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Mammutprojekt "Babylon Berlin": ARD und Sky spendieren Tykwer-Serie Rekordbudget

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"Babylon Berlin": Erste Namen, erste Zahlen Fotos
DPA

"Babylon Berlin" drohte schon zum Treppenwitz zu werden - jetzt haben ARD und Sky endlich Konkretes verkündet: Fast 40 Millionen Euro soll Tom Tykwers Serie kosten. Auch die Hauptdarsteller stehen fest.

In den öffentlich-rechtlichen Anstalten ticken die Uhren ein wenig langsamer, das ist bekannt. Aber mit "Babylon Berlin" hat die ARD eine neuen Rekord in Sachen Schwerfälligkeit aufgestellt. Mehr als zwei Jahre dümpelte das Serienprojekt im Entwicklungsstatus vor sich hin. Während Privatsender wie RTL oder TNT Serie mit "Deutschland 83" und "Weinberg" ambitionierte Mehrteiler ankündigten, drehten, ausstrahlten und sogar erfolgreich ins Ausland verkauften, kam beim ARD-Projekt zeitweise nicht mal die Drehbuchentwicklung voran.

Die Trägheit mag auch einer ungewöhnlichen Allianz geschuldet sein: Die ARD plant "Babylon Berlin" gemeinsam mit dem Anbieter Sky, der für seine Beteiligung die Erstausstrahlungsrechte bekommen soll.

Ein öffentlich-rechtlicher Sender kooperiert mit einem Pay-TV-Sender - ein Novum auf dem deutschen Fernsehmarkt, das den Sonderstatus dieses Großprojekts betont: Starregisseur Tom Tykwer soll zusammen mit Achim von Borries und Hendrik Handloegten mit großem Aufwand die Kriminalromane des Bestseller-Autors Volker Kutscher umsetzen, die im brodelnden Berlin der Zwanzigerjahre spielen. Sie bilden nach dem Vorbild internationaler Serien den writer's room.

Zwischenzeitlich drohte "Babylon Berlin" allerdings zu einem Treppenwitz zu werden, über den selbst hochrangige ARD-Verantwortliche nur noch lachen konnten. Unvergessen, wie der WDR-Intendant Tom Buhrow vergangenes Jahr in einer öffentlichen Diskussionssendung über das Programm des Ersten in die Kamera zwinkernd verkündete, das Projekt wackle wohl.

Großereignis oder Millionengrab?

Da hat er sich wohl getäuscht. Am Mittwoch stellten ARD und Sky konkrete Pläne für "Berlin Babylon" vor - eleganterweise im Berliner Kino Babylon. Zur Einstimmung wurde auf der hauseigenen Stummfilmorgel "Mackie Messer" gegeben.

Zumindest die Zahlen, die danach genannt wurden, beeindrucken: Zwei Staffeln zu je acht 45-minütigen Folgen sind veranschlagt, Grundlage soll Kutschers Roman "Der nasse Fisch" sein. Kosten pro Stunde: Rund 2,5 Millionen Euro, so Produzent Jan Mojto von Beta Film. Man würde aber insgesamt unter 40 Millionen Euro bleiben, sagt Produzent Stefan Arndt, dessen Firma X Filme zum ersten Mal im Seriengeschäft mitmischt. Wahrscheinlich lieferte Tom Tykwer aber die verlässlichste Einschätzung: "Wie viel es wirklich kostet, wissen wir erst nächstes Jahr." Wie die genaue Kostenverteilung zwischen ARD und Sky aussieht, dazu gab es keine konkreten Zahlen.

Was aber gesichert ist: die Besetzung der Hauptrollen. Volker Bruch ("Unsere Mütter, unsere Väter") wird als Kommissar Gereon Rath zu sehen sein. Liv Lisa Fries ("Und morgen Mittag bin ich tot") übernimmt die Rolle von Raths Freundin Charlotte. Während Fries und Bruch womöglich nicht zu den bekanntesten Namen zählen, gehören sie fraglos zu den interessantesten Talenten der deutschen Schauspielszene. Fries wird demnächst in dem NSU-Dreiteiler der ARD zu sehen sein, Bruch hat zuletzt an der Seite von Rosamund Pike und Jack O'Donnell die internationale Koprodukton "HHhH" gedreht.

Die Dreharbeiten sollen von April bis Ende des Jahres dauern, rund 200 Drehtage sind veranschlagt. Für das Setting werden vier ganze Straßenzüge samt Hinterhöfen gebaut. Die fertige Serie soll ab 2017 bei Sky und ab 2018 im Ersten laufen, wahrscheinlich zur Primetime am Samstag.

"Babylon Berlin" könnte ein Fernsehereignis werden, das an die große Fernsehzeit der frühen Achtzigerjahre anschließt, als Wolfgang Petersen mit "Das Boot" oder Rainer Werner Fassbinder mit "Berlin Alexanderplatz" Fernsehmehrteiler schufen, die international strahlten. Der Einsatz ist allerdings enorm: Scheitert das Projekt, wird es das größte öffentlich-rechtliche Millionengrab aller Zeiten.

mit Material von dpa

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