Gemeinsame Videoplattform ARD will Kooperation mit ProSiebenSat.1 prüfen

Die ARD muss sich für die Digitalisierung neu aufstellen. Bei einer Intendantentagung in Berlin blieben die Visionen jedoch vage - die Idee einer Supermediathek mit den Privaten fanden die Anstaltsbosse zumindest interessant.

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Am Montag und Dienstag tagten die Intendanten der ARD in Berlin. Auf der Sitzung sei auch darüber diskutiert worden, in welcher Weise die Sendergruppe ihre Inhalte im Netz vertreiben soll, so erklärte der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm auf der anschließenden Pressekonferenz. Durch die angekündigte Novellierung des Telemedienauftrags durch die Ministerpräsidenten würden sich neue Optionen ergeben. "Es wird unterschiedliche Plattformen geben, an denen wir beteiligt sind", prognostizierte Wilhelm in Berlin. "Mit ganz verschiedenen Partnern."

Insgesamt blieben die Ankündigungen vage. Auf die von den Konkurrenten ProSiebenSat.1 und Discovery am Montag ins Gespräch gebrachte Kooperation reagierte Wilhelm offen. Es sei aber zu früh, um das Angebot zur Zusammenarbeit zu bewerten.

Der ARD-Chef sagte, er selbst habe in der Vergangenheit die Idee einer Plattform ins Spiel gebracht. Dies sei aber weiter gefasst und ziele nicht nur auf Unterhaltung ab, sondern auch auf Themen wie Information, Kultur, Wissenschaft und Bildung. "Aber das schließt ja nicht aus, dass es eine ganze Reihe von weiteren Lösungen und auch Allianzen gibt."

Ulrich Wilhelm
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Ulrich Wilhelm

Der deutsche Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 und sein US-Partner Discovery wollen mit einem gemeinsamen Online-Videoangebot den übermächtigen US-Konkurrenten Netflix, Amazon und YouTube Paroli bieten. Sie streben an, ihre Internet-Videodienste auf einer Plattform zu bündeln und weitere Sender aus Deutschland ins Boot zu holen.

Champion aus ARD, ZDF, RTL und ProSiebenSat.1?

Das Angebot solle im ersten Halbjahr 2019 starten und binnen zwei Jahren zehn Millionen Nutzer zählen. Der neue ProSiebenSat.1-Chef Max Conze hatte betont: "Ich lade hiermit RTL, ARD und ZDF ein, mit uns gemeinsam einen deutschen Champion zu schaffen."

Der Vorschlag fällt in eine Zeit, da sich die ARD zwischen Sparzwang und Zukunftsaufgaben neu aufstellen muss. In ganz Europa steht der öffentlich-rechtliche Rundfunk unter enormem Druck, in Deutschland tobt seit Längerem eine Debatte über die Rundfunkabgabe.

Vor diesem Hintergrund erarbeitete eine Arbeitsgruppe von Politikern aus sechs Bundesländern einen Plan zur Neubeauftragung von ARD und ZDF, bei der die Rundfunkabgabe an die Teuerungsrate angepasst werden soll. Eine Idee, der Wilhelm grundsätzlich positiv gegenüber steht. In Berlin sagte er: "Indexierung und Budgetierung bieten interessante Anreize zu sorgsamem Wirtschaften."

Insgesamt blieb der ARD-Stratege aber äußerst wolkig in seinen Erklärungen. Selten gab es eine Intendantentagung, bei der der Presse so wenig Konkretes mitgeteilt wurde. Auch bei seinem Lieblingsprojekt, einer großen multinationalen Plattform von Sendern und Verlagen, einer Art europäischem Gegenmodell zu den US-Playern Google und Facebook, blieb Wilhelm im Ungefähren. Es ginge dabei um "die Möglichkeit, über Algorithmen in Europa Aufmerksamkeit zu generieren". Man wolle diesen Prozess aber nur begleiten. "Das muss auf europäischer Ebene gedacht werden."

Etwas konkreter wurde Wilhelm in Bezug auf Pläne für ein gemeinsames Sendezentrum von ARD und ZDF für große Sportereignisse. Über das Thema sei intensiv gesprochen worden - auch über die Voraussetzungen. "Wir haben ja zwischen ARD und ZDF in Teilen unterschiedliche technische Systeme." Auch wenn das Ziel vernünftig sei, wolle das bedacht sein, so Wilhelm. "In dem Sinne werden wir schon in den nächsten Wochen die Gespräche mit dem ZDF aufnehmen." Der Druck sei groß wegen der 2020 anstehenden Großereignisse.

"Sinnvoll wär's, wenn es uns in der Tat gelingt, gemeinsam mit den Kollegen in Mainz etwas Dauerhaftes anzubieten für die unterschiedlichsten Großereignisse des Sports", sagte Wilhelm. Ein solches NBC (National Broadcasting Center) auf Zeit haben ARD und ZDF während der Fußball-WM in Baden-Baden.

cbu/dpa

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