ARD und ZDF Eine halbe Milliarde Euro für Sportrechte

Die Öffentlich-Rechtlichen geraten in die Kritik. ARD und ZDF wollen für die nächste Gebührenperiode mehr Geld haben. Von Bild.de ins Internet gestellte Anträge zeigen, wofür die Mittel vor allem gedacht sind: Rechte an Sport-Großereignissen.

Eine Rechnung der Gebühreneinzugszentrale (GEZ): Geht das Geld für Sportrechte drauf?
DPA

Eine Rechnung der Gebühreneinzugszentrale (GEZ): Geht das Geld für Sportrechte drauf?


Hamburg/Berlin - Die Summe mutet gigantisch an: 1,47 Milliarden Euro mehr zu ihrem bisherigen Etat fordern ARD und ZDF für die nächste Gebührenperiode. Das war am Mittwoch nach einer Vorabmeldung der "Zeit" bekannt geworden. Den tatsächlichen Bedarf der Sender muss die zuständige Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) benennen; sie tagt an diesem Donnerstag in Mainz.

Nach der Entscheidung wird auch klar sein, ob die beiden öffentlich-rechtlichen Anstalten tatsächlich so viel Geld für Sportrechte ausgeben dürfen, wie sie zurzeit planen. Bild.de stellte am Donnerstag entsprechende Zahlen ins Netz.

  • Demnach wollen ARD und ZDF für die Übertragung der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien 210 Millionen Euro bezahlen. Hinzu kämen Produktionskosten in Höhe von 30 Millionen Euro.
  • Für die Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich wollen beide Sender 160 Millionen Euro auf den Tisch legen, für die Produktion weitere 20,5 Millionen Euro.
  • Für die Rechte an den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro im selben Jahr seien sie bereit, 80 Millionen Euro hinzulegen.

Insgesamt belaufen sich die anvisierten Ausgaben für Rechte an Sportgroßveranstaltungen also auf eine gute halbe Milliarde Euro.

Die "Bild"-Zeitung hat die ihr zugespielten KEF-Anträge als PDF-Dateien auf ihrer Internetseite zugänglich gemacht. Würde allen Forderungen stattgegeben, erhöhten sich die Rundfunkgebühren von 17,98 Euro auf 18,86 Euro.

ZDF-Intendant Markus Schächter wies in einer Stellungnahme alle öffentliche Kritik an den Forderungen seines Senders zurück: "Die Anmeldung, die das ZDF im April abgegeben hat, liegt deutlich unter der allgemeinen Kostenentwicklung." Und weiter: "Die Anmeldung enthält keine neuen Programmvorhaben oder sonstige neuen Projekte und entspricht damit der Zusicherung des Senders, im Rahmen des Programmauftrags zurückhaltend zu planen." Schächter betonte außerdem, dass Kosten für Digitalkanäle weiterhin durch Einsparungen und Umschichtung aus der Substanz erwirtschaftet würden.

Anpassung unterhalb der Inflation

Auch Vertreter der ARD legitimierten ihre Forderung: Die geschäftsführende Anstalt, der Westdeutsche Rundfunk (WDR), konstatierte in einer Pressemitteilung, der angekündigte Bedarf sei geringer als der, den die KEF für die laufende Gebührenperiode anerkannt habe. Und die ARD-Vorsitzende Monika Piel erklärte, die Anpassung bewege sich unterhalb der langfristigen Inflation. "Wir stellen uns somit für die kommende Beitragsperiode auf ein reales Minus ein", sagte sie weiter. "Im Interesse des Gebührenzahlers müssen und werden wir unseren konsequenten Spar- und Konsolidierungskurs auch in Zukunft fortführen."

Schon am Mittwoch nach der "Zeit"-Meldung hatte eine Sprecherin der ARD darauf hingwiesen, dass aus Gesprächen mit der KEF zu entnehmen gewesen sei, dass es auch nach dem 1. Januar 2013 bei dem monatlichen Beitrag von 17,98 Euro bleiben soll. Die Erwartungen wurden also schon im Vorfeld von der Kommission gebremst. Kaum anzunehmen, dass ARD und ZDF am Ende ihre finanziellen Vorstellungen durchsetzen können.

Trotzdem haben die Forderungen sowohl für heftige Kritik als auch Zustimmung gesorgt: Während sich der Interessenverband der Privatsender (VPRT) erwartungsgemäß gegen die Forderungen nach mehr Geld stellte, gab es vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV) argumentative Unterstützung.

