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26. Januar 2018, 18:10 Uhr

Ulrich Wilhelm

Die familiäre Nähe des ARD-Vorsitzenden zu "Babylon Berlin"

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Er ist BR-Intendant, ARD-Vorsitzender - und verheiratet mit einer Miteigentümerin der Firma, die die Serie "Babylon Berlin" koproduziert. Ulrich Wilhelms Nähe zu dem Projekt sorgt für Irritationen.

Die Vorzeigeserie "Babylon Berlin" soll in die dritte Staffel gehen. Das hat die Programmkonferenz der ARD beschlossen. Nach Informationen des SPIEGEL sorgt jedoch die familiäre Nähe des Intendanten des Bayerischen Rundfunks (BR), Ulrich Wilhelm, zu dem Projekt innerhalb des Senderverbunds für Irritationen. Es sei weder im Rundfunkrat noch im Verwaltungsrat des BR transparent, wie genau eigentlich die Verbindung Wilhelms zu den an der Produktion beteiligten Firmen sei.

Ulrich Wilhelm, derzeitig auch ARD-Vorsitzender, ist seit 2014 mit der Tochter des Produzenten und Rechtehändlers Jan Mojto verheiratet. Die von Mojto geleitete Firma Beta Film vermarktet "Babylon Berlin" im Ausland. Zudem ist Beta seit Anfang 2017 an der Firma X Filme beteiligt, welche die Serie für die ARD und Sky produziert. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

"Babylon Berlin" wurde bei seiner Premiere beim Bezahlsender Sky von der Presse gefeiert. (Lesen Sie hier unsere Rezension zu der Serie.) Sie ist derzeit acht Mal für den Fernsehpreis sowie für den Grimme Preis nominiert.

Wilhelms Ehefrau ist seit Dezember 2015 gemeinsam mit ihrer Schwester Mehrheitseignerin der Beta - über zwei Zwischengesellschaften. Einen Interessenkonflikt gebe es jedoch nicht, teilte der BR auf Anfrage mit. Wilhelm sei als Intendant an der Produzentenauswahl nicht beteiligt. Auch als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der ARD-Tochter Degeto, die "Babylon Berlin" für die ARD eingekauft hat, sei er nicht mit Einzelverträgen befasst.

Trotzdem habe Wilhelm bereits im Januar 2012 den Justiziar des BR über die private Nähe Wilhelms zur Familie Mojto informiert, danach auch die Vorsitzenden von Verwaltungs- und Rundfunkrat. Mit der Degeto habe Wilhelm vereinbart, dass er nicht mit Verträgen befasst wird, die "einen persönlichen Konflikt auslösen könnten".

Unklar ist, wie detailliert Wilhelm die Beteiligten informierte und inwieweit Rundfunk- und Verwaltungsrat über deren Vorsitzende hinaus aufgeklärt wurden. Nach Angaben des BR soll Wilhelm etwa dem Justiziar nach der grundsätzlichen Erklärung im Jahr 2012 später aber nicht mehr angezeigt haben, dass seine Frau schließlich gemeinsam mit ihrer Schwester Mehrheitseignerin der Beta wurde.

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