Olli Schulz trifft Tom Schilling: Die Zwangs-Kumpel

Von Anika Haberecht

"Durch die Nacht mit..." Olli Schulz und Tom Schilling: Held und Antiheld Fotos
Arte

Die liedermachende Rampensau Olli Schulz und der hochtalentierte Schauspieler Tom Schilling streifen für die Arte-Sendung "Durch die Nacht mit..." gemeinsam durch Berlin - und haben sich nichts zu sagen. Warum eigentlich?

Es gibt Menschen, die auf Anhieb sympathisch wirken. Olli Schulz etwa. Plaudert viel, ein Späßchen hier, ein Sprüchlein da, und man denkt: Der ist halt so, der kann gar nicht anders. Und es gibt stille, undurchschaubare Menschen, die eher abweisend wirken, so wie Tom Schilling. Aber solche Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an - oder etwa nicht?

Der Musiker und Entertainer Olli Schulz, 39, derzeit als Sidekick von Joko und Klaas im "Circus HalliGalli" auf ProSieben der Mann für schmerzfreie Sondereinsätze, und der 31-jährige Schauspieler Tom Schilling, jüngst für seinen großartigen Auftritt als grüblerischer Sinnsucher in dem Kinofilm "Oh Boy" mit dem Deutschen Filmpreis geehrt und seit dem ZDF-Erfolgs-Mehrteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" auch dem breiten TV-Publikum bekannt, ziehen für das Arte-Format "Durch die Nacht mit..." um die Häuser Berlins. Dabei scheinen Welten aufeinanderzuprallen - und es bleibt unklar, ob es überhaupt eine Ebene gibt, auf der sich diese beiden verstehen.

Ihr Streifzug beginnt bei einem Tennismatch im Volkspark Friedrichshain. Schilling mit seinem adretten Sportoutfit und hochgezogenen weißen Tennissocken sieht ein bisschen aus wie ein dandyhafter Millionärssohn, er will sich gelassen geben, sieht aber nicht wirklich gelassen aus. Schulz dagegen ist das Rumhampeln vor der Kamera gewohnt, das verlangt sein Job, und wenn's dabei peinlich für ihn wird, gehört das halt dazu. Er stellt die Fragen, er erzählt die Anekdoten, er ist der Entertainer hier - selbst wenn er eigentlich ungern darauf reduziert wird, wie er gern betont. Tom Schilling hingegen wirkt angespannt, klein und blass an seiner Seite, und wenn er mal den Mund aufmacht, sieht das mühevoll aus.

Der Rest ist Schweigen

In einem schicken alten Mercedes mit roten Ledersitzen fahren sie durch die Hauptstadt. Sie treffen Regierungssprecher Steffen Seibert, Musikerin Ada, ihren gemeinsamen Freund Robert Stadlober. Die Rollenverteilung aber bleibt: Schulz redet, Schilling lässt reden. Nach der Hälfte der Sendung hat er eine einzige Frage an Schulz gerichtet: "Wie alt bist du?" Und auf die hätte Olli Schulz locker auch noch verzichten können, seine Pointenmaschine läuft auf Autopilot ("Die Ratten, ich und Lemmy von Motörhead werden den dritten Weltkrieg überleben").

Je später der Abend und je länger die Sendung, desto deutlicher scheint also zu werden, wie unähnlich sich Olli Schulz und Tom Schilling sind. Und vor allem: wie wenig sie sich füreinander interessieren. Oder etwa doch nicht?

Vielleicht ist es ja auch einfach so, dass die beiden wegen der einschüchternden Zwangs-Intimität des Arte-Formats - die Kamera läuft, jetzt seid mal spontan und lernt euch kennen! - sich sicherheitshalber in ihre Job-Rollen verkriechen. Da wäre Schilling, das Enigma - ein Verschlossener, ein Verunsicherter, ein Sprachloser, dabei aber durchaus mit dem Willen zur Selbstinszenierung - eine Art Amalgam seiner Rollen, die er zuletzt in Kino, TV und bei öffentlichen Anlässen spielte. Und da wäre Schulz, die Rampensau von nebenan - der Authentische, der Scherz-auf-der-Zunge-Träger. Oder vielleicht ist es ja auch so, dass die beiden das Format bewusst unterlaufen, indem sie ihr jeweiliges Image hemmungslos bedienen. Oder nur einer von beiden. Oder. Oder.

