"Bachelorette"-Finale Mega! Wahnsinn! Hammer!

Die Bachelorette hat gewählt und sich tatsächlich für den besten Mann entschieden. Das schockt - und bringt die bisherige Sicht auf die bizarre Kuppelei schwer ins Wanken.

MG RTL D

Von


Vielleicht haben sie am Mittwochabend das Finale zusammen angeschaut, Flips gegessen und sich wie Bolle amüsiert. Vielleicht haben sie ein Trinkspiel daraus gemacht, immer dann einen Korn zu kippen, wenn Johannes "Wahnsinn", "hey", "Hammer" oder "mega" sagt und waren nach zwanzig Minuten bewusstlos, aber glücklich. Weil Jessica Paszka und David Friedrich bei den Dreharbeiten für die diesjährige, vermeintlich besonders brummdumme und schaurig-schöne "Bachelorette"-Staffel eventuell schnell gemerkt haben, dass sie sich sehr mögen, und dann gemeinsam beschlossen, aus dem matriarchialen Fummelformat offensiv eine noch größere Farce zu machen, als es einem beim Zuschauen dieses Romantikporns ohnehin schon vorkommt - vielleicht.

❤️ @jessica_paszka_ ! ��

Ein Beitrag geteilt von David Friedrich (@_david.friedrich_) am

Jessica hätte dann gar nicht wirklich mit Johannes, der schwäbelnden Gel-Version von Nico Rosberg geknutscht, denn sie hätte sich, bevor er zu seinen sonderbar schaufelnden, entschieden karpfigen Küssereien ansetzen konnte, schnell unauffällig einen Züngelschutz, angefertigt mit Materialien aus der Raumfahrttechnik, in den Mund geschoben. Sie hätte sich zusammen mit David japsend ausgedacht, eine Fischphobie vorzutäuschen, weil das die absurdeste Psychoschrulle war, die sie sich vorstellen konnten, und "du bist bei unserem Date so liebevoll mit deinem Schimmel umgegangen" das absurdest denkbare Schein-Kompliment kurz vor dem Korb.

Und vielleicht hätte die Bachelorette mehrfach wegen schlimmer Lachkrämpfe ihr Einzelinterview abbrechen müssen, in dem sie behauptet, sie könne so viel von Johannes lernen: "Ich schaue auf jeden Fall zu ihm auf."

Da zwacken die Kontaktlinsen

Vielleicht ist Johannes auch gar nicht der Stammelgeck, den er wochenlang so burgtheaterreif mimte, sondern hatte mit seinen Freunden einfach eine extrem lukrative Wette laufen, dass er in seinen Redeanteilen mindestens 60 Prozent Trottelfloskeln unterbringen könnte, und Sätze wie "Wahnsinn, hey, es isch ja der Hammer, hey!" tatsächlich gesendet würden. Womöglich ist Niklas auch gar kein creepy Superstarrer, sondern schaute Jessica nur deshalb immer so gruselig an, als habe er in einem Geheimraum seiner Wohnung eine serienkillermäßige Wandcollage mit allerlei Fotos und Zeitungsausschnitten von ihr gescrapbookt, weil er einfach die falsche Größe von Kontaktlinsen trägt und die ihn derart zwacken, dass er gar nicht anders gucken kann.

ANZEIGE
Anja Rützel:
Saturday Night Biber

Fischer Taschenbuch; 240 Seiten; 9,99 Euro

Und vielleicht sind seine Tattoos gar nicht echt, sondern er hat sie sich jeden Tag mit einem sehr dünnen Edding aufgemalt, weil er stimmungsausgleichsmäßig so gern Kalligraphie betreibt und seinen Block zu Hause vergessen hat. Möglicherweise hat Jessica auch gar nicht einfach mal testweise mit allen noch verbliebenen Kandidaten geschlafen, wie es die krematorienhaft zufahrenden Hotelzimmervorhänge am Ende jedes Dreamdates suggerierten, sondern die Nicht-Auserwählten anschließend höflich durch den Lieferanteneingang hinauskomplimentiert, weil sie ja längst schon wusste, für wen sie sich entscheiden würde, und nicht mit den Gefühlen der anderen spielen wollte.

