Bambi 2013 Im falschen Film

Nach den desaströsen Zuschauerzahlen beim Bambi 2012 stimmte diesmal wenigstens die Quote. Tatsächlich ein Erfolg? Das Publikum schien der "Bunten" entstiegen, ein Star pries den nächsten, den rührenden Moment lieferte Jupp Heynckes. Am Ende wusste selbst die Moderatorin nicht mehr, wo sie sich befand.

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Am Ende hatte Helene Fischer offensichtlich vergessen, wo sie sich eigentlich befand. "Das war der Echo 2013!", verabschiedete sie sich gut gelaunt von den Fernsehzuschauern. Aber man kann sich ja nicht alles merken als Moderatorin und Preisträgerin in Personalunion. Nicht mehr um viertel nach elf, nach drei Stunden Bambi-Verleihung. Zumal wenn die so vollgepackt ist wie diesmal in Berlin.

Nach der katastrophalen Einschaltquote im Vorjahr hatten die Verantwortlichen keine andere Wahl gehabt als ranzuklotzen. Und zumindest bei der Einschaltquote haben sich die Bemühungen schon bemerkbar gemacht: 4,82 Millionen Zuschauer, und damit knapp doppelt so viele Menschen, sahen die drei Stunden lange Gala in der ARD - ein Marktanteil von 16,9 Prozent.

Das Medienhaus Hubert Burda stand unter dem Zwang, der ARD einen guten Grund zu liefern, die werbeträchtige Übergabe seiner Miniatur-Rehe auch weiterhin zu übertragen. Werner Kimmig wiederum, der Produzent der Show, musste das Großprojekt nutzen, um sein Image polieren, das durch Kimmigs Verwicklung in die Finanzierungs-Affäre um den früheren Unterhaltungschef des MDR zuletzt nicht gerade befördert worden war.

Also strengten sich alle mordsmäßig an und versammelten im Theater am Potsdamer Platz verschwenderisch viele Prominente, darunter sogar einige Weltstars. Das sah dann zum Beispiel so aus, dass Barbara Schöneberger Robbie Williams ansagte, der Pep Guardiola ansagte, der eine Laudatio auf Jupp Heynckes hielt. Oder dass die Verlegergattin, Gastgeberin und "Tatort"-Kommissarin Maria Furtwängler 35 Ermittler-Kollegen um sich scharte, von Liefers bis Schweiger, um den Erfinder der sonntäglichen Krimi-Reihe, Gunther Witte, zu würdigen. Ob eigentlich der milliardenschwere Wohltäter Bill Gates deshalb von Günther Jauch seinen Bambi ausgehändigt bekam, weil beide sich phänotypisch gleichen wie ein Reh dem andern?

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Mode beim Bambi: Bitte recht blass!

Selbst das Publikum sah aus, als habe man das Burda-Blatt "Bunte" geschüttelt und alle herausfallenden Berühmtheiten auf die Zuschauerränge drapiert. Wobei es natürlich gemein war, während der Dankesrede der Spielerfrau Victoria Beckham, die zuvor von Karl Lagerfeld als "Fashion-Ikone" gepriesen worden war, ausgerechnet die im Saal sitzende Ex-Spielerfrau Sylvie van der Vaart kurz einzublenden, die Ikone für eigentlich nichts so richtig ist. Noch ein bisschen gemeiner war es, als Barbara Schöneberger über Mode für Dicke sprach, nicht nur die obligatorische Cindy aus Marzahn zu zeigen, sondern gleich noch den "Focus"-Herausgeber Helmut Markwort und seine Frau, die "Bunte"-Chefin Patricia Riekel.

Riekel, auch irgendwie Gastgeberin des Abends, hielt eine Grundsatzrede über die Bedeutung von Klatsch und Tratsch, in welcher sie Klatschjournalisten bevorzugt als Gesellschaftsreporter titulierte. Im Anschluss zeichnete sie das beliebteste TV-People-Magazin aus, also die beste verfilmte "Bunte". Sieger war "Brisant" (ARD), so hatten die Zuschauer im Vorfeld abgestimmt. Zur Auswahl gestanden hatten noch "Exclusiv" (RTL), "taff" (ProSieben), "Prominent!" (Vox) und "Leute heute" (ZDF), was ungefähr der Frage gleichkam, was die schönere Krankheit sei: Pest, Cholera, Syphilis, Typhus oder Krätze.

Rührende Momente mit Jupp Heynckes

Wenn man nach wahrhaftigen Momenten des Abends sucht, ist man schnell bei Jupp Heynckes. Der wurde für seine grandiose Trainerlaufbahn geehrt. Vielleicht muss man die Auszeichnung aber auch als Entschuldigungs-Bambi dafür verstehen, dass der FC Bayern Heynckes zugunsten Guardiolas aufs Altenteil befördert hat. "Focus"-Senior Markwort sitzt beim Verein übrigens im Verwaltungsbeirat.

Heynckes sagte, es sei seine Frau gewesen, die ihm die Nachricht überbrachte, dass er einen Bambi bekomme. Wissend um seine Abneigung gegen derartige Veranstaltungen habe sie gesagt: "Das machst du aber." Heynckes sprach in seiner Dankesrede über "Zwischenmenschliches", "Empathie", "Kommunikation" beim FC Bayern und ließ sich auch nicht von einer eingespielten Melodie beirren, die ihn zum Schluss drängen wollte. Es hatte etwas Anrührendes, wie der 68-Jährige dann von seiner Mutter erzählte. Die habe sich einmal im Jahr ein Sonntagskleid angezogen, nämlich dann, wenn im Fernsehen die Bambi-Verleihung kam. Sie würde sich an diesem Abend "wahnsinnig freuen, sie würde stolz auf mich sein". So sehr einen diese Worte wärmten, so wenig mochte es einem jedoch gelingen, sich Heynckes als Kind vorzustellen.

Notizen am Rande: Miley Cyrus war für ihre Verhältnisse züchtig gekleidet. Udo Jürgens gab mal wieder zu erkennen, dass er nicht ans Aufhören denkt. Robbie Williams ließ gegen Ende der Show durchblicken, warum er sich an diesem Abend gleich zu mehreren Bühneneinlagen hatte hinreißen lassen: An diesem Freitag erscheint sein neues Album, und das, so Williams, sollten doch bitte alle kaufen.

Ob irgendwer Helene Fischer inzwischen darüber aufgeklärt hat, bei welcher Veranstaltung sie war?



insgesamt 87 Beiträge
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Sabi 15.11.2013
1. Rauch
Eine Breweihräucherung der immer gleichen von immer den gleichen ! Sozusagen eine geschlossene Gesellschaft, nein Anstalt ! Und die doofen TV-Anstalten übertragen und die noch Dooferen sitzen vor den Monitoren und gaffen ! TV per excellence- bravo !
sbo 15.11.2013
2. Einschlafquote war dieses mal hoch
Ich habe es nicht geschaut, aber als Normalbürger dieses Landes habe ich an soetwas überhaupt keine Interesse, es ist nicht nur uninteressant was angebliche Promis so machen, es schmerzt sogar, falls man beim umschalten am TV Sequenzen davon erhascht. Und bitte wundern sie sich nicht, dass die jungen Menschen wirklich gar nichts davon mitbekommen, die sind schon seit Jahren nicht mehr im TV unterwegs, die haben eine glückliche Jungend. Abgesehen das die bei dem Wort Bambi ehr auf dem KIKA suchen würden. ;-)
Schatziputzi 15.11.2013
3. Sich selbst feiern
Vielleicht sind solche Veranstaltungen auf denen eine Szene sich selbst feiert, nicht mehr so attraktiv wie vielleicht früher einmal? Der von Peinlichkeiten begeisterte Zuschauer schaut sich vielleicht doch lieber die "Kochprofis" an.
nicless 15.11.2013
4. Als wenn die Nation....
...sonst keine Probleme hätte!
asfcb 15.11.2013
5. Ich hätte
eine Frage. Ich dachte immer der Bambi wäre der deutsche Filmpreis, aber als ich gestern in den Pausen von Herr der Ringe auf ARD schaltete wurde querbeet für alles ein Bambi verliehen. Kann mir jemand sagen für was ein Bambi jetzt nun steht? (Ist ernst gemeint)
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