Auftakt der neuen "Bachelor"-Staffel Gebt uns den Lurch!

Erst das endlose Defilee der Hoffnungshühnchen, dann ein semi-spannender Kaugummi-Adonis: Der Auftakt der neuen "Bachelor"-Staffel fiel eher fad aus. Liebes RTL, hier sind fünf Nachbesserungs-Vorschläge.

RTL

Von


1. Gebt uns endlich einen Lurch-Bachelor!

Die Dominanz des Durchmuskulierten, sie muss endlich zerschlagen werden. Der neue Bachelor Andrej Mangold heißt zwar wie ein putziges Tierchen aus einer ernährungsministeriumsgefördeten Zeichentrickreihe, die Kindern vermehrten Gemüseverzehr schmackhaft machen soll, ist aber stattdessen leider ein adonishafter Profi-Basketballer mit eigenem Kaugummi-Startup (der seine Malm-Ware auf der dazugehörigen Webseite mit einer schmatz-existentialistischen Einlassung bewirbt: "Es war höchste Zeit, dass mal jemand das Kaugummi hinterfragt.").

Wann darf endlich mal ein echter Schluribert mit Leierbauch und Fliehkiefer, dafür aber prächtig aufgestelltem Streamingdienstabo-Portfolio, auf Frauensuche gehen? Ein Hänger, ein Lungerer, ein normaler, fauler Mensch, dem die ganzen sinnlos aufreibenden Speedboot-Dates genauso auf die Nerven gehen wie uns? Und dann vielleicht auch nicht, wie dieses Mal, in Mexiko, sondern vielleicht im Harz?

Wann, RTL, WANN?

Die erste Nacht der Rosen - die "Bachelor"-Interessentinnen
RTL

Die erste Nacht der Rosen - die "Bachelor"-Interessentinnen

2. Kitzelt mehr Kunst heraus!

Entweder suggerierte einem das nur der gebrochene Geist, um einen darüber hinwegzutrösten, dass man das frisch angebrochene, bislang weitgehend unbesudelte Jahr direkt an Tag zwei schon wieder mit Schund verplempert - aber es schien stellenweise doch so, als habe man sich dieses Mal produktionsseits ein bisschen verkünstelt, was die "Bachelor"-Bildsprache angeht. Recht so, bitte mehr davon! Schönste, weil dümmste, also schönste Bildidee: Die 20 Kandidatinnen hocken in Bikinis schnurgerade aufgereiht auf Handtüchern am Strand und legen sich nacheinander, feinsinnig choreografiert, in Flachlage, als sei das hier gar nicht der "Bachelor", sondern ein ziemlich busiger Domino Day.

3. Macht Steppeinlagen obligatorisch!

Natürlich ist es peinlich, selbstverständlich schmerzt es arg beim Zuschauen, wenn eine Bachelor-Interessentin beim ersten Zusammentreffen direkt eine sonderbare Showeinlage aufführt, aber wir sind ja alle nicht zum Spaß hier. Und weil einen das Defilee der Hoffnungshühnchen, herangekarrt in einer endlosen, möbiusmäßigen Limousinenschlange, schon nach der dritten Kandidatin, die ihre Stilettostacksen bedeutungsschwer aus der Autotür reckt, wahnsinnig langweilt, sehnt man sich förmlich nach diesen kleinen Peinpieksern, damit wenigstens irgendwas passiert.

In diesem Jahr gewann Lara den Cringe-Cup, als sie nach dem Aussteigen ungebeten wie ein Äffchen auf Erdnussturkey für Andrej tanzte. Knapp auf Platz zwei: Christina, die beim Erstkontakt ein lazy reimfrei zusammengeschustertes Lied anstimmte ("Spüre die Sonne, das Meer von Mexiko-City / Komm lass und weg von hier / pack deine Koffer, ich sage dir wohin") und dem Bachelor ein Survivalpaket mit "Notfallpeitsche" überreichte.

Ein Notfall-Atlas wäre auch cool gewesen, denn Strand findet man im innerländisch liegenden Mexiko-Stadt ebenso wenig wie aufrichtige Liebe beim "Bachelor".

4. Nutzt effizientere Transportwege!

Wirklich, die bereits erwähnte endlose Limo-Ankarrerei nervt wahnsinnig. Wieso können die Kandidatinnen auf dem Weg zur Bachelor-Villa nicht eine umweltfreundliche Fahrgemeinschaft bilden? Schön wäre eine gemeinsame Anreise in einer dieser schienenlosen Bimmelbähnchen, wie sie auf Kurort-Promenaden herumfahren, oder, wenn man das Ganze ans Wasser verlegt, auf einer Spaßbanane.

5. Verbietet Augenschmalz!

"Diese Augen, diese Zähne, diese Ausstrahlung!" Seltener waren die Kandidatinnen besessener von der Hübschlarve einer Bachelorvariante, dringend wünschte man sich beim anhaltenden Gurren über seine schönen Auuuugen eine maßregelnde Instanz, etwa eine Vollstreckerfigur mit Eimer, die dann die Szene betreten und die allzu Schwärmerischen mit warmem Schmalz übergießen könnte.

Bachelor Andrej driftete zwar auch in schlimme Schwadronage ab ("Geliebt werden ist ein unglaublich schönes Gefühl"), gab sich aber wenigstens beim Rosenvergabe-Räsonieren angenehm bürokratisch und sprach von "Ersteindruck" und "Zweitgespräch", als sei er ein Personaler. Und irgendwas in diesem Format ansatzweise ernst gemeint.



insgesamt 58 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
arno.benson 03.01.2019
1. Was wären wir ohne Rützel....
Herrlich! Auch wenn man den Rotz nicht gesehen hat, ist der Verriss herrlich....
dasfred 03.01.2019
2. Liebe Anja, nimm Du den Lurch, ich will den ToyBoy
Ich bin sicher, nach mehreren Wochen Hühnchen will er endlich richtiges Fleisch. Ich melde schon mal meine Ansprüche an. Warum soll nur Fischers Lenchen von einem muskulösen Sportler beglückt werden. Vom Einzel Defilee können wir leider nicht abrücken. Der Zuschauer muss noch die Hoffnung haben, dass der richtige Stutenkrieg erst ausbricht, wenn gemeinsam in die Arena geführt werden. Die Vorabbesichtigung im Einzeldurchlauf ist ja wichtig, um die Wetten auf die Siegerin platzieren zu können.
Plasmabruzzler 03.01.2019
3.
Oder um es kurz und knapp zu sagen: Eine Show von und mit Leuten ohne Klasse, Format und Stil für Leute ohne Klasse, Format und Stil und für welche, die sich genau darüber lustig machen wollen. Frei nach dem Motto: Jeder blamiert sich so gut, wie er kann.
vox veritas 03.01.2019
4.
Zitat von arno.bensonHerrlich! Auch wenn man den Rotz nicht gesehen hat, ist der Verriss herrlich....
Oder in anderen Worten: Was würde Frau Rützel bloß ohne den Bachelor machen?
frageniemals 03.01.2019
5. Nie angeschaut,
aber ich empfehle die Serie UnReal, die sich einen bitterbösen Spaß aus dem Showkonzept macht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.