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ARD-ZDF-Projekt: Ministerpräsidenten stoppen Jugendkanal

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Intendant Thomas Bellut: Für das ZDF ist der Jugendsender noch akut Zur Großansicht
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Intendant Thomas Bellut: Für das ZDF ist der Jugendsender noch akut

Nun kommt er doch nicht: Erst letzte Woche wurden von ARD und ZDF Details zum geplanten Jugendsender bekanntgegeben - jetzt machten die Ministerpräsidenten den Anstalten einen Strich durch die Rechnung. Das Zweite will das Projekt trotzdem nicht beerdigen.

Hamburg/Berlin - Der geplante Jugendkanal von ARD und ZDF steht vor dem Aus. Die Ministerpräsidenten der Länder konnten sich auf ihrer Konferenz in Heidelberg nicht auf ein Ja für das Digitalprojekt der öffentlich-rechtlichen Sender einigen. Offiziell wollen sie den Sendern Zeit geben, bis zum Frühjahr ein neues Konzept vorzulegen. In Wahrheit ist das Projekt politisch tot.

Schon zwischen ARD und ZDF war das Projekt von Anfang an umstritten, selbst innerhalb der ARD waren einflussreiche Intendanten nicht von dem Konzept überzeugt. Doch sie rangen sich stets zu Kompromissen durch - auch weil sie dachten, damit einen Programmwunsch der Politik zu erfüllen.

Vor allem die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hatte sich stets für diesen Kanal starkgemacht. Und bis Mittwochabend sah es auch so aus, als sei der Beschluss ungefährdet. Die Medienpolitiker der Länder hatten sich da noch auf ein paar gemeinsame Nenner einigen können, etwa dass ARD und ZDF sich selbst dazu verpflichten müssen, dass die Digitalkanäle unter dem Strich nicht mehr Geld kosten, wenn ein paar kleine Kanäle gestrichen werden und der 45 Millionen Euro teure Jugendkanal dazukommt. Auch einigte man sich darauf, für den Jugendkanal die Verweildauer für Beiträge in der Mediathek zu verlängern.

Doch die Ministerpräsidenten entschieden nun anders. Teils waren sie - vor allem von Unionsseite - nicht überzeugt davon, dass die Digitalkanäle am Ende nicht doch ein paar Millionen mehr kosten. Hier war von sieben bis 20 Millionen Euro die Rede. Teils erschien ihnen das inhaltliche Konzept, das ARD und ZDF vorlegten, zu dürftig. Am Ende einigten sie sich darauf, dass die öffentlich-rechtlichen Anstalten bis zum Frühjahr Zeit bekommen sollen, offene Fragen zu beantworten. Doch das ist bloß Diplomatie. "Der Jugendkanal ist politisch tot", heißt es in der Medienpolitik. Eine krachende Niederlage für Dreyer.

Das ZDF, dessen Intendant Thomas Bellut erst letzte Woche Details zu dem geplanten öffentlich-rechtlichen Gemeinschaftsprojekt bekanntgegeben hatte, erklärte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, dass "der Jugendkanal mit dem Beschluss von heute aus unserer Sicht nicht vom Tisch ist. Das ZDF wird auf Basis des Beschlusses der MPK das Konzept für ein multimediales Jugendangebot zusammen mit der ARD weiterentwickeln".

Auch beim Ersten legt man das Projekt nicht zu den Akten. Der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor erklärte: "Ich freue mich, dass die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten dem Vorhaben grundsätzlich aufgeschlossen gegenüberstehen. Wir stehen zu unserem Konzept. Die offenen Fragen werden wir klären."

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