.
Phil2302 29.12.2017
3. Na klar!
10 Euro im Monat, werbefrei, bessere Qualität, Serien / Filme nach Wahl, jederzeit, überall. Ich gucke nie mehr normales Fernsehen. Selbst wenn ich beim Anschalten sehe, dass ein Film läuft, der mich interessiert, wechsle ich auf Netflix, um der nervigen Werbung zu entgehen.
ziooyong 29.12.2017
4. Dann
Dann sehen sie sich doch einmal das Programm von SWR III, Eisenbahnfahrten, dusselige Befragungen in Fußgängerzonen, Deutschland von oben, zum xten mal abgenudelt und weiterer Kokolores. Wer will sich den Mist ansehen nur Leute knapp über 90. Man sollte die Dritten zu einem Sender zusammenpacken und wie ZDF neo etwas wagen. Ansonsten bleibt bei mir die Kiste überwiegend aus.
ladida1970 29.12.2017
5. wen wundert es?
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss nicht durch Qualität punkten, denn dank "Zwangsgebühren" ist es ja egal, ob nun 8 Millionen oder 8 Zuschauer den Tatort ansehen. Netflix und Co. müssen dagegen durch Zuschauernähe überzeugen -und das tun sie.
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