Serienstar Jeffrey Tambor Fehlverhalten auch bei "Arrested Development"

Wegen möglicher Übergriffe wurde Jeffrey Tambor bei "Transparent" gefeuert. Ein bemerkenswertes Interview mit dem Ensemble von "Arrested Development" legt nun nahe: Auch bei dieser Serie benahm er sich grob daneben.

Jeffrey Tambor (links) and Jason Bateman in "Arrested Development"
Netflix

Jeffrey Tambor (links) and Jason Bateman in "Arrested Development"


"In den fast 60 Jahren, in denen ich nun schon arbeite, hat mich noch nie jemand am Set so angeschrien", sagt Schauspielerin Jessica Walter unter Tränen. Es ist der verstörendste Moment in einem verstörenden Interview, das sich bald um Aussetzer und Übergriffe an Sets und die schwierige Dynamik innerhalb eines eingespielten Ensembles dreht. Dabei sollte es ursprünglich nur um die Fortsetzung einer beliebten Comedy gehen.

Zum Start der fünften Staffel von "Arrested Development" hat die "New York Times" einen Großteil des Ensembles der Comedy um die exzentrische Bluth-Familie versammelt. Dazu gehört - neben Walter, Jason Bateman, Tony Hale, David Cross, Alia Shawkat und Will Arnett - auch Jeffrey Tambor. Um den 72-Jährigen hat es in den vergangenen Monaten viel Wirbel gegeben: Unlängst wurde er als Hauptdarsteller der Serie "Transparent" gefeuert, da ihm mehrere Frauen am Set sexuelle Übergriffe und respektloses Verhalten vorgeworfen hatten.

Auf diese Vorwürfe angesprochen, entwickelt sich im "NYT"-Gespräch ein angespannter Austausch zwischen den Darstellern, der darin mündet, dass Walter zu weinen beginnt. "Ich muss aufhören, auf ihn [Tambor] sauer zu sein. Er hat bei unserer Produktion keine Grenzen mit so, nun ja, sexuellen Dingen überschritten. Verbal, ja, hat er mich schikaniert, aber er hat sich dafür entschuldigt", sagt die 77-Jährige, die zusammen mit Tambor das dominante Elternpaar des Bluth-Clans spielt, unter Tränen.

Walters männliche Co-Stars versuchen im Verlauf mehrfach, Tambors Verhalten zu relativieren. "Wir müssen so ehrlich sein zu sagen, ohne daraus eine größere Sachen zu machen, dass wir alle schlechte Momente hatten", sagt Tony Hale (auch bekannt aus "Veep"). "Aber nicht solche, nicht so schlechte", erwidert Walter.

"Die Abläufe sind manchmal auch nicht normal"

An anderer Stelle sagt Jason Bateman: "Ohne etwas klein zu machen oder zu entschuldigen oder so, aber in der Unterhaltungsbranche kommen sogenannte 'schwierige Leute' unglaublich häufig vor." Offenbar aus seiner Erfahrung als Regisseur und Produzent ("Ozark") heraus ergänzt Bateman, dass man sich vor einer Besetzung immer erkundige, mit wem man es zu tun habe und sich so nach und nach ein komplexes Bild über bestimmte Persönlichkeiten und Arbeitsweisen zusammensetze. "Wie wir unser Geld verdienen, ist nicht normal, und die Abläufe sind manchmal auch nicht normal. Zu erwarten, dass sie es sind, heißt, nicht zu verstehen, was auf einem Set passiert."

Auch David Cross unterstützt diese Sicht auf das Verhalten von Tambor ("Das ging nicht von null auf hundert, das hat sich mitunter angestaut."). Am gnädigsten geht allerdings Tambor mit sich selbst um. Auf die Frage der "NYT", ob er jemanden anheuern würde, der zugegebenermaßen regelmäßig Regisseure, Regieassistenten, Kollegen und Assistenten anschreie, antwortet Tambor: "Ich würde diese Person anheuern, wenn sie gesagt hat: Ich habe mich damit auseinandergesetzt." "Und Sie haben das Gefühl, das getan zu haben?", fragt die "NYT" nach. "Das habe ich, und ich mache das auch weiterhin. Und ich habe mich reichlich entschuldigt."

Allein Alia Shawkat, die zweite Frau in der Runde, stellt sich bedingungslos hinter Walter. "Das heißt doch nicht, dass es [so ein Verhalten, wie es Tambor an den Tag gelegt hat] akzeptabel ist. Außerdem geht es doch darum, dass sich die Dinge gerade ändern und sich die Menschen noch mal anders respektieren müssen."

Wie viel sich am Set von "Arrested Development" bereits geändert hat oder noch ändern muss, bleibt nach diesem bemerkenswerten Interview offen. Und ob es nach der fünften Staffel, die am 29. Mai auf Netflix startet, noch eine weitere geben kann, auch.

Update: Nach anhaltender Kritik in sozialen Medien am Verhalten der männlichen Darsteller hat sich Jason Bateman per Twitter entschuldigt.

hpi

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