Jessica Paszka
DPA

Jessica Paszka

Echte Chance auf eine gar nicht so schlimme Zukunft

Vielleicht hat Niklas sich seine Ausflipper bei seinem Rauschmiss gestern nochmal angeschaut, lachend den Kopf geschüttelt und gesagt: Das war bestimmt mein Sonnenstich, da komme ich ja rüber wie eine wilder Wutzerich. Womöglich haben sich zur gleichen Zeit Jessica und David nochmal geärgert, dass Johannes sich in seinem sonderbaren weißen Finalanzug leider doch nicht auf das von ihnen mit versteckten Schokotrüffeln präparierte Sofa gesetzt hatte, ein Streich, zu dem sie durch Helmut Bergers Biografie inspiriert wurden, aus der sie sich bei ihren Kuschelabenden manchmal gegenseitig vorlesen, wenn sie zu müde für ihre geliebten Visconti-Filme sind.

Vielleicht also sind in Wahrheit alle ganz anders, alle bis auf David jedenfalls, der natürlich auch in echt genau so super ist, wie er in seiner "Bachelorette"-Spiegelung rüberkam, und die Sendung darum zwar eine genauso große Inszenierung, wie man sich das denkt, nur irgendwie auf eine lustige, schlaue, gute Art. Und vielleicht haben Jessica und David dann ja wirklich die Chance auf eine gar nicht so schlimme gemeinsame Zukunft. Es ist alles nicht sehr wahrscheinlich, aber es wäre doch auch mal ganz schön .

Und falls nicht, bleibt uns ja immer noch Niklas im nächsten Dschungelcamp.



insgesamt 32 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
schgucke 27.07.2017
1. nein, diese Sendung nicht.
Frau Rützel, meine Hochachtung. so, wie ich dankbar bin, dass es Berufe gibt, die sich an meiner statt mit unappetitlichen, hässlichen oder gefährlichen Gegenständen auseinandersetzen, muss ich Ihnen "Respekt, Mann!" sagen für das, was Sie gucken müssen. Sie haben es geschafft, dass ich eine Folge GNTM aus der Konserve geguckt habe, und Dschungelcamp ist ja Pflicht, aber diese Pseudo-Balz ist sowas von uninteressant, und das lese ich auch zwischen Ihren Zeilen. okay, in den Glatzen-Beschälor habe ich auch mal reingesehen, mich dann aber so für Frauen geschämt, dass auch das nicht mehr in Frage kam.
kangootom 27.07.2017
2. Wer schaut sich das an? Warum mach SPON Werbung für diesen Mist?
Wer schaut sich diesen Mist an und warum? Noch interessanter ist für mich die Frage, wie viel Geld der Spiegel bekommt um mit diesem Artikel Werbung für diese sinnfreie Sendung zu machen. Passender wäre ein Kommentar zum Inhalt (oder besser der Inhaltslosigkeit) der Sendung gewesen.
WWW-Schizo 27.07.2017
3. Wortgewandtheit vs. Schönling
Was interessant zu sehen war, und wovon im realen Leben auch weniger schöne Männer profitieren ist, das der Sieger unbestritten am besten Reden konnte, er kam immer souverän im TV herüber ohne Aussetzer. Ein wichtiges Kriterium im übrigen für erfolgreiche Politiker und Manager. Schönlinge wie Marco oder Arnold konnten dagegen nichts Ausrichten, da sie sich auf ihrem Aussehen "ausruhten" und keine Mühe in ein Flirten investiert hatten. Dann war er auch derjenige mit dem weitab höchsten Promifaktor. Beide Sachen werden in Kombination den Ausschlag gegeben haben.
Masomenos 27.07.2017
4. Brot und Spiele
Die Autorin macht sich über das Format lustig, hat aber wohl jede einzelne Folge mitverfolgt. Was möchte sie uns also sagen, brauchen wir solche Formate oder nicht? Und viele Leute haben diesen Mist ebenfalls geschaut, wohl gerade Jugendliche, was an der Zahl der "likes" in Davids posting klar wird. Meiner Meinung nach sind solche Formate Gift fürs Hirn junger Heranwachsender. Auf der anderen Seite sind wir alle nur Menschen und auch in Deutschland bewahrheitet sich, was schon die guten alten Römer wussten: Gib dem Volk Brot und Spiele. Denn die Satten, Dummen und Glücklichen denken nicht über die wahren Probleme dieser Welt nach.
pmv 27.07.2017
5. Krass daneben ! No future !
Diese Jugend denkt einfach nicht an die Zukunft! Die Bachelorette hätte den Schönheitschirurgen Manuel wählen sollen, der ihr ein zu erwartendes ordentliches Einkommen hätte bieten können und vor allem auch noch regelmäßig die Brust korrigieren und das Fett hätte absaugen können!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.