Am Ende bringt der Mercedes Schulz und Schilling nach Lichtenberg in die Fahrbereitschaft, die ehemalige Hochsicherheitszone der DDR. Auf der Kegelbahn der SED-Granden dürfen sie sich ausprobieren, so richtig weiß man nicht, warum. Ein Absacker an der Bar, an der sich einst auch Honni einen genehmigte. Gemeinsam rauchen sie eine, trinken Whiskey Sour. Dann schweigen sie. Und womöglich erfährt man in diesem Moment genauso viel über die Menschen Schilling und Schulz wie in den gesamten 52 Minuten der Sendung.


"Durch die Nacht mit...": Sonntag, 7. Juli, 0.40 Uhr, Arte

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insgesamt 13 Beiträge
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1. ausgelaugt
01099 06.07.2013
"Durch die Nacht mit..." ist schon lange am Ende, weil die Konstellationen immer weniger funktionieren. Jüngstes Beispiel war das Desaster bei Westbam und dem Sänger der "Stranglers", Hugh Cornwell. Letzterer war sichtlich genervt vom etwas "deranged" wirkenden Stardeejay aus Deutschland und das Gespräch verkam zum Monolog. Auch Casper und Lena Meier-Landflucht arte(!)te in eine gähnend langweilige, wie infantile Egoshow unseres (mittlerweile unbedeutenden) Fräuleinwunders aus und gipfelte in einer Hasstirade gegen ihre Fans. "Love, oh love...". Die Sendereihe befindet sich im Siechtum, weil Menschen wie Schlingensief und Friedmann, zu Gunsten des jungen Mainstreams, nicht mehr zusammengesteckt werden. Schade eigentlich.
2. Sommerloch?
julzen 06.07.2013
Ich glaube, ich habe selten einen Artikel gelesen, der ähnlich wenig Inhalt hatte.
3. Beide sind geniale Künstler!
spaltpilz 06.07.2013
Das Problem an dieser Genialität ist eben, daß sich die Vertreter dessen unter Umständen nicht mögen, nicht miteinander "können" . Wo Anika aufgehört (aufgegeben?) hat, hätte "Der Spiegel" anfangen müssen....hier , wie auch in anderen Themen....Besinnt euch auf Euren Traum, Journalist zu werden! Jeder von Euch hatte den einmal! Wir Bürger sind angewiesen auf gute Journalisten! Derzeit lasst ihr uns im Stich....in jeder Beziehung!
4. genial
volker geile 06.07.2013
wäre es nicht schön, wenn man auch als Journalist einfach mal die Chance nutzen würde, über ein nicht vorhandenes Thema einfach mal nicht zu schreiben? was soll mir der Artikel sagen?
5.
BlakesWort 06.07.2013
Olli Schulz hätte man ausnahmsweise allein durch die Nacht schicken können. Der Mann sprudelt nur so vor Witz, Ironie, Charme und ist ein solcher Querkopf, so etwas nutzt sich in der Kürze der Sendungszeit nicht ab. Leider hat diese Sendung das konzeptionelle Problem, dass Gesagtes auch gesendet werden kann und vielleicht wird. Wie Lena als garstige Zicke neben einem lockeren Casper dazustehen, kann sich in der Welt der PR- und Marketingmenschen nicht einmal ein gut gebuchter Schilling erlauben. Denn die Sendung lebt eigentlich von solchen Geschichten wie, dass aus Joko und Klaas mittlerweile Kollegen geworden sind und die Freundschaft unter dem ständigen Zwang zum Doppelpack leidet. Oder Friedman und Schlingensief, denen man wirklich zuhört und am liebsten am Nebentisch mit in die Diskussion eigestiegen wäre.
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