"Die Rundfunkgebühren müssen so bemessen sein, dass alle öffentlich-rechtlichen Sender ihren Programmauftrag in vollem Umfang erfüllen können", sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. "Es ist zweifelhaft, dass die Sender nach den eher bescheidenen Zuwächsen der letzten Jahre Preissteigerungen ohne höhere Rundfunkgebühren weiterhin auffangen können."

VPRT-Präsident Jürgen Doetz monierte indes: "Diese Zahlen zeugen von einem völligen Realitätsverlust der gebührenfinanzierten Anstalten und im Besonderen beim ZDF. Eine solche Gebührenerhöhung anzumelden und damit die vom VPRT immer wieder kritisierte Expansion in Gebühren zu meißeln, ist gleichermaßen ein Affront gegenüber den Gebührenzahlern und eine Ohrfeige für die Politiker, die sich derzeit für ein neues Finanzierungsmodell engagieren."

Die erneut aufgeflammte Debatte fällt in eine geplante Reform des deutschen Gebührenmodells. Von 2013 an ist jeder einzelne Haushalt verpflichtet, zu zahlen - nicht allein mehr die Haushalte, die über Empfangsgeräte verfügen. Das neue Modell muss noch alle Landesparlamente passieren, bislang waren es nur sieben. Wie viele Haushalte die neue Gebühr entrichten werden, ist deshalb noch offen.

cbu/dpa

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 222 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
DJ Doena 22.09.2011
1. .
Warum muss der ganze Sportkrempel eigentlich auf den ÖRs laufen? Ist ja nicht so, dass die Privaten das nicht auch senden würden. Sponsored by Warsteiner? Von mir aus gerne, ich trinke nämlich keins. Immer noch besser als Sponsored by My GEZ-Gebühr!
Pepito_Sbazzagutti 22.09.2011
2. Privatsender
Zitat von DJ DoenaWarum muss der ganze Sportkrempel eigentlich auf den ÖRs laufen? Ist ja nicht so, dass die Privaten das nicht auch senden würden. Sponsored by Warsteiner? Von mir aus gerne, ich trinke nämlich keins. Immer noch besser als Sponsored by My GEZ-Gebühr!
Frage ich mich auch. Da es bei sportlichen Großereignissen AUSSCHLIESSLICH um Werbung geht und nicht um Sport, sollten gerade die Privaten ran dürfen.
eigene_meinung 22.09.2011
3. wer soll das bezahlen?
Diejenigen, die diese Sportsendungen unbedingt sehen wollen, sollen selbst dafür bezahlen. Es gibt absolut keinen vernünftigen Grund dafür, dass die öffentlich rechtlichen Sendeanstalten diese völlig überhöhten Preise für die Übertragungsrechte zahlen. Mit dem Geld ließe sich Sinnvolleres machen; eine Gebührenerhöhung ist nicht zu rechtfertigen.
kdshp 22.09.2011
4. Internet find ich gut
Zitat von sysopDie Öffentlich-Rechtlichen geraten in die Kritik. ARD und ZDF*wollen für die nächste Gebührenperiode mehr Geld haben. Von Bild.de ins Internet gestellte Anträge zeigen, wofür die Mittel vor allem gedacht sind: Rechte an Sport-Großereignissen. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,787793,00.html
Hallo, was hat das noch mit einer GRUND-versorgung zu tuen? Es fällt mir schwer zu glauben das man für solche sportrechte 200mil oder mehr ausgibt. Das ganze system der ÖR ist nichtmehr OK und gehört SO abgeschaft ist meine meinung DENN 7mrd euro im jahr sind viel zu viel für eine GRUND-versorgung. Hier würden in der heutigen zeit maximal 1mrd reichen und DAS wäre schon verdammt viel für 1-2 programme an eben einer GRUND-versorgung in der heutigen zeit. UND im internet haben die gar nix zu suchen sonst will ich auch meine morgentliche zeitung via ÖR haben.
ambergris 22.09.2011
5. .
Das geht mir echt zu weit. Jeder muss sparen, die öffentlich-rechtlichen expandieren jedoch ungehemmt weiter. Und sorry, so wichtig ist Fußball dann auch nicht. Der neue Plan muss also noch alle Länderparlamente durchlaufen... Piratenpartei to the rescue, please. Gerade in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sollte mal etwas mehr Licht hineinscheinen, von den dämlichen Talkstaffeten bis zu verschwenderischen Provinzfürsten im MDR.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.