Bericht über "Babylon Berlin" "Bild"-Zeitung macht Konrad Adenauer zum "Sadomaso-Freier"

In der gefeierten Serie "Babylon Berlin" geht es auch um SM-Sex. Die Autoren der "Bild"-Zeitung brachte das offenbar derart durcheinander, dass sie Konrad Adenauer eine delikate Eskapade andichteten.

"Bild"-Artikel über "Babylon Berlin"

"Bild"-Artikel über "Babylon Berlin"

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Die einen werden noch von den Schreckensbildern des Ersten Weltkriegs verfolgt, die anderen berauschen sich an Träumen von einer grandiosen Zukunft. "Babylon Berlin", das schwindelerregende Serienpanorama über die Weimarer Republik, das am Freitag auf Sky startet, erzählt von einer Gesellschaft im Ausnahmezustand. Auch der Sex findet hier im Ausnahmezustand statt. Er ist Spiegel dieser zerrissenen, unbefriedeten und hochbeschleunigten Gesellschaft.

Es geht um Prostitution und Pornografie, es geht um Sex auf Drogen und sadomasochistische Praktiken. Zum Teil sehr explizit. Den Journalisten der "Bild"-Zeitung muss es bei der Sichtung vor Aufregung die Brillengläser beschlagen haben, denn nun dichten sie dem ehemaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer eine sadomasochistische Ader an.

Am Freitag machte Bild.de einen Artikel über "Babylon Berlin" mit der Überschrift auf: "ARD macht Adenauer zum Sadomaso-Freier!" Dazu ist ein Foto aus dem Film gestellt, das als Beleg dienen soll, auf dem aber leider wirklich gar nichts zu erkennen ist.

In der von ARD, Sky und Beta Film gemeinsam finanzierten Serie geht es zwar um ein Verschwörungsszenario, in dem sadomasochistische Szenarien eine Rolle spielen und in dem auch der Name Adenauer fällt. Der Politiker wird aber nicht als tatsächlicher SM-Praktiker dargestellt. Im Gegenteil, im weiteren Verlauf der Handlung stellt sich heraus, dass der ermittelnde Kommissar in Sachen Adenauer auf einer falschen Spur war.

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Serienmeisterwerk auf Sky: Berlin im Rausch

Das ist nicht unerheblich, da die "Bild"-Zeitung sowohl in ihrer Printausgabe als auch in der Online-Version ihres Artikels die vermeintliche sexuelle Vorliebe Adenauers zum Skandal aufbauscht. Die Journalisten bitten in ihrem Artikel die Konrad-Adenauer-Stiftung und einen Enkel des legendären Politikers um Aufklärung über die sittliche Verfasstheit Adenauers. Der Enkel sagt über seinen Großvater: "Er pflegte eine intensive Nichtliebe zu Berlin. Das Leichtlebige, das Vulgäre dieser Stadt liebte er überhaupt nicht."

Die "Bild"-Zeitung bemüht sich also sehr darum, das Andenken der Politik-Ikone zu pflegen. Oder besser gesagt: Die "Bild"-Zeitung bemüht sich sehr darum, so zu tun, als pflege sie das Andenken Adenauers.

Die süffige Headline

Denn dieses Andenken wird ja durch "Babylon Berlin" gar nicht beschmutzt, sondern allenfalls durch die süffige Headline der Bild.de-Überschrift, die jetzt im Netz ist. In Wirklichkeit ist der Serien-Adenauer nämlich gar nicht in das Serien-Verschwörungsszenario verstrickt. Und die "Bild"-Autoren wussten das offensichtlich auch ganz genau, denn auf Anfrage hatte ihnen der Produzent des Filmes, Stefan Arndt von X Filme, den Verlauf nach eigenen Angaben genau erklärt.

Gegenüber SPIEGEL ONLINE erklärt Arndt: "Es ist fast schon lustig zu sehen, welche Kreise unsere Serie im Bezug auf Konrad Adenauer nun zieht. Wir hatten die 'Bild' darüber informiert, wie sich die Geschichte entwickelt, aber natürlich wollen wir unsere eigene Serie nicht am Starttag im Pay-TV spoilern. Dass es dennoch für eine Titelgeschichte zu reichen scheint, finden wir für die Aufmerksamkeit der Serie natürlich gut, aus journalistischer Sicht ist eine solche Vorgehensweise in Zeiten wie diesen schon sehr bedenklich."

Die "Bild"-Zeitung wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Artikel und den Vorwürfen des "Babylon Berlin"-Produzenten äußern.


"Babylon Berlin", ab 13. Oktober bei Sky, ab Herbst 2018 in der ARD.
Begleitend läuft am 16. Oktober, 21.50 Uhr, die zweiteilige Dokumentation "Sündenbabel Berlin" auf SPIEGEL GESCHICHTE.

insgesamt 18 Beiträge
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christian simons 13.10.2017
1. Fifty Shades Of Kölsch
Schade, und ich hatte mich schon so sehr auf die Bondage-Szenen mit Adenauer gefreut....
rainerwäscher 13.10.2017
2.
Kann man vielleicht in einem Jahr nochmal über diese Serie berichten? Denn wir haben sie zwar mit unseren TV-Gebühren bezahlt, sie läuft aber zunächst nur im Pay-TV und erst in einem Jahr im Volks-TV.
stuhlsen 13.10.2017
3. Danke
Danke SPON für die Klarstellung. Ich war erschüttert, als ich das heute früh in BLÖD gelesen habe. Der Springer-Verlag schreckt wirklich vor gar nichts mehr zurück, Personen der Zeitgeschichte zu besudeln, dabei gibt sich doch der Chef immer so smart und liberal.
Bueckstueck 13.10.2017
4. Echt jetzt?
War mir gar nicht klar, dass die Reihe durch Gebühren mitfinanziert wurde, aber Sky zunächst mal die Pay-Grabscher drauf hat. Wie ist denn das Finanzierungsverhätlnis prozentual gesehen?
haresu 13.10.2017
5. Alternative Geschichtsschreibung a la BILD
Conny mit der Rosenschere? Hätte ja sein können. Und Wirklichkeit ist ja neuerdings auch verhandelbar.
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