Nach Rechte-Querelen ARD verfilmt das Leben der Anne Frank

Erst wollte das ZDF, verscherzte es sich dann aber mit den Erben: Im Jubiläumsjahr 2015 wird es jetzt aber doch einen in Deutschland produzierten Film über das Schicksal des Frankfurter Mädchens geben - im Ersten.

Anne Franks Tagebuch: Nun hat die ARD ihr Projekt
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Anne Franks Tagebuch: Nun hat die ARD ihr Projekt


Hamburg/Frankfurt am Main - Nun hat die ARD ihr Anne-Frank-Projekt: Unter Federführung des Hessischen Rundfunks soll demnächst ein TV-Film über das Leben des Frankfurter Mädchens gedreht werden. Nachdem das ZDF unlängst seine Pläne verwarf, wäre es die erste deutsche Verfilmung.

Laut dem Medienportal DWDL.de ist die Produktionsfirma AVE, bei der die Verfilmungsrechte des Tagebuchs liegen, an dem ARD-Vorhaben beteiligt. 2015, zum 70. Todestag Franks, wird es zwei Filme zu ihren Ehren geben: AVE ist auch für den Kinofilm verantwortlich, der derzeit in internationaler Zusammenarbeit entsteht. Im Januar hatte es Streit um eine mögliche deutsche Verfilmung im Auftrag des ZDF gegeben: Der in Basel ansässige Anne-Frank-Fonds, der die Erben vertritt, warf dem sender, der den Produzenten Oliver Berben für eine Adaption des Tagebuchs gewonnen hatte, "respektloses Verhalten" vor. Das Projekt habe laut Fonds ohne Rücksprache mit der Familie realisiert werden sollen, die aber alle Rechte an den diesbezüglichen Materialien innehabe.

Die Erben kritisierten den Fernsehsender mit ausdrücklichem Hinweis auf den internationalen Film und wunderten sich über ein derartiges "Verhalten gegenüber einer im Holocaust weitgehend vernichteten Familie". Nach den Querelen trat das ZDF schließlich von seinen Plänen zurück. Wie der Hessische Rundfunk meldet, werde die Hauptdarstellerin für den deutschen Film derzeit in Castings in Frankfurt und Berlin gesucht. Die Erzählung arbeite mit dokumentarischen Elementen und Spielfilmszenen, die sich eng an die Vorlage des berühmten Tagebuchs hielten.

Das Drehbuch stammt von Hannah und Raymond Ley (), Raymond Ley wird zudem Regie führen. Produzenten sind Walid Nakschbandi und Michael Souvignier. Der Film soll voraussichtlich Anfang 2015 im Ersten ausgestrahlt werden.

Im Juni 1942 hatte Anne Frank mit der Niederschrift eines Tagebuches begonnen. Dieses Tagebuch wurde zu einem erschütternden Dokument jüdischen Schicksals im Rassenwahn des Dritten Reiches. Mehr als zwei Jahre konnte sich die Familie vor den Nationalsozialisten verstecken. Der letzte Eintrag des Tagebuches stammt vom 1. August 1944. Wenige Tage später wurde das Versteck entdeckt. Alle Versteckten, einschließlich der holländischen Unternehmensleiter, die das Untertauchen der Familie Frank ermöglicht hatten, wurden verhaftet und in Konzentrationslager überführt.

Von den "Untergetauchten" überlebte lediglich der Vater, der 1945 in Auschwitz befreit wurde. Anne Frank starb im März im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

tha



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