Falsche Missbrauchsvorwürfe: BBC leitet Disziplinarmaßnahmen ein

In einem TV-Beitrag beschuldigte die BBC einen prominenten Politiker des Kindesmissbrauchs. Die Vorwürfe erwiesen sich als haltlos. Nun hat der Sender sofortige Disziplinarmaßnahmen angekündigt. Die Verantwortlichen hätten "grundlegende journalistische Fehler" begangen.

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Angeschlagene BBC: "Grundlegende journalistische Fehler"

London - Die BBC treibt die Aufarbeitung ihrer fehlerhaften Berichterstattung über angeblichen Kindesmissbrauch weiter voran. Am Dienstag kündigte der Sender sofortige Disziplinarmaßnahmen an, ließ aber offen, gegen wen sich diese richten sollten. Zuvor hatte es in einem internen Ermittlungsbericht geheißen, der Nachrichtenbeitrag, in dem implizit der Tory-Politiker Alistair McAlpine beschuldigt wurde, weise "grundlegende journalistische Fehler" auf. Unter anderem sei der Politiker nicht um eine Stellungnahme gebeten worden.

Die BBC-Nachrichtensendung "Newsnight" hatte in der vergangenen Woche über Steve M. berichtet, der in den Siebzigern in einem Kinderheim in Wales missbraucht worden war. Obwohl der Täter in der Sendung nicht namentlich genannt wurde, deutete der Beitrag auf McAlpine hin. Der frühere Schatzmeister der Konservativen bestritt am Freitag die Vorwürfe. Steve M. selbst teilte später mit, dass nicht McAlpine der Täter gewesen sei. Am Freitag räumte die BBC einen Fehler ein und entschuldigte sich bei McAlpine.

Am Montag hatten zudem die Nachrichtenchefin Helen Boaden und ihr Vize Stephen Mitchell ihre Ämter vorübergehend niedergelegt. Hintergrund war die Affäre um einen zurückgezogenen Bericht von "Newsnight" über die Missbrauchsvorwürfe gegen den verstorbenen Moderator Jimmy Savile. Angeblich hatte die BBC-Spitze interveniert und die Ausstrahlung des Berichts im vergangenen Jahr verhindert.

Die Affäre Savile erschüttert seit Wochen Großbritannien und die BBC, immer wieder gibt es neue Enthüllungen. Scotland Yard hat inzwischen wegen des Verdachts auf "Missbrauch in noch nie dagewesenem Ausmaß" durch den Fernsehmoderator Ermittlungen eingeleitet. Den Ermittlern zufolge gibt es Hinweise, dass Savile rund 40 Jahre lang Kinder missbrauchte. Die Polizei geht von 300 möglichen Opfern aus. Savile war 2011 im Alter von 84 Jahren gestorben.

Die "Times" berichtete derweil, der Nachfolger von BBC-Interimschef Tim Davie solle auf Wunsch von Verwaltungsratschef Chris Patten jemand von außerhalb der Rundfunkanstalt sein. Buchmacher gaben bereits Quoten für mehrere Kandidaten heraus. Davies Vorgänger George Entwistle war am Samstag im Zuge des Skandals zurückgetreten.

syd/AFP

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