Kritik an BR-Sendung "Das nordkoreanische Fernsehen hätte es nicht besser machen können"

Der Bayerische Rundfunk zeigt in einer Faschingssendung einen CSU-Politiker. Doch dieser war bei der Aufzeichnung der Show gar nicht anwesend. Ein SPD-Politiker findet das gar nicht witzig.

Szene aus "Schwaben weißblau": Aufklärung über die "Täuschung"
BR/ Ralf Wilschewski

Szene aus "Schwaben weißblau": Aufklärung über die "Täuschung"


Man stelle sich vor: Der SPD-Landesvorsitzende in Bayern lässt die Aufzeichnung einer Faschingssendung des Bayerischen Fernsehen (BR) über sich ergehen. Der Mann geht davon aus, dass er auf den Bildschirmen Bayerns zu sehen sein wird, sogar vorteilhafter als ein CSU-Rivale, der bayerische Justizminister. Dieser war nur bei der Probe anwesend, nicht aber bei der Sendungsaufzeichnung. Doch dann sieht der SPD-Mann die Ausstrahlung der BR-Sendung im Fernsehen und stellt fest: Der CSU-Platzhirsch sitzt winkend und lachend im Publikum. Er, der SPD-Politiker, spielt in der Sendung nur eine Nebenrolle.

So passiert ist das dem bayerischen SPD-Landesvorsitzenden Florian Pronold. Die Faschingssendung "Schwaben weißblau" wurde am vergangenen Freitag zur besten Sendezeit vom BR ausgestrahlt. Pronold war bei der Aufzeichnung zugegen gewesen. Der bayerische Justizminister Winfried Bausback (CSU) hingegen hatte nur an der Probe teilgenommen, wurde aber in die Ausstrahlung hineingeschnitten, mit Aufnahmen vom Probetag.

"Gleichwertiger Aufzeichnungstag"

Am Montag machte Pronold deswegen seinem Ärger auf Facebook Luft. "Das nordkoreanische Fernsehen hätte es nicht besser als das Bayerische Fernsehen machen können", schrieb er, und forderte Aufklärung vom Intendanten des BR über diese "Täuschung".

Der BR aber sieht sich nicht in der Schuld. Es sei angekündigt gewesen, dass die Sendung "Schwaben weißblau" an zwei Tagen aufgezeichnet werde - "mit jeweils gleichem Programm und gleicher Moderation", wie es in einer Erklärung heißt. Die Veranstaltung mit Bausback sei nicht als Generalprobe anzusehen, sondern als "gleichwertiger Aufzeichnungstag".

Vor rund einem Jahr war der BR bereits mit der Serie "Dahoam is Dahoam" in die Kritik geraten. Der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) spielte sich darin selbst und hielt in einer längeren Szene einen politischen Vortrag. BR-Intendant Ulrich Wilhelm sagte nach Kritik an dem Vorfall Politikerauftritte in der Serie ab.

mka

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insgesamt 72 Beiträge
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Seite 1
franz.v.trotta 26.01.2016
1.
Natürlich ist das eine Manipulation. Aber ist halt Bayern. Die Ausreden des Senders sind kläglich.
Pango 26.01.2016
2. Was erwartet man auch vom BR?
Waren die Ausschnitte der Probe klar gekennzeichnet? Falls nicht, wurde auch das Publikum getäuscht ... Aber das gehört natürlich zur Brauchtumspflege dieser Lokalklitsche.
globalundnichtanders 26.01.2016
3. Welcher Sender braucht...
...zwei identische Aufzeichnungstage um eine Show zu filmen? Da wurde ja mal eher stümperhaft gearbeitet. Und politisch neutral war der BR, so munkelt man, ja nun noch nie so ganz...
rainer_daeschler 26.01.2016
4. Nordkorea, näher an Bayern als man denkt
Anrufe von CSU-Granden oder deren Sprecher, die den Programmablauf zu beeinflussen trachten, haben jetzt schon nordkoreanische Qualitäten.
max-mustermann 26.01.2016
5.
Der BR war und ist schon immer CSU Funk gewesen als einzige Ausnahme würde ich lediglich die Sendung "Quer" durchgehen lassen.
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