US-TV-Legende Barbara Walters: Rente auf Raten

Von , Washington

US-Moderatorin Barbara Walters: Eine TV-Legende tritt ab Fotos
AFP

Ihr Gespräch mit Clintons Expraktikantin Lewinsky hält noch immer einen Einschaltrekord, sie sprach mit Castro über Freiheit und Jelzin übers Trinken: Barbara Walters ist eine TV-Legende. Jetzt kündigte die 83-jährige in der eigenen Sendung ihren Rückzug an - mit einer Träne im Auge.

Die fünf Moderatorinnen versprechen die "aufregendsten Ereignisse des Tages", das ist das Konzept der ABC-Sendung "The View". An diesem Montag zum Beispiel geht es um Schwimmanzüge für die kleine und die kurvige Frau, das neue Album eines Rappers und zwischendrin darf ein Nagellack-Hersteller seine "heißen Farben" anpreisen. So geht das jeden Werktag, rund 3,7 Millionen Amerikaner schalten vormittags ein.

Dieser Montag allerdings soll jenseits von Badeanzügen ganz besonders aufregend werden.

Denn Barbara Walters, die Erfinderin der Sendung und seit deren Start im Jahr 1997 eine der Gastgeberinnen, kündigt gleich zu Beginn ihren Rückzug aus dem TV-Geschäft an. Noch ein Jahr will sie weitermachen, dann soll im Sommer 2014 Schluss sein. Gut, für eine 83-Jährige mag das nicht ungewöhnlich klingen; für Walters allerdings schon.

"Fernsehen ohne sie ist kaum vorstellbar", kommentiert das Magazin "Forbes". Denn mit Walters sind die meisten Amerikaner aufgewachsen, ein halbes Jahrhundert schon macht sie Fernsehen, 1976 war sie die erste Frau in den USA, die eine tägliche Nachrichtensendung moderierte. Barbara Walters ist die Dagmar Berghoff des US-Fernsehen.

Das Saalpublikum von "The View" gibt jetzt Standing Ovations, Walters wischt sich eine Träne weg und der Bürgermeister von New York kommt herein. Michael Bloomberg ist der Überraschungsgast. Das läuft gut, Walters sagt gleich, dass sie den Bürgermeister sehr lieb habe. Woraufhin Bloomberg versichert, Walters sei sein Idol. Sie hätten es schließlich beide nach New York geschafft, um am großen Rad zu drehen.

"Du fragst die harten Fragen auf schöne Art"

Bloomberg sagt: "Du wolltest immer jene Leute interviewen, die den Unterschied machen - aber Du machst den Unterschied." Walters greift nach seiner Hand. "Du fragst die harten Fragen auf schöne Art", legt der Bürgermeister nach. Und vor allem: "Du hast Frauen einen ganz neuen Karrierepfad geöffnet." In diesem Moment mag das alles nicht so recht zusammen passen: Hier die Kitsch-Kulisse von "The View", dem Giggel-Format fürs späte Frühstück; und da der Verweis auf Walters Karriere jenseits des seichten Fachs.

Tatsächlich war keineswegs alles Nagellack bei Walters. In Amerika gilt die Frau als Interviewlegende, noch immer hält ihr Zwei-Stunden-Interview mit Clintons Ex-Praktikantin Monica Lewinsky aus dem Jahr 1999 den Rekord: 74 Millionen Zuschauer. Nie wieder hat ein TV-Gespräch so viele Menschen erreicht. Walters hat mit allen Präsidenten und deren Gattinnen seit Richard Nixon Interviews geführt; sie hat mit Kubas Fidel Castro über Freiheit gesprochen, mit Russlands Boris Jelzin über seine Trinkerei und mit Katharine Hepburn über den Baum, in den sich die Schauspielerin gern verwandeln würde (Eiche).

Walters hatte ihre frühen TV-Auftritte in den Sechzigern als "Today Girl" bei NBC, berichtete allerlei Belanglosigkeiten in der "Today Show". Als erste Frau schaffte sie den Aufstieg zur Mitgastgeberin der Sendung. Allerdings durfte sie Interviewpartnern erst dann Fragen stellen, wenn ihr männlicher Kollege seine abgearbeitet hatte. Doch Walters, die privat nie ihr Glück gefunden hat - vier Scheidungen bei insgesamt drei Ehemännern, Tochter mit zwischenzeitlichen Drogenproblemen - kämpfte.

Patzer beim Interview mit Syriens "versehentlichem Diktator"

Zwischen 1976 und 1978 moderierte sie die ABC Evening News, ab 1979 arbeitete sie als Reporterin und Moderatorin für das ABC-Magazin "20/20". Sie überredete Israels Premier Menachem Begin und Ägyptens Präsident Anwar al-Sadat zu einem gemeinsamen TV-Interview, ein Coup. Walters reiste, leitete zwei Präsidentschaftsdebatten, moderierte Spezialsendungen.

"Ich würde alles wieder genauso machen", sagt Walters am Montag jenen Satz, der beim Abschied wohl gesagt werden muss. Nach ihrer Herzoperation vor drei Jahren und der Windpocken-Infektion kürzlich sei sie nun wieder "vollkommen gesund", um ihren Ruhestand zu genießen. Der "New York Times" hatte sie zuvor versichert, dass es heutzutage ohnehin nicht mehr so viele Staatschefs gebe, "die ich gern interviewen würde". Auch dieser Spruch gehört beim Abschied wohl dazu.

Dabei rutschte in den letzten Jahren Walters' ja ohnehin freundliche Gesprächsführung immer wieder ins Harmlose ab. Barack Obama ist wohl auch aus diesem Grund Stammgast. Als er während eines Interviews seiner Frau Michelle sagte, sie habe Lippenstift am Zahn, war Walters hin und weg: "Das ist das Natürlichste, das wir im Fernsehen je gesehen haben." Im Dezember 2011 patzte Walters bei einem Interview mit Syriens Diktator. Assad sei gar kein so "verrückter Mann" und nur ein "versehentlicher Diktator", erklärte sie nachher. Gleichzeitig revanchierte sie sich für das Exklusivinterview, indem sie einer Assad-Vertrauten einen Studienplatz in den USA besorgte. Später entschuldigte sie sich dafür.

Nun folgt die Abschiedstournee durch vielerlei ABC-Formate. Damit am Montag auch wirklich jeder mitbekommt, dass es noch eine Weile Zeit hat mit der Rente, sagt sie, bis zu ihrem Rückzug 2014 sei es "ein ganzes Jahr". Barbara Walters wird das bis zum Ende der Sendung noch drei weitere Male sagen.

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Welche Sprache ist das?
benutzer10 13.05.2013
"Bloomberg sagt: "Du wolltest immer jene Leute interviewen, die den Unterschied machen - aber Du machst den Unterschied."" Auf deutsch also: Besondere Leute, die etwas bewegt haben. Was das oben für eine Sprache sein soll? Keine Ahnung.
2. ganz wichtig
Metternich 13.05.2013
Dieser Beitrag, ganz wichtig! Weil in Deutschland ja Millionen Fernsehzuschauer Barbara Walters-Fans sind, jede Sendung mit ihr gesehen haben und die Abschiedstournee kaum erwarten können.
3. Lol
quark@mailinator.com 14.05.2013
Bild 3 ist einfach zu gut - Obama einsam, zu Tode gelangweilt und angefressen ... und dann die Bild-Unterschrift "Dass Frauen, die sich ... unterhalten, intelligent ... sind, ist ungewöhnlich genug ..." ... Wenn das nicht ungewollt komisch ist, weiß ich ja nicht :-). Naja, schade, daß das Leben immer irgendwann zuende geht, oft dann, wenn man gerade herausgefunden hat, wie es vernünftig läuft ;-) ...
4. Sie hat wie einige
Jay's 14.05.2013
andere Journalisten auch den Krieg in Afghanistan und Irak verteidigt. Eins ihrer Argumente war die "Freiheit" der Frau und Einfuehrung westlich-gepraegter Demokratie. Damit hat sie in meinen Augen die Lage in diesen Laendern total fehleingeschaetzt.
5. What for?
MDen 14.05.2013
Wer sich in der US-amerikanischen TV-Landschaft auskennt, kann mit diesem Artikel etwas anfangen, auch wenn seine Relevanz dem von "The View" entspricht: allenfalls seichte Unterhaltung mit eingestreuter Werbung. Wofür man dem deutschen Internetpublikum dieses so lang und breit erzählt, erschließt sich mir auch beim zweiten Mal nicht. Und wenn dieser Artikel einen Einblick in eine fremde Kultur sein soll, fehlen zu all den erwähnten Sendern und Programmen hintergündlige Beschreibungen, damit man sich auch ohne USA-Kenntnisse ein Bild machen kann.
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