Ulrich Wilhelm Die familiäre Nähe des ARD-Vorsitzenden zu "Babylon Berlin"

Er ist BR-Intendant, ARD-Vorsitzender - und verheiratet mit einer Miteigentümerin der Firma, die die Serie "Babylon Berlin" koproduziert. Ulrich Wilhelms Nähe zu dem Projekt sorgt für Irritationen.

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Die Vorzeigeserie "Babylon Berlin" soll in die dritte Staffel gehen. Das hat die Programmkonferenz der ARD beschlossen. Nach Informationen des SPIEGEL sorgt jedoch die familiäre Nähe des Intendanten des Bayerischen Rundfunks (BR), Ulrich Wilhelm, zu dem Projekt innerhalb des Senderverbunds für Irritationen. Es sei weder im Rundfunkrat noch im Verwaltungsrat des BR transparent, wie genau eigentlich die Verbindung Wilhelms zu den an der Produktion beteiligten Firmen sei.

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Heft 5/2018
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Ulrich Wilhelm, derzeitig auch ARD-Vorsitzender, ist seit 2014 mit der Tochter des Produzenten und Rechtehändlers Jan Mojto verheiratet. Die von Mojto geleitete Firma Beta Film vermarktet "Babylon Berlin" im Ausland. Zudem ist Beta seit Anfang 2017 an der Firma X Filme beteiligt, welche die Serie für die ARD und Sky produziert. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

"Babylon Berlin" wurde bei seiner Premiere beim Bezahlsender Sky von der Presse gefeiert. (Lesen Sie hier unsere Rezension zu der Serie.) Sie ist derzeit acht Mal für den Fernsehpreis sowie für den Grimme Preis nominiert.

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Wilhelms Ehefrau ist seit Dezember 2015 gemeinsam mit ihrer Schwester Mehrheitseignerin der Beta - über zwei Zwischengesellschaften. Einen Interessenkonflikt gebe es jedoch nicht, teilte der BR auf Anfrage mit. Wilhelm sei als Intendant an der Produzentenauswahl nicht beteiligt. Auch als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der ARD-Tochter Degeto, die "Babylon Berlin" für die ARD eingekauft hat, sei er nicht mit Einzelverträgen befasst.

Trotzdem habe Wilhelm bereits im Januar 2012 den Justiziar des BR über die private Nähe Wilhelms zur Familie Mojto informiert, danach auch die Vorsitzenden von Verwaltungs- und Rundfunkrat. Mit der Degeto habe Wilhelm vereinbart, dass er nicht mit Verträgen befasst wird, die "einen persönlichen Konflikt auslösen könnten".

Unklar ist, wie detailliert Wilhelm die Beteiligten informierte und inwieweit Rundfunk- und Verwaltungsrat über deren Vorsitzende hinaus aufgeklärt wurden. Nach Angaben des BR soll Wilhelm etwa dem Justiziar nach der grundsätzlichen Erklärung im Jahr 2012 später aber nicht mehr angezeigt haben, dass seine Frau schließlich gemeinsam mit ihrer Schwester Mehrheitseignerin der Beta wurde.

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esboern 26.01.2018
1. Blöderweise
ist er auch noch Parteimitglied von einer unserer etablierten Parteien u. verdient nur 30 Tausend Euro im Monat in unseren Deutschen Selbstbedienungsladen, da kann man den Wählern nur gratulieren.
Abel Frühstück 26.01.2018
2.
Oha. Nachdem die ARD-Degeto gerade ihren Drehbuch-Skandal derdaut hat, folgt der nächste Filz-Vorwurf. Ich möchte den ÖR-Rundfunnk gerne erhalten wissen. Aber mit diesen Verflechtungen und dem Anschein von Begünstigung geht das nicht. Vielleicht findet der Mann besser einen Job in der Firma seiner Frau. Der ÖR hat sonst ein Legitimationsproblem.
GerhardFeder 26.01.2018
3. Weg mit diesem Schwindel-ÖR-System
Die ÖR sind doch seit Langem verlängerte Apparate der Parteien, mal verdeckt, mal offensichtlich. Hier der Strobl-Clan (DEGETO und CDU), dort der Wilhelm (ehem Pressesprecher) und beim ZDF der Bellut von Partei-Gnaden usw. Gebt dem System eine Chance zur Bewärung am Markt. Die Geschichte mit dem Rundfunk hat sich doch seit den Zeiten der Popaganda-Ministerien erledigt.
inge-p.1 26.01.2018
4. Jetzt verstehe ich erst den Wunsch des ARD-Vorsitzenden, ...
... dass er von uns noch mehr Fernsehgebühren einfordert. Da kann dann die Familie noch mehr Kasse machen. Da unterscheidet er sich dann nicht von der bayrischen Sozialministerium, die für ihre Modelauto-Firma körperlich Behinderte schuften ließ, oder der Minister, der seine ganze Familie in seinem Amt untergebracht hat. Von dem Wurst-Hansel, der 27 Millionen Steuern unterschlug, mal ganz zu schweigen. Ist eben Bayern.
egbert_sass 26.01.2018
5. Family business?
Aus einem Spiegel-Beitrag: Wilhelm sagte: "Inflationsbereinigt zahlen die Menschen in Deutschland seit gut zehn Jahren nicht mehr Rundfunkbeitrag - und das bei einem ungleich größeren Angebot. Darüber werden wir mit den Ländern im Einzelnen sprechen müssen." Hm, vielleicht sollte er lieber mit seiner Frau, deren Schwester und seinem Schwiegervater sprechen, ob sie ihre Produktionen der ARD künftig ein ganz klein wenig günstiger anbieten? Die familiären Verwicklungen besitzen einen charmanten Hauch von Korruption. Der KIKA-Korruptionsskandal lässt grüßen. Cut